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ErdkundeBrockhaus 1882

Wallonen nennt man die zur großen roman. Völkerfamilie, speziell aber zum franz. Volksstamm zu rechnende Völkerschaft, welche den Landstrich längs der Grenze des german. Sprachgebietes in den südl. Niederlanden, von Dünkirchen bis nach Malmedy, inne und namentlich in dem Ardennenzebiet ihren Sitz hat, also Teile der Departements Pas-de-Calais, Nord, Aisne, Ardennes in Frankeich, vorzüglich aber das südl. Brabant, sowie die helg. Provinzen Hennegau, Namur, Lüttich, Luxemhurg (mit Ausnahme eines deutsch redenden Teils m Osten) und endlich einige Ortschaften um Malnedy in Rheinpreußen bewohnt. Die W., deren Anzahl in Beigien, wo sie hauptsächlich wohnen, auf über 2 Mill. angegeben wird, sind die Nachkömmlinge der alten, teilweise aus german. Elementen bestehenden gallischen Belgier, welche dem Andrange der german. Eroberer widerstanden, sich aber mit röm. Elementen mischten und namentlich in der Sprache romanisierten. Vgl. Grandgagnage, De l'origine des Wallonse (Lütt. 1852). Diese Sprache erscheint jetzt völlig als ein franz. Volksdialekt (Patois), in welchem jedoch unter allen franz. Volksdialekten mit die meisten sowohl german. als gallischen Sprachüberreste sich erhalten haben. Vgl. Grandgagnage, Dictionnaire étymologique de la langue wallones (Lütt. 1847—50, fortgesetzt von Scheler, Brüss. 1880); Forir, Dictionnaire Liégeois-Frangaiso (2 Bde., Lütt. 1866—74). Der Name W., holländisch Walen genannt, bezeichnet hinlänglich ihren gallo-roman. Ursprung. Doch unterscheiden sich die heutigen W. vielfach von den Gallo-Romanen, obschon das Französische die Umgangs⸗ und Büchersprache bei den Gebildeten unter ihnen ist und sie auch im allgemeinen den Franzosen mehr ähneln als ihren deutschen Nachbarn. Es sind gedrungene mittelgroße Gestalten, mit kräftigen Gliedern, dunkelm Haar, tiefliegenden, feurigen, dunkeln, braunen oder blauen Augen. An Gewandtheit und Anstelligkeit übertreffen sie ihre vlämischen, an Ernst, Ausdauer und Fleiß ihre franz. Nachbarn. An leidenschaftlicher Erregbarkeit gleichen sie mehr diesen als jenen. Die belg. Revolution faßte vorzüglich auf wallonischem Gebiet Wurzel, und die hervorragendsten Staatsmänner des neuen Belgien sind wallonischer Herkunft. Gegen den von ihnen vertretenen Geist ist vorzüglich die vläm. Bewegung (s. Vlämische Sprache und Litteratur) gerichtet.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 418Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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