FeedWalpole (Horace)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Walpole (Horace), engl. Schriftsteller, geb. 5. Okt. 1717, jüngster Sohn Sir Robert Walpoles (. d.), studierte zu Eton und Cambridge und wurde mit dem Dichter Gray, mit dem er 1739 Italien bereiste, befreundet. Seit 1741 viermal ins Unterhaus gewählt, hielt er streng zu den Whigs, ohne jedoch politisch hervorzutreten; 1767 zog er sich von den Staatsgeschäften zurück. Seine Wohnung auf dem Landgute zu Strawberry-Hill bei Twickenham baute er im mittelalterlichen Stile aus und legte darin die kostbarsten Sammlungen von Kunstwerken, Büchern, Autographen und Seltenheiten aller Art an, die 1842 durch Versteigerung zerstreut worden sind. Hier schrieb er seine kunstgeschichtlichen und schöngeistigen Werke, den «Catalogue of royal and noble authorso (1758), die „Anecdotes of painting in England (2 Bde., Lond. 1761), die KAedes Walpolianaes, das Verzeichnis aller im Besitz seiner Familie zu Houghton in Norfolk befindlichen Kunstschätze, welche später die Kaiserin Katharina II. ankaufte. Ferner verfaßte er den Geisterroman The castle of Otrantop (1765), das Urbild einer Menge ähnlicher Werke, das Trauerspiel The mysterious motherv (1768), das er auf seiner eigenen Presse drucken ließ, und die Historic doubts on the life and reign of Richard III.b (1768). Am berühmtesten ist W. durch seine Briefe und Memoiren. Die erstern, welche 1841 in sechs Bänden gesammelt erschienen, denen 1851 noch zwei Bände seiner Korrespondenz mit dem Dichter Mason folgten (neu herausg. von Cummingham, 9Bde., Lond.1857 —59), sind Muster von Lebendigkeit, Witz und Schärfe, oft auch von Bosheit, und enthalten die lebendigsten Schilderungen der Persönlichkeiten und Zustände seiner Zeit. Seine Memoiren, die von 1751 beginnen und fast bis ans Ende seines Lebens reichen (neuere Ausg., 12 Bde., 1846; deutsch in der Sammlung von Memoireno von Pipitz und Fink, 3Bde., 1846), stehen den Briefen nach. Seine bittern und sonderbaren, oft wechselnden Urteile über Personen treten hier zu grell hervor. Zur Geschichte der Regierungen Georgs II. und Georgs III. sind sie eine wichtige Quelle. Im J. 1791 wurde W. noch (durch den Tod seines Neffen) Graf von Orford; er starb 2.März 1797. Vgl. Warburton, «Memoirs of Horace W. and his contemporarieso (2 Bde., Lond. 1851).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 420Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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