Wän oder Vän, türk. Vilajet im südöstl. Armenien, gewöhnlich zu Kurdistan gerechnet, bestehend aus den Sandschaks W. (mit 233269 E.), Musch und Hakkiari, hat ein Areal von etwa 33000 akm und zählt (1879) 338 393 CE., von denen 120000 nestorianische Christen und Armenier, die übrigen Kurden und Türken sind, ist sehr gebirgig und umschließt den 3662 qEm' großen Waänsee, der bei den Alten Arsissa oder Thospitis, bei den Armeniern See von Tosp, bei den Arabern See Argisch genannt wurde. Der See liegt im W. des Urmiasees, 1666 müber dem Meere und ist, wie jener, durch Salzgehalt und die Nachbarschaft historisch merkwürdiger Orte ausgezeichnet. Etwa 6 km vom südöstl. Ufer liegt die feste Stadt Wän, in einer mit Gärten und Landhäusern bedeckten Gegend. Dieselbe ist Sitz des Generalgouverneurs des nördl. Kurdistan und zählt 45000 E., die grobe Kalikots fertigen und Salzsiedereien unterhalten. Sie gleicht einem großen Dorfe, hat aber vier Moscheen, zwei Kirchen, hübsche Bazars, elegante Cafés, gute Khans, ein Hospital und Schulen. Die Stadt hieß bei den alten Armeniern Van-Tospai, in den assyr. Inschriften Vanna, bei den Griechen Thospia oder (bei Ptolemäus) Buana, bei Ktesias Chauön, bei den Byzantinern Iban, und wird von den jetzigen Armeniern Chaihak, auch Schamiramakert, d. h. Bau der Semiramis, genannt. Es fanden sich nämlich auf dem 100 m hohen Hügel, welcher die erbärmliche Citadelle trägt und, aus gewaltigen Werkstücken aufgetürmt, sich 1650 meweit hinzieht, ungeheuere Höhlen und Gewölbe mit Trümmern von alten Denkmälern und Bildwerken mit vielen Keilinschriften, in denen der Name Xerxes vorkommt und die man der berühmten Königin Semiramis zuschrieb. Ahnliche Ruinen finden sich auf der ganzen Ebene rings um den See. Die Stadt soll ihren Namen vom armen. König Van im 4. Jahrh. v. Chr. erhalten haben, vom König Tigranes II. im 1. Jahrh. v. Chr. mit kriegsgefangenen Zuden bevölkert und vom pers. König Schapur II. in der Mitte des 4. Jahrh. n. Chr. zerstört worden sein, erscheint aber später, bis 1021, als Residenz einer armen. Dynastie im Lande Vaspuragan (Aspracania bei den Byzantinern). Sie kam 1021 unter die Herrschaft der Byzantiner, 1081 unter die der Seldschuken und Turkomanen, gehörte Ende des 12. Jahrh. zum Reiche Khilat (Achlath), im 13. und 14. Jahrh. zu Kurdistan, wurde 1387 und 1394 von Timur,‚, 1425 vom Turkomanen Iskander erobert und 1533 und 1548 von den Türken durch Kapitulation den Persern entrissen, welche sie 1636 auf kurze Zeit wieder eroberten. Berühmt ist in der Kriegsgeschichte Vorderasiens die am nordwestl. Ufer des Wansees gelegene Stadt Achlat, arab. Khilät, bei den Byzantinern Chliat genannt, mit einem festen Schloß und vielen Ruinen. Dieselbe war angeblich die Residenz altarmen. Könige und stand im 10. Jahrh. unter arab. Emirn, die sich vom Khalifat frei machten, aber nach 1021 als byzant. Vasallen erscheinen. Seit dem 12. Jahrh. war sie Hauptort turkomanischer, seldschukischer und anderer Dynastien. Nach vielen Belagerungen kam sie 1243 an die Mongolen und wurde 1247 durch Erdbeben zerstört, 1279 und 1292 von den Agyptern, 1387 von Timur, 1548 von den Türken unter Soliman erobert, von dem sie 1562 das feste Schloß erhielt.