FeedWappenkunde
AllerleiBrockhaus 1882

Wappenkunde, eigentlich eine Abteilung der Heroldskunst oder Heraldik, heißt die Wissenschaft von den Regeln und Rechten der Wappen (f. d.). Die W. ist in Deutschland entstanden, weshalb die deutsche Sprache auch fast lauter echt deutsche Kunstwörter für dieselbe besitzt. Dagegen haben später die Franzosen für die weitere Ausbildung und Verbreitung der W. sehr viel gethan, sodaß auch die Engländer fast lauter franz. Kunstausdrücke gebrauchen. Die Wappenkunst ist von ihrer praktischen Seite eine Hilfswissenschaft der Jurisprudenz, aber bei weitem wichtiger für die Geschichte. Sie steht mit der Genealogie (s. d.) und mit der Sphrabind oder Siegelkunde (s. Siegel) in engster Verindung. Ihre Hauptquellen sind Wappen, Siegel und Münzen; nächstdem einzelne Angaben in den Quellenschriftstellern des Mittelalters, Denkmäler, Grabsteine u. dgl., Lehnsbriefe, Turnierbeschreibungen, alte Familien⸗ und Stammbücher, Wappen-B. Eurder u. s. w. n Frankreich wurde die seit der Mitte des 17.Jahrh. von Geliot, Palliot und besonders von dem Jesuiten Menestrier zuerst wissenschaftlich behandelt. Letzterer war es, der um 1662 in Lyon Philipp Jakob Spener (s. d.) für die W. interessierte, welcher dann in seinem Werke Insignium theoria (1690) diese Wissenschaft in Deutschland zuerst umfassend bearbeitete. Unter den nachfolgenden Bearbeitern sind Gatterer (Abriß der Heraldik', 2. Aufl., Gött. 1792; «Praktische Heraldike, Nürnb. 1791), Bernd (s. d.), Warneke ((Heraldisches Handbucho, Görlitz 1880) und vor allen Karl Ritter von Mayer (aHeraldisches A-B-C-Buchv, Münch. 1856), sowie von Hefner (Handbuch der theoret. und prakt. Heraldiko, Münch. 1863), unter den Wappenbüchern Siebmachers Großes vollständiges Wappenbucho (6 Tle., nebst 12 Supplementen, Nürnb. 1772—1806; neue Aufl. 1854fg.) zu nennen. In Deutschland wird die W. von zwei wissenschaftlichen Vereinen gepflegt, dem «Adlero in Wien und dem Deutschen Heroldo in Berlin.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 433Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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