Wappers (Gust., Baron), belg. Maler, geb. 23. Aug. 1803 zu Antwerpen, erhielt seine erste Bildung auf der Malerakademie seiner Vaterstadt. Später schloß er sich in Paris der romantischen Richtung an und trat dann nach der Rückkehr nach Belgien als erster Repräsentant derselben, bald aber als Stifter einer neuen Schule auf, welche unter den jetzigen Kunstschulen einen der ersten Plätze einnimmt. Schon sein erstes größeres Werk, eine Scene aus der Belagerung von Leiden durch die Spanier (1830) erregte allgemeinen Enthusiasmus. Hier sah man statt der korrekten, aber toten Attituden der meisten Klassizisten wieder individuelles Leben, Wahrheit, Charakter und ein warmes Kolorit. Was aber W. und die ganze belg. Schule auch von Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XVI. den franz. Romantikern unterscheidet, ist das Eingehen auf die großen nationalen Vorbilder Rubens und van Dyck. Der Abschied Karls I. von seinen Kindern, Karl IX. in der Bartholomäusnacht, Anna Boleyn vor der Hinrichtung sind Meisterwerke. Auch die Grablegung 332 5 zu St. Michael in Löwen (1836) fand gerechte Würdigung. Ganz besonders aber wirkte, als Gegenstück von de Keysers Schlacht bei Worringen, das große Gemälde, welches den Anfang der brüsseler Septembertage darstellt. Hier zeigte sich der Naturalismus der belg. Schule in seiner Kraft wie in seiner Schönheit. Übrigens zeichnet sich W. weniger durch Farbenpracht und Effekt als durch sinnvollen Ernst, Würde und Tiefe aus. Außer einer Anzahl vorzüglicher, durch Lebenswahrheit, Wärme und Energie der Auffassung hervorragender Porträts hat er später mehrere bedeutende Historienbilder und Genrestücke gemalt. Zu erstern gehören: Wilhelm der Schöne auf dem Sterbebette, der Dichter Camöes im Elende, die Genoveva, Christoph Columbus und die Einnahme von Rhodus durch die Türken (1845); zu den letztern: röm. Mädchen, welche einem Bettler Almosen reichen, und der für die Königin Victoria gemalte große antwerpener Fischerzug. Im J. 1840 zum Direktor der Akademie zu Antwerpen ernannt, wirkte er in dieser wichtigen Stellung vielseitig anregend und fördernd. Er wurde Präsident des belg. Nationalmuseums, lebte aber seit 1853 meist in Paris, wo er auch 6. Dez. 1874 starb. Seine letzten Lebensjahre widmete er vorzüglich der Porträtmalerei. Im J. 1847 war W. vom Könige der Belgier zum Baron erhoben worden.