Watzdorf (Bernh. von), großherzogl. sachsenweimarischer Staatsminister, geb. 12. Dez. 1804 auf dem Rittergute Schloß-Berga bei Berga an der Elster (im Neustädter Kreise des Großherzogtums Sachsen-Weimar), besuchte das Gymnasium zu Altenburg, studierte in Leipzig die Rechte, trat hierauf als Auditor in das Oberhofgericht zu Leipzig ein, ward 1830 Oberhofgerichtsrat, 1833 Rat im Generalkriegsgerichts-Kollegium in Dresden,‚, 1835 Appellationsgerichtsrat in Zwickau. Während dieser Zeit wurde er Begründer und Mitherausgeber (mit seinem Kollegen Siebdrat) der Jahrbücher für sächs. Staatsrechto. Im Herbst 1840 als Oberappellationsgerichtsrat nach Dresden versetzt, ward er zu Ende desselben Jahres als Ministerialrat dem Gesamtministerium beigegeben und trat 1843 als Staatsminister in großherzogl. sachsen-weimar. Dienste. Bis zum J. 1848 verwaltete er daselbst die Departements des Außern und der Justiz. Die Bewegung dieses Jahres, welche die übrigen, mehr oder weniger unvolkstümlichen Mitglieder des Ministeriums aus ihren Amtern entfernte, ließ ihn unberührt. Bei der Neugestaltung des Kabinetts wurde er an dessen Spitze gestellt und übernahm die beiden Departements des Außern und des Innern samt dem Ministerium des großherzogl. Hauses. Sein Verdienst war die Herstellung und Pflege zweckmäßiger Einrichtungen im Sinne einer ausgedehnten Selbstverwaltung des Volks. In den allgemeinen deutschen Angelegenheiten zeigte er eine aufrichtig nationale Gesinnung. Er erklärte sich 1849 für die Reichsverfassung, suchte persönlich als Vertreter seiner Regierung in außerordentlicher Mission bei dem Hofe zu Berlin für dieselbe zu wirken und erklärte sich als Mitglied und Vizepräsident des Ständehauses im Erfurter Parlament für die Unionsverfassung. Nach 1866 war W. bemüht, durch persönliche Anteilnahme an den Arbeiten des Bundesrats, sowie als Mitglied des Konstituierenden Reichstags und in seiner Eigenschaft als Minister eines Bundesstaats die Entwickelung des Norddeutschen Bundes und seiner organischen Einrichtungen zu fördern. W. starb in Weimar 15. Sept. 1870.