FeedLindenau (Bernh. Aug. von)
HimmelskundeBrockhaus 1882

Lindenau (Bernh. Aug. von), sächs. Staatsmann und verdienter Astronom, geb. 11. Juni 1779 zu Altenburg, studierte in Leipzig die Rechte, trat dann in das Kammerkollegium zu Altenburg, wurde jedoch bald darauf Mitarbeiter des Barons von Zach auf der Sternwarte bei Gotha und 1804 interimistisch Direktor dieses Instituts. Er trat zwar 1805 wieder in das Kammerkollegium ein, wurde aber 1808 wirklicher Direktor der gothaer Sternwarte. Im März 1814 folgte er dem Großherzog von Weimar als Generaladjutant nach Paris, wurde 1817 Vizekammerpräsident, 1818 Vizelandschaftsdirektor in Altenburg und 1820 Geheimrat und Minister in Sachsen-Gotha. Im J. 1826 zum Landschaftsdirektor (d. h. Präsident des Landtags) in Sachsen-Altenburg erwählt, ging er gleichzeitig als Geheimrat in königl. sächs. Dienste über, wurde 1827 Gesandter beim Bundestag, 1829 Direktor der Kommerziendeputation und Mitglied des Geheimen Rats in Dresden, 1830 Kabinettsminister und 1831 Staatsminister des Innern und Vorsitzender im sächs. Gesamtministerium. Seine verdienstlichsten Schöpfungen sind die freisinnige Städteordnung, die Ablösungsgesetze und die Landrentenbank. Das Portefeuille des gab er 1834 ab und 1843 nahm er seine Entlassung aus dem Staatsdienste. Im April 1848 legte er auch das Präsidium der altenburg. Landschaft nieder und zog sich schon im September aus der Deutschen Nationalversammlung, in die er gewählt worden war, zurück. L. starb 12. Mai 1854 zu Altenburg. Die letzten Jahre seines Lebens hatte er vorzugsweise der Ordnung seiner äußerst wertvollen Sammlung von Kunstgegenständen gewidmet, die nebst einem eigens dazu erbauten Museum und seiner Bibliothek dem Lande vermachte. Dieselbe ist 1876 zu Altenburg in einem neuerrichteten Museum aufgestellt worden. Von seinen wissenschaftlichen Arbeiten sind zu erwähnen: Tables barométriques pour faciliter le calcul des nivellements et des mesures des hauteurs par le baromètre (Gotha 1809), «Tabulae Veneriso (Gotha 1810), „Tabulae Martiso (Eisenb. 1811), Investigatio nova orbitae a Mercurio circa solem descriptae (Gotha 1813), «Geschichte der Sternkunde im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrh.» (Gotha 1811). Auch setzte er Zachs «Monatliche Korrespondenz der Erd- und Himmelskunder (1807— 14) fort und gab mit Bohnenberger die Zeitschrift für Astronomie und „Lindenbrog oder Lindenbruch (Erpold), eigentlich Stender, lat. auch Tiliobroga genannt, Geschichtsforscher des 16. Jahrh., geb. 1540 zu Bremen, gest. 20. Juni 1616 zu Hamburg, ist namentlich als Herausgeber der Scriptores rerum Germanicarum septentrionaliumo (Frankf. 1609 u. 1630; 3. Aufl., vermehrt von J. A. Fabricius, Hamb. 1706), der Chronik von des Kaisers Karls d. Gr. Leben und Thaten» (Hamb. 1593) und der (Historia regum Dauiaes (Leid. 1594) bekannt. Sein älterer Sohn, Heinrich L., welcher 1570 —1642 lebte, lieferte eine wertvolle Bearbeitung des Censorinus (Hamb. 1614 u. Leid. 1642); der jüngere, Friedrich L., geb. 1573, gest. 1648, machte sich um die Erklärung und Kritik des Terentius, Statius, Ammianus Marcellinus u. s. w. verdient. Vgl. Leben der berühmten Lindenbrogiorumy (Hamb. 1723).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 88Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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