FeedWehr
ErdkundeBrockhaus 1882

Wehr ist ein quer durch einen Fluß gelegter, bleibender, oder ganz oder teilweise beseitigbarer Körper, welcher die Aufgabe hat, das Wasser zu stauen. Man legt W. an bei Flußregulierungen, um das zu starke Gefälle eines Flusses zu mäßigen und dadurch die zerstörende Wirkung auf die Ufer und die Sohle zu mildern, für Schiffahrts⸗, Flößerei- und Triftzwecke, um eine größere Tiefe des Wasserlaufs zwischen den einzelnen W. gegenüber dem ungestauten Flußlauf zu erzielen, oder um Wasser dicht oberhalb des W. abzuleiten und zu Bewässerungen, zum Betriebe von Wasserrädern, Turbinen u. s. w. benutzen zu können. Wird z. B. in beistehender Figur bei B Wasser entnommen und mittels eines Mühlgrabens 50 (Oberwassergraben) nach dem Wasserrade bei Cgeleitet, so kann daselbst das Wasser durch die Höhe bo CCi (nutzbare Fallhöhe) zum Fallen gebracht werden und Arbeit verrichten, wonach es mittels des Unterwassergrabens Cu wieder zum Flusse der Puuste 1 wird. Ist U der Höhenunterschied r Punkte B und D (das natürliche Gefälle des lusses); der Höhenunterschied zwischen dem geauten und ungestauten Wasserspiegel am W. BB = h (die Stauhöhe); der Höhenunterschied der Punkte B und C (das Gefälle des Oberwassergrabens) = o, der Höhenunterschied der Punkte und D (das Gefälle des Unterwassergrabens) u, so wird o Fu + ho H + h. Ist die Wassermenge in Kubikmetern, welche dem Flusse bei B in der Sekunde entnommen werden kann, so vermag dasselbe in Ceine Arbeit von wenn ho in Metern eingeführt wird. Bezeichnet E den Punkt, in welchem die gestaute Wasserfläche den ursprünglichen Wasserspiegel wieder erreicht, so heißt die Entfernung AE die Stauweite, die Kurpe, nach welcher sich der gestaute Wasserspiegel BEE einstellt, die Staukurve. Die Berechnung der Stauhöhe und Stauweite für eine gegebene Wehrhöhe und umgekehrt führt zu schwierigen Aufgaben der Hydraulik. Je nachdem das W. unter oder über den ursprünglichen Wasserspiegel sich erstreckt, heißt es ein Grund-oder liberfall-Wehr. Gestattet das Bauwerk, um Hochwasser und Eis leichter abziehen — lassen, eine ganze oder teilweise Beseitigung des taukörpers (etwa durch Aufziehen von Schützen), so spricht man von beweglichen W. So wird ferner 3. B. bei den Nadelwehren die Hemmung des Wassers durch eine Reihe dicht nebeneinander gestellter, leicht entfernbarer, mit einem Stiele versehener Bretter oder ähnlich geformter Eisenstäbe bewirkt. Bei den Trommelwehren wird der Druck des Wassers benutzt, um einen Staukörper selbstthätig aufzurichten. Es gibt ferner Wehre, die sich von selbst niederlegen, wenn die Wasserhöhe ein bestimmtes Maß überschreitet, wie dies z. B. bei einigen neuern Klappenwehren der Fall ist u. s. w. Um zu triftendem Holze, Flößen oder Schiffen die Passage zu gestatten, wird das W. mit eigenen flach abfallenden Durchfahrten (Polstern) versehen oder für Schiffahrtszwecke besser mit eigenen Schifffahrtsschleusen, welche auch das Stromaufwärtsfahren gestatten. zu Blankenburg a. Harz, besuchte das dordem Wechsel des Ministeriums 1862 zur Dis-Ei position gestellt. Seit 1863 redigierte er die — Preußischen Jahrbüchero, die er 1867—83 J.1872 — 73 war er Chefredacteur der «Spenerschen Zeitungo. Von 1868 bis 1878 vertrat er im preuß. Abgeordnetenhause den achten hess. Wahlbezirk, von 1869 bis 1881 im Reichstage zuerst Waldeck, später den dritten hess. Wahlkreis. In beiden Häusern gehörte er dem rechten Flügel der nationalliberalen Partei an. Im Herbst 1877 wurde er als Referent über die technischen Hochschulen und einen Teil des gewerblichen Unterrichtswesens in das preuß. Ministerium für Handel und Gewerbe berufen, und trat 1879, als die gewerblichen und Fachschulen dem Unterrichtsministerium zugewiesen wurden, als Geh. Oberregierungsrat in das letztere über. Hier verblieb er auch, als 1885 das gewerbliche Schulwesen wieder an das Handelsministerium überging; zu seinem Referat gehören seitdem außer den technischen Hochschulen und den damit verbundenen Anstalten ein Teil der Gymnasien und Realschulen. Er schrieb unter anderm: „Die Verschiedenheit der ethischen Prinzipien bei den Hellenen (Berl. 1857), die 4Geschichte der deutschen Politik unter dem Einfluß des Italienischen Kriegso (anonym, Berl. 1860), «Die äußere Politik des Abgeordnetenhauses und die Militärreformo(1860), „Die Gesetzgebung der Jahre 1871—769(in «Hirths Annaleno, Berl. 1877).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 503Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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