FeedWeigel (Joh. Aug. Gottlob)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Weigel (Joh. Aug. Gottlob), bekannt als Buchhändler und Kunstkenner, jüngerer Bruder des vorigen, geb. zu Leipzig 23. Febr. 1773, besuchte die Nikolaischule und lernte dann von 1789 an in der Gleditschschen Buchhandlung. Im J. 1793 übernahm er unter der Aufsicht Leichs die Leitun der ehemaligen Müllerschen Buchhandlung. Nach seines Vaters Tode wurde ihm im Jan. 1795 dessen Stelle als Proklamator bei der Universität übertragen. Hierauf errichtete er eine Antiquariatsbuchhandlung, deren Umfang der von ihm herausgegebene Katalog unter dem Titel «Apparatus literariuso (Lpz. 1807; 2. Aufl. 1821; neueste Aufl. 1834) bekundet. Sodann begründete er eine eigene Verlagshandlung, aus der eine Menge ausgezeichneter, vorzüglich philol. Werke hervorgingen. Da bei neuen Ausgaben von Klassikern die Herausgeber sich nicht ohne bedeutenden Aufwand die Materialien verschaffen konnten, so legte er selbst Sammlungen von Kollationen der Handschriften und ungedruckten Arbeiten der Gelehrten über Schriftsteller an. Was er darin geleistet, zeigen die Ausgaben des Longinus von Weiske, des Euripides von Matthäi, des Plato von Stallbaum, des (Etymologicum Gudianump von Sturz u. s. w. Zugleich besaß er als eifriger Kunstfreund eine treff⸗ (später im Besitz seines Sohnes Rudolf, welcher eine Auswahl davon 1853 in Faksimiles herauszugeben begann), Gemälden, Kupferstichen, Radierungen und xylographischen Büchern. Eine Beschreibung derselben erschien als«Ahrenlese auf dem Felde der Kunsty(3 Abteil., Lpz. 1836 —45). W. starb 25. Dez. 1846, nachdem er 1838 das Geschäft seinem jüngsten Sohne übergeben hatte. Letzterer, Theodor Oswald W., geb. 5. Aug. 1812, führte seitdem das Geschäft in größerer Ausdehnung fort. Von seinen umfangreichen litterarischartistischen Unternehmungen sind vor allem Försters „Denkmale deutscher Baukunst, Bildnerei und Malerei (12 Bde., Lpz. 1855—68, mit 600 Tafeln) hervorzuheben. Nach dem Tode seines Bruders Rudolf ging die wertvolle Sammlung von Originalzeichnungen, welche der Vater angelegt hatte, in seinen Besitz über, auch besaß derselbe eine außerordentlich reiche Sammlung von xylographischen Werken, einzelnen Holzschnitten aus ältester Zeit, von Metall- und frühesten Kupferstichen, Schrotblättern, Spielkarten u. s. w. Auf Grund dieser Sammlungen veröffentlichte er mit Zestermann das Werk: «Die Anfänge der Druckerkunst in Bild und Schrifto (2 Bde., Lpz. 1866, mit 145 Tafeln Faksimiles), in welchen unter anderm auch die Ansprüche der Holländer auf Erfindung der Buchdruckerkunst, sowie die Ansprüche der Italiener auf die erste Anwendung des Metallstichs zu Gunsten Deutschlands zurückgewiesen wurden. Aus seiner großen Sammlung von Autographen, besonders der Reformatoren und der Helden des Dreißigjährigen Kriegs, ging sein Autographen-Prachtalbump (Lpz. 1848 —49) hervor. Er starb 2. Juli 1881 zu Hosterwitz bei Pillnitz. Hierauf trat eine Teilung des ausgedehnten Geschäfts ein: Felix Oswald W., der Sohn von Theodor Oswald W., übernahm das Antiquariats⸗ und Auktionsgeschäft unter der Firma Oswald Weigel, während die alte Firma T. O. Weigel, fortgeführt von dessen Erben, das Verlags⸗ und Kommissionsgeschäft behielt. Der ältere Sohn Joh. Aug. Gottlob W.s, Rudolf W., geb. 19. April 1804, errichtete, nachdem er sich im Geschäft seines Vaters und auf Reisen in Deutschland, Holland und England gebildet, 1831 in Leipzig ein eigenes Kunstgeschäft, über dessen Bestand er einen wissenschaftlich geordneten «Kunstlager-Kataloge (Abteil. 1—35, Lpz. 183367) herausgab. Auch lieferte er die Litteratur zu Rumohrs «Holbeino und Supplemente zu Bartschs Peintre-graveuro (Bd. 1, Lpz. 1843), desgleichen aus seinen Kollektaneen Zusätze zu verschiedenen in seinem Verlag erschienenen kunsthistor. Büchern, wie z. B. zu Choulants (Geschichte der anatom. Abbildungeno, Beckers „Jobst Ammann » u. s. w. Er selbst gab heraus«Holzschnitte berühmter Meistery (Lpz. 1851—54, mit 74 Fäsimiles, Folio). Nach seinem 22. Aug. 1867 erfolgten Tode ging ein Teil des Geschäfts an Hermann Vogel in Leipzig über, der Verlag später an Joh. Ambrosius Barth ebenda.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 509Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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