Heyne (Christian Gottlob), berühmter Altertumsforscher, geb. 25. Sept. 1729 zu Chemnitz als Sohn eines Leinewebers, besuchte das Lyceum seiner Vaterstadt und bezog 1748 die Universität Leipzig, wo ihn besonders Ernestis und Christs Vorlefsungen über Altertumskunde ansprachen. Er erhielt 1753 die Stelle eines Kopisten an der Bibliothek des Ministers Grafen von Brühl in Dresden, und begründete durch seine Bearbeitung des Tibull und des Epiktet seinen Ruf, 1759 begab er sich als Führer eines jungen Mannes auf die Universität zu Wittenberg, mußte aber wegen der Kriegsunruhen diese Stadt bald wieder verlassen und kehrte nach Dresden zurück, wo er während der Beschießung 1760 seine ganze Habe verlor. Seinen Unterhalt suchte er sich jetzt durch Bearbeitung eines Teils des lat. Textes zu Lipperts «Daktyliothek zu erwerben, bis er 1763 als Professor der Beredsamkeit nach Göttingen berufen wurde, wo man ihm ein Jahr darauf zugleich die Aufsicht über die Universitätsbibliothek übertrug, deren schnelles Emporblühen wesentlich sein Verdienst ist. Hier wirkte er bis an seinen Tod, 14. Juli 1812, mit dem glänzendsten Erfolge, teils durch seine Vorträge, die sich über die wichtigsten Gegenstände des Altertums verbreiteten oder die Erklärung der Alten selbst zum „Zweck hatten, teils durch seine rege Teilnahme an der Societät der Wissenschaften und den unermüdlichen Anteil an den «Göttinger gelehrten Anzeigend», teils auch durch die Direktion des Philologischen Seminars. Für die griech. Mythologie hat H. zuerst eine wissenschaftliche Behandlung angebahnt. Seine Untersuchungen auf dem Gebiete der politischen und Kulturgeschichte des Altertums haben eine wahrhaft histor. Auffassung des gesamten antiken Lebens angebahnt. In der Exegese legte er das Hauptgewicht auf die Sacherklärung, während die grammatische Interpretation in den Hintergrund trat. Von seinen wissenschaftlichen Arbeiten sind zu erwähnen, außer der großen Anzahl trefflicher Abhandlungen und Programme, die unter dem Titel gesammelt erschienen, seine Ausgaben des Tibull (Lpz. 1755; 4. Aufl. von Wunderlich, 2 Bde., 1817), des Virgil (4 Bde., Lpz. 1767 — 75; vielfach verbesserte Aufl. von Ph. Wagner, 5 Bde., Hannov. 1830—44), des Pindar (2 Bde., Gött. 1773; 3. Aufl., 3 Bde., Lpz. 1817) und der Ilias des Homer (8 Bde., Lpz. 1802); ferner von Epiktets &Enchiridiono (Dresd. 1756; 2. Aufl. 1776) und Apollodors (Bibliotheca Graeca (4 Bde., Gött. 1782; 2. Aufl., 2 Bde., 1803). Vgl. Heeren, «Christian Gottlob H.» (Gött. 1813); Rehberg, «Polit.-⸗histor. kleine Schriften⸗ (Hannov. 1829).