Weisbach (Jul.), ausgezeichneter Mathematiker und Hydrauliter, geb. 10. Aug. 1806 auf der Eisen-Watg Mittelschmiedeberg bei Annaberg, wo sein Vater Schichtmeister war, kam 1820 auf die damalige Hauptbergschule, 1822 auf die Bergakademie zu Freiberg, ging dann 1827 nach Göttingen und 1829 nach Wien, wo er die Vorlesungen an der Universität und dem Polytechnischen Institut besuchte und sich vorzugsweise an Mohs anschloß. Nachdem er 1830 eine bergmännische Reise durch den größten Teil der österr. Staaten gemacht hatte, trat er Anfang 1833 als Lehrer der angewandten mathem. Wissenschaften an der Bergakademie zu Freiberg ein. Seitdem wandte W. seine Aufmerksamkeit vorzugsweise der Hydraulik und der praktischen Geodäsie zu und begann 1841 seine hydraulischen Versuche, die er bis auf die neueste Zeit fortgesetzt hat. Die Ergebnisse derselben veröffentlichte er zunächst in den Schriften: Versuche über den Ausfluß des Wassers durch Schieber, Hähne, Klappen und Ventiles (Lpz. 1842) und Versuche über die unvollkommene Kontraktion des Wassers beim Ausfluß desselben aus Röhren und Gefäßeno (Lpz. 1843). Durch die von W. zuerst aufgestellte Idee des Widerstands-Koöfficienten sind die hydraulischen Rechnungen ungemein vereinfacht worden; die Entdeckung und Behandlungsweise der unvollkommenen Kontraktion gehört zu den wichtigsten Fortschritten der Hydraulik seit Joh. und Dan. Bernoulli. W.s Hauptwerk bildet das Lehrbuch der Ingenieur- und Maschinenmechaniko(3 Bde., Braunschw. 1845—54; 4. Aufl., Bd. 1 u. 2, 1862—68; 2. Aufl., Bd. 3, 1879). Außerdem sind noch zu nennen: Handbuch „Die neue Markscheidekunsto (2 Bde., Braunschw. 1850—59), Der Ingenieure» (Braunschw. 1848; 6. Aufl. 1874—77), Versuche über die Leistungen eines einfachen Reaktionsradeso (Freiberg 1851), Experimentalhydrauliko (Freiberg 1855). Viele Beiträge lieferte W. auch in das «Polytechnische Centralblatto, in den Ingenieuro und Civilingenieure und in die Polytechnischen Mitteilungeno von Volz und Karmarsch. In letzterer Zeitschrift (1844) gab er auch Mitteilungen über die von ihm erfundene monodimetrische und anisometrische Projektionsmethode, welche er später in der Anleitung zum axonometrischen Zeichneno (Freiberg 1857) behandelte. Später fungierte W. auch als Mitglied der sächs. Kommission bei der europ. Gradmessung und war zunächst mit der Leitung der für die Zwecke der letztern auszuführenden Nivellierungsarbeiten im Königreich Sachsen beschäftigt. W. starb zu Freiberg 24. Febr. 1871.