Welcker (Herm.), Anatom und Anthropolog, Neffe der beiden vorigen, geb. 8. April 1822 zu Gießen, studierte 1841—50 zu Gießen und Bonn Medizin und Naturwissenschaften, wurde 1850 Assistenzarzt an der mediz. Klinik zu Gießen, 1853 Privatdocent für Anatomie, 1855 Professor am anatom. Institut, 1859 Professor der Anatomie in Halle; seit 1876 ist er daselbst Direktor des anatom. Instituts. In seiner Inauguralschrift über Irradiation (Gieß. 1852) wies W. nach, daß die Irradiation, entgegen der Lehre Plateaus, eine rein physik. Erscheinung ist. Die von Vierordt begründete Methode der Blutkörperchenzählung verbesserte W. und machte umfassende Zählungen bei Tieren und Menschen. Mittels der von ihm eingeführten colorimetrischen Methode bestimmte W. die Blutmenge zahlreicher Tiere und stellte fest, daß die Blutmenge des Menschen nicht, wie seither angenommen 25, sondern nur 9— 10 Pfd. beträgt. Durch sein Schriftchen «über Anfertigung mikro-Kopischer Präparates (Gieß. 1856) führte W. das Milrotom in die anatom. Technik ein. Behufs seiner kraniologischen Studien besuchte W. 1860—65 fast sämtliche Schädelsammlungen Deutschlands und Hollands und untersuchte deren Inhalt mittels eines einheitlichen, in seinem Werke: «Untersuchun-CE über Wachstum und Bau des menschlichen chädelso (Lpz. 1862) beschriebenen Messungssystems. In «Schillers Schädel und Totenmaskey (Braunschw. 1883), sowie in der Abhandlung Der Schädel Rafaels und die Rafaelporträtso bildete W. ein Verfahren aus, durch welches über das Zusammengehören eines Schädels und eines Kopfprofils ziemlich sicher entschieden werden kann. Als eine Frucht seiner ethnolog. Studien erschien: Die deutschen Mundarten im Liede. Sammlung deutscher Dialektgedichtes (Lpz. 1875).