FeedWelser
ErdkundeBrockhaus 1882

Welser ist der Name einer berühmten ausgestorbenen, von Karl V. geadelten Patricierfamilie zu Augsburg, welche stets angesehene Stellen im Rate dieser Stadt bekleidete. — Bartholomäus W. war so wohlhabend, daß er nebst Fugger (s. d.) dem Kaiser Karl V. zwölf Tonnen Goldes vorschießen konnte, und wurde zum kaiserl. Rat ernannt. Mit Genehmigung des Kaisers rüstete er 1527 drei Schiffe in Spanien aus, welche unter dem Befehl des Ambros. Dalfinger, eines Ulmers, nach Amerika segelten und die Provinz Caracas in Besitz nahmen, die der Kaiser W. als Pfand überließ. Doch schon nach 20 Jahren wurden die W. durch die Gewaltthaten der span. Kolonialbehörden dieser Besitzung beraubt, W. selbst hingerichtet. In dieser Zeit schickten sie auch in Verbindung mit nürnberger Kaufleuten ein Schiff nach Ostindien, um neue Handelsplätze zu suchen. Am berühmtesten wurde des Bartholomäus Nichte, Philippine W., eine Tochter seines Bruders Anton, geb. 1527. Ihre Mutter war Anna, die Tochter des Jak. Adler von Speier. Philippine war von außerordentlicher Schönheit. Bei Gelegenheit eines Reichsrats zu Augsburg 1547 sah sie der Erzherzog Ferdinand (geb. 1529, gest. 1595), der zweite Sohn des nachmaligen Kaisers Ferdinand I., und verliebte sich in sie. Während oder bald nach dem Reichstage entfernte sich Philippine von Augsburg (wohin, ist unbekannt); wahrscheinlich ging sie zu der Schwester ihrer Mutter, Katharina von Loxan, auf Schloß Brzesnitz im Prachimer Kreise. Dort mag das Liebesverhältnis zwischen ihr und Erzherzog Ferdinand, der seit 1549 als kaiserl. Statthalter von Böhmen in Prag residierte, unterhalten und fortgesponnen worden sein, bis letzterer die Zeitverhältnisse für geeignet hielt, seinen Vorsatz, sich mit Philippine ehelich zu verbinden, auszuführen. Bis dahin verflossen neun Jahre. Die Trauung geschah im Jan. 1557 durch den Beichtvater des Erzherzogs Joannes de Cavalleriis, in Gegenwart der Katharina von Loxan ((aut Urkunde vom 6. Sept. 1576). Am 15. Juni 1558 gebar Philippine ihren ersten Sohn Andreas, 1560 den zweiten Sohn Karl. Der eheliche Bund wurde geheimgehalten. Auch dem Kaiser, Ferdinands Vater, wurde er erst bekannt längere Zeit, nachdem er geschlossen war. Zwischen Vater und Sohn fanden neue Unterhandlungen statt. Infolge davon versprach Ferdinand (Urkunde vom 6. Sept. 1561), seine Ehe auch ferner geheimzuhalten und verzichtete für sich und seine Kinder auf alle Successionsrechte in den Erbfürstentümern. Durch Urkunde vom 13. Sept. 1561 verzieh der Kaiser dem Sohne die Eingehung der Ehe ohne sein Wissen und seine Zustimmung und ordnete die Verhältnisse der Philippine und ihrer Kinder. Daß Philippine dem Kaiser selber eine Bittschrift überreicht habe, ist eine Fabel. Von dem Papst Gregor XIII. erhielt im Aug. 1576 ihr Gemahl die Lösung des Versprechens, seine Ehe geheimzuhalten. Philippine starb 24. April 1580 in Tirol, welches Land Ferdinand seit 1563 regierte. Ihr Sohn Andreas starb als Kardinal und Bischof von Brixen und Konstanz in Rom 12. Nov. 1600. Der zweite Sohn Karl, der sich dem Kriegswesen gewidmet hatte, erhielt 1605 die Markgrafschaft Burgau als österr. Mannlehn, schlug seine Residenz zu Günzburg an der Donau auf und starb 1618. Redwitz hat die Geschichte der Philippine W. zum Gegenstand eines Dramas gewählt. Markus W., Stadtpfleger zu Augsburg, geb. 1558, galt zu seiner Zeit für einen Polyhistor. Er war ein Schüler Ant. Murets, ein großer Freund und Beförderer der Gelehrten und stand auch mit Galilei in Verbindung. Die Zahl seiner Schriften ist beträchtlich. Wie um die Geschichte überhaupt, so hat er sich insbesondere um die seiner Vaterstadt verdient gemacht. Auch machte er zuerst 1591 die sog. Tabula Peutingerianao bekannt. Er starb 13. Juni 1614. — In der Folge verbreiteten sich Zweige der Familie W. nach Ulm, Regensburg und Nürnberg, wo sie überall ein würdiges Gedächtnis sich gestiftet haben. Vgl. Kleinschmid, «Augsburg, Nürnberg und ihre Handelsfürsteno (Kassel 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 543Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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