FeedFerdinand I.
GeschichteBrockhaus 1882

Ferdinand I., röm. deutscher Kaiser, geb. 10. März 1503 zu Alcala in Spanien, war der Sohn König Philipps I. von Spanien und der Bruder Karls F. In Spanien erzogen, schien er sich ganz zum Spanier herausbilden zu sollen, als ihn der Wille Karls 21. April 1521 in den Besitz der habsburg. Hausmacht in Deutschland setzte, wozu noch durch F.s Ehe mit Anna von Ungarn (Mai 1521) die Aussicht auf dies Land und die böhm. Krone kam. Am 7. Febr. 1522 übertrug der Kaiser ihm die gesammten ober⸗ und niederösterr. Länder und das Herzogtum Württemberg, das 1519 dem Herzog Ulrich entrissen und von Habsburg erworbet war. Seine Aufgabe fand er in einem zunächf meist passiven Widerstande gegen die religiöse Re formbewegung. Gelang es ihm zum Teil durch Ge walt, sie von den österr. Erblanden fern zu halten so vermochte er doch nicht ihre Fortschritte aufzu halten. Neue Titel und neue Gefahren brachte ihn der Tod seines Schwagers Ludwig von Ungarn be Mohacz (29. Aug. 1526): die Kronen von öhmen (22. Okt. 1526) und Ungarn (16. Dez. 1526), we ihm in Johann Zapolya ein von Sultan Suleiman begünstigter national-magyar. Gegenkandidat erstand. Dadurch zog er die Türken herbei, die 1529 bis vor Wien drangen, 1532 nur durch die Anstrengungen von Kaiser und Reich abgewehrt wurden und 1541 mit Ofen den größten Teil Ungarns auf 145 Jahre an sich rissen. Auch vor und nach diesem Jahre mußte F. meist mit wenig Erfolg gegen die Türken kämpfen. So gelang es ihm nur mir die Unterstützung Karls, den Katholizismus im Reiche gegen die prot. Flut aufrecht zu erhalten, aber Württemberg wurde ihm dennoch durch Land—⸗ graf Philipp den Großmütigen für Herzog Ulrich wieder entrissen. Der Waffenstillstand mit den Türken 1545 verschaffte F. Ruhe in Ungarn und Ssterreich und die Möglichkeit, seinen Bruder Karl im Schmalkaldischen Kriege energisch zu unterstützen. Aber 1551 25—m neue Wirren in Ungarn aus, und seit 1552 er Bunder die Türken wieder. Nachdem F. stets dem Bruder zur Seite gestanden, brach 1551 ein Zwiespalt über den Wunsch Karls aus, seinem Sohne 3001 MN in der Kaiserwürde den Vorzug vor 2 Sohn Maximilian zu geben. Daher hielt sich F. bei der Fürstenverschwörung 1552 ziemlich im Hintergrunde, sein Werk war der Passauer Waffenstillstand 1552, dem Karl V. nur gezwungen zustimmte. Auch der Augsburger Religionsfriede (. d.) kam wesentlich durch ihn zu Stande. Sein durch die polit. Umstände ihm diktiertes Verhalten war auf friedliches Nebeneinanderleben beider Konfessionen gerichtet. Karl V. kam er wieder näher, auch mit dessen Nachfolger hielt er Freundschaft, nur mit Rom schien er zuletzt noch auseinander kommen zu sollen, als er auf dem Trienter Konzil die Aufhebung des Cölibats und die Gewährung des Laienkelchs für Deutschland forderte. Doch gelang es der Klugheit Morones, des päpstl. Unterhändlers, seinen starren Sinn mit den Wünschen der Kurie auszugleichen. F. starb, nachdem es ihm noch gelungen, seinem Sohne Maximilian (II.) die 1504 zu Wion Kaiserwürde zu verschaffen, 25. Juli 1564 zu Wien. Von den 15 Kindern, die ihm seine Gemahlin Anna (gest. 27. Jan. 1547 in Prag) schenkte, überlebten ihn 3 Söhne und 10 Töchter. Vgl. Bucholtz, «Geschichte der Regierung Kaiser F.XI.„. (9 Bde., Wien 1831—38).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 679Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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