FeedWert
Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Wert heißt die Bedeutung, die wir auf Grund eines günstigen Urteils, einer Schätzung, einem Gegenstande unserer Beurteilung beilegen, und zwar kann dieses Urteil aus einer Vergleichung des Gegenstandes mit einem Ideal oder einer Beziehung desselben auf einen praktischen Zweck hervorgeben. Der erstere Fall trisst meistens zu, wenn von sittlichem, künstlerischem, wissenschaftlichem WM. die Rede ist; der nach praktischen Zwecken .— W. —** sich vor allem in denienigen Gegenständen, ie zur Unterhaltung und angenehmen Gestaltung des menschlichen Lebens, also zur Befriedigun der nach außen gerichteten menschlichen Bedurnisse und Wünsche dienen. Dieser im wirtschaftlichen „Sinne aufgefaßte W. kann sowohl körperlichen Sachen (Sachgütern) als auch persönlichen Arbeits- und Dienstleistungen beigelegt werden. Derselbe erscheint zunächst als Gebrauchs wert (s. d.), die eschätzte Bedeutung eines Gegenstandes für den weck der Befriedigung eines menschlichen Bedürfnisses, und zwar ist alaenn entweder ein abstrakter, wenn man nur im allgemeinen die Brauchbarkeit des Gutes seiner Gattung nach anerkennt, oder als konkreter, wenn man bestimmte Mengen des Gutes unter bestimmten Verhältnissen und bestimmten Personen gegenüber betrachtet. Manche Gegenstände haben nur für einzelne Personen infolge einer besondern, ganz subjektiven Beziehung zu denselben einen W., den man in diesem Falle als Affektionswert zu bezeichnen pflegt. Der Gebrauchswert, der nicht eine Eigenschaft der Dinge selbst, sondern ein Verhältnis derselben zu den Menschen darstellt, ist als rein intensive Größe einer eigentlichen quantitativen Messung gar nicht zu unterziehen, sondern es lassen sich nur in vager Weise Grade desselben schäzen. In der auf dem Güteraustausche beruhenden volkswirtschaftlichen Gesellschaft tritt er daher, obwohl er der letzte Grund alles wirtschaftlichen Strebens bleibt, äußerlich durchaus zurück gegen den Tauschwert (. d.). Dieser beruht auf der Brauchbarkeit eines Gutes zu dem Zwecke, andere Güter dagegen einzutauschen, und er besitzt ein faßbares quantitatives Maß in der Menge eines andern Gutes, welches für das betrachtete eingetauscht werden kann. Diesen Gegenwert nennt man den Preis (s. d.) der letztern, doch versteht man in der Regel unter diesem W. den Geldpreis, nämlich das in dem speziell als Wertmesser dienenden allgemeinen Vermittelungsgut, dem Gelde, ausgedrückte Wertäquivalent. Die Größe des Tauschwertes, also der Preis eines Gutes, bestimmt sich aus dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage, der Gebrauchswert dagegen bedingt nur die Nachfrage, und es ist demnach von vornherein gar nicht zu erwarten, daß irgend eine Gleichmäßigkeit in der Ab⸗ und Zunahme dieser beiden Wertarten stattfindet. 3. B. das Angebot eines Gutes unendlich, d. h. steht dasselbe jedem in beliebiger Menge frei zur Verfügung, so ist der Tauschwert desselben Null, so hoch man seinen Gebrauchswert auch schätzen mag. Im allgemeinen regelt sich das Angebot in der Art, daß der Preis (wenigstens bei beliebig vermehrbaren Waren) den Produktionskosten (mit Einschluß des üblichen Kapitalgewinnes) gleichkommt. Die Produktionskosten aber bestehen, wie sich bei Auflösung des Preises der Rohstoffe, Hilfsstoffe u. s. w. zeigt, jedenfalls hauptsächlich aus den Kosten der Arbeit, und demnach haben nach dem Vorgange Ricardos und mit Nichtbeachtung der von diesem anerkannten Beschränkungen Rodbertus und Marx als Maß und Substanz des W., d. h. des Tauschwertes, ausschließlich die Arbeit hingestellt. Marr insbesondere behauptet, schon in der bestehenden tauschwirtschaftlichen Gesellschaftsordnung sei der W. einfach bestimmt durch die in den Gütern enthaltene gesellschaftlich notwendige Arbeit (nach der Arbeitszeit deit Kibn Der W. der als Ware betrachteten Arbeit selbst werde nach diesem Maßstabe, nämlich nach ihren Produktionsklosten bezählt; der Kapitalist zwinge aber den Arbeiter, ein größeres Quantum Güter zu erzeugen, als dem W. des Lohnes entspräche, also einen Mehrwert, d. h. ein Mehrprodukt zu schaffen, das den Kapitalgewinn bilde. Daß indes die Marxsche

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 563Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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