FeedWessel (Joh.)
ReligionBrockhaus 1882

Wessel (Joh.), auch Gansfort genannt, ein Vorläufer der Reformation, wurde um 1419 zu Gröningen geboren, erhielt seine Erziehung in der Schule der Brüder des gemeinsamen Lebens zu Zwolle, wo Thomas von Kempis (s. d.) Einfluß auf ihn übte, lehrte dann die Philosophie in Köln, Löwen, Heidelberg und Paris und kehrte endlich in seine Heimat zurück, teils in Gröningen, teils auf dem Agnetenberge bei Zwolle seine letzten Lebensjahre zubringend. Er starb 4. Okt. 1489. Mit reicher klassischer und humanistischer Bildung mystische Tiefe verbindend, faßte er das Christentum als etwas rein Innerliches auf und wurde dadurch zur Opposition gegen die kath. Kirche getrieben. Wegen seiner Gelehrsamleit erhielt er den Beinamen Lux mundi, während ihn seine Feinde wegen seines Widerspruchs gegen den Scholastizismus Magister contradictionum nannten. dach seinem Tode wurde ein großer Teil seiner Schriften als ketzerisch verbrannt; ein anderer erschien unter dem Titel YParrago rerum theologicarumo und wurde sehr oft, unter andern auch mit einer Vorrede von Luther (Wittenb. 1522), herausgegeben. Die vollständigste Ausgabe seiner Werke besorgte Joh. Lydius (Amsterd. 1617). Vgl. Ullmann, Johann W., ein Vorgänger Lutherso (Hamb. 1834); Reformatoren vor der Reformationv (Bd. 2, 2. Aufl., Gotha 1866); Bähring, Das Leben Johann W.s⸗(Bielef. 1846); Friedrich, Johann W.(Regensb. 1868).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 569Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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