FeedWettin
GeschichteBrockhaus 1882

Wettin, Burg im Saalkreise, noch jetzt gleich der benachbarten etwas tiefer gelegenen Burg Winkel als Ruine vorhanden. Nach derselben nannte sich seit dem 12. Jahrh. das in dieser Gegend reich begüterte Wettinsche Geschlecht, dessen erster geschichtlich nachweisbarer Ahn Dietrichz vom Stamme Buzici genannt wird, der 13. Juli 982 in Calabrien in der Schlacht Ottos II. gegen die Sarazenen und Griechen fiel. Nur genealogische Willkür ist es, dieses Geschlecht von dem Sachsenherzog Widukind oder von Herzog Burchard von Thüringen (gest. 908) ableiten zu wollen; mit einiger Wahrscheinlichkeit läßt sich jedoch als Vorfahr jenes Dietrich von Buzici Thietmar nennen, welcher 919 den nachherigen König Heinrich I. bei Grona befreite. Die Heimat des Geschlechts ist im Nordschwabengau zu suchen, wo dasselbe früh als reichbegütert erscheint. Von Dietrichs beiden Söhnen erhielt der ältere, Dedi (gest. 1009), die Grafschaft im nördl. Hasse9u und erhöhte das Ansehen seines Hauses durch Vermählung mit Thietburg, der Tochter des Markgrafen Dietrich von der Nordmark, der Gau Siusili mit Eilenburg fiel dem jüngern, Friedrich (gest. 1017) zu, der nach seines Bruders Tode auch die Grafschaft im Hassegau erhielt und in Dienstverhältnis zu seinem Verwandten, dem Markgrafen Rikdag von Meißen, stand. Beide Brüder vereinigten also in ihrer Hand die Grafschaften über den Landkomplex, der sich vom linken Saalufer bis auf das rechte der Mulde erstreckte. Da Friedrich keine männlichen Erben hinterließ, so erkaufte er sich das Recht, seine Allode seinen drei Töchtern zu vererben, durch überlassung von Eilenburg an seinen Neffen Dietrich, Dedis Sohn, der somit Inhaber des gesamten übrigen Familienbesitzes wurde; außerdem erhielt er auch die Mark (Nieder⸗) Lausitz. Mit Mathilde, der Tochter Markgraf Ekkehards von Meißen, vermählt, wurde er auf Anstiften seines Schwagers Ekkehard II. 1034 ermordet. Nachdem sein Sohn Dedi nach Ekkehards II. Tode 1046 wieder in den Besitz der Lausitz und der übrigen väterlichen Lehen gelangt war, vermählte er sich 1069 mit der reichen Witwe des Markgrafen Otto von Meißen, Adela, verwickelte sich in den Aufstand der Thüringer und Sachsen gegen König Heinrich IV., erlangte aber noch kurz vor seinem Tode (1075) dessen Gunst wieder. Sein Sohn Heinrich I. von Eilenburg wurde von demselben um 1089 mit der von Ekbert II. durch Felonie verwirkten Mark Meißen belehnt, die von ihm 1103 auf seinen nachgeborenen Sohn Heinrich II. (gest. 1123) vererbte. Dedis jüngerer Bruder Timo, der mit Gütern im Gau Siusili bedacht worden zu sein scheint, ist der erste, der sich nach seiner Burg W. nannte. Vermählt mit Ida, der Tochter des Herzogs Otto (von Nordheim) von Bayern, war er der Vater (nach andern der Großvater) Konrads von W., von welchem an das Haus W. in erblichem Besitz der Mark Meißen (s. d. und Sachsen) blieb. Bei der Teilung seiner Länder „die derselbe kurz vor seinem Tode vornahm, erhielt W. sein vierter Sohn Heinrich (gest. 1181); diesem folgten Heinrich II. bis 1187, dessen Bruder Ulrich bis 1206; mit dessen Sohn Heinrich III. erlosch diese Seitenlinie 1217, worauf die Grafschaft W. an die Linie Brena siel und 1288 dem Hause W. durch Abtretung an das Erzbistum Magdeburg völlig verloren ging. Vgl. A. Cohn, «Wettinische Studieno (in Reue Mitteilungen auf dem Gebiete histor.⸗antiquarischer Forschungo (Bd. 11, Halle 1865); Posse, «Die Markgrafen von Meißen und das Haus W. bis zu Konrad dem Großeno (Opz. 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 589Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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