FeedThietmar
ReligionBrockhaus 1882

Thietmar (auch Dietmar oder Dithmar geschrieben), Bischof von Merseburg, namhafter deutscher Chronist, geb. 25. Juli 975 oder 976. Sein Vater war Siegfried, Graf von Walbeck, gest. 990, ein Bruder des sächs. Markgrafen Lothar und naher Verwandter des Kaisers, seine Mutter eine eborene Gräfin von Stade. Er erhielt eine sorgfältige Erziehung teils im elterlichen Hause, theils in der Klosterschule zu Quedlinburg, dann im Johanniskloster zu Magdeburg unter dem Abt Rigdag und dem Philosophen Geddo. Nachher kam er in das Domkapitel zu Magdeburg, und 1002 wurde er Propst des von seinem Großvater gestifteten Klosters Walbeck. Mit dem Erzbischof Tagino von Magdeburg, der sein großer Gönner war, er unter anderm 1007 dem Feldzug gegen den Herzog Boleslaw von Polen bei. Auf Taginos Empfehlung beim König Heinrich II. erhielt er nach Wigberts Tode das Bistum Merseburg und 24. April 1009 die Weihe. Seitdem war er häufig in der Umgebung des Königs; auch nahm er persönlich teil an einigen Feldzügen gegen die Slawen. Er starb 1. Dez. 1019. T. hat sich große Verdienste um das Bistum Merseburg erworben: doch ein bei weitem größeres durch die Abfassung seines „Chronicono, das in acht Büchern die Geschichte von den Zeiten Heinrichs J. bis zu Ende Aug. 1018, uletzt fast in Art eines Tagebuchs erzählt und in Ianem eigenen Entwurfe erhalten ist. Für die rauhe, schwülstige Sprache und die Wundergläubigkeit T.s entschädigen vollkommen die Reichhaltigkeit des histor. Stoffs und die Wahrheitsliebe desselben. Das Werk ist die Hauptquelle für die Geschichte der slaw. Gegenden über der Elbe. Die beste Ausgabe lieferte Lappenberg in Pertz' «Monueine deutsche Übersetzung Laurent (Berl. 1848).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 640Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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