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ErdkundeBrockhaus 1882

Wetzlar, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Koblenz, malerisch an der Lahn gelegen, welche hier die Dill aufnimmt, Station der Linien Gießen-⸗Deutz, Koblenz-Gießen und W.⸗Lollar der Preußischen Staatsbahnen, ist Sitz eines Amtsgerichts, eines Landratamts und einer Reichsbanknebenstelle, hat ein Gymnasium, eine Militärvorbereitungsanstalt, Fortbildungsschule und Bergvorschule und zählt (1885) 7844 E. Zur Verwaltung der auf Preußen sich beziehenden Restbestände des ehemaligen Reichskammergerichtsarchivs ist jetzt in W. ein königl. Staatsarchiv eingerichtet. Das merkwürdigste Gebäude der Stadt ist der alte, aber unvollendete Dom, der sehr deutlich die übergänge der deutschen Baukunst aufweist. Aus den Ruinen der alten Burg Kalsmunt, auf einem die Stadt beherrschenden Berggipfel, erhebt sich ein Turm mittelalterlichen Ursprungs. Außer dem hochwichtigen Eisenerzbergbau und der Eisenverarbeitung sind Hauptgegenstände der städtischen Industrie Sämischleder, optische Instrumente, Handschuhe und Haararbeiten (künstliche Scheitel u. dgl.), die Fabrikation künstlicher Düngemittel und Erzeugung von Wollstoffen. W. entstand aus einer königl. Villa und bewahrte, trotz steter Fehden mit den benachbarten Territorial—⸗ herren, seine Reichsunmittelbarkeit. Die Stadt erhob sich aus sehr gesunkenem Zustande, als 1693 das Reichskammergericht (s. d.) hier seine Sitzungen eröffnete; sie verlor 1803 ihre Selbständigkeit und kam an den Fürsten Dalberg, der sie zu einer Grafschaft umwandelte. Der Wiener Kongreß überließ 1815 W. an die Krone Preußen. Bei W. schlug Erzherzog Karl 15. Juni 1796 ein franz. Korps unter Donrdan. Zum Andenken daran ward auf dem Schlachtfelde 1848 dem Erzherzog ein Monument errichtet. Durch die Erlebnisse Goethes im Buffschen Hause (noch jetzt zeigt man im Deutschen Ordenshause das «Lottezimmero) und im nahen Dörschen Garbenheim (Wahlheim) ward dessen „Werthero hervorgerufen, weshalb hier 28. Aug. 1849 ihm ein Denkmal gesetzt wurde. — Der Kreis W. zählt (1885) auf 530 àkm 49 783 meist prot. E. Vgl. Berr, „W. und seine Umgebunge(Wetzl. 1882). Weßstein (Joh. Gottfr.), Orientalist und Reisender, geb. 19. Febr. 1815 zu Glsnitz, studierte seit 1836 in Leipzig Theologie, dann orient. Sprachen, reiste 1843 zur Benutzung der Bodleyanischen Bibliothek nach Oxford, habilitierte sich 1846 an der Universität zu Berlin als Docent der arab. Sprache und wurde 1848 preuß. Konsul in Damascus. In dieser Stellung vermittelte er 1851 den Frieden zwischen der türk. Regierung und den Dunsen des Haurangebirges und nahm sich 1860 der verfolgten Christen an. Im J. 1862 nach Europa zurück-Carhnnt lebt er in Berlin, mit Bearbeitung seiner ammlungen beschäftigt. Seine von Damascus aus unternommenen Reisen beschrieb er in 4Reisebericht über Hauran und die Trachonen» (Berl. 1860); auch veröffentlichte er in verschiedenen Zeitschriften viele Abhandlungen über die Geographie Arabiens und des östl. Palästina, sowie über Leben und Sprache der Bewohner dieser Länder.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 591Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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