Wurzen, Stadt in der sächs. Kreishauptmannschaft Leipzig, 25 km östlich von Leipzig an der Mulde, Station der Linien Leipzig-Riesa-⸗Dresden und Glauchau-W. (Muldenthalbahn) der Sächsischen Staatsbahnen, ist Sitz eines Amtsgerichts und zählt (1885) 12006 C. Das vorzüglichste Gebäude der Stadt ist die Domkirche, mit zwei Türmen, die 1114eingeweiht, nach wiederholten Bränden erweitert und 1817—18 gänzlich renoviert wurde. Die St. Wenceslai⸗ oder Stadtkirche ist spätern Ursprungs. Eine steinerne Brücke führt seit 1830 über die Mulde, neben welcher 1837 die Eisenbahnbrücke angelegt wurde. Von Unterrichtsanstalten bestehen ein Gymnasium und eine landwirtschaftliche Schule. Auch hat W. eine Poliklinik und ein städtisches Krankenhaus. Von den größern gewerblichen Etablissements sind zu nennen: eine Papierfabrik, eine Tapetenfabrik, eine Teppichfabrik, eine Möbelfabrik, Pianofortefilzfabrik, Eisengießereien, Cigarren⸗, Kartonnagen⸗, Maschinenfabriken, eine Dampf⸗ und eine große Kunstmühle mit Bisquitbäckerei. W. wurde von den Sorbenwenden gegründet und kommt schon frühzeitig als Stadt vor. Gleichzeitig mit der Erbauung der Domkirche errichtete hier 1114 der meißnische Bischof Herwig ein Kollegiatstift, welches mit der Reformation protestantisch wurde. Nach Einführung der Reformation im Domlapitel resignierte 1581 der Bischof Johann von Haugwitz, und es kam das Stift Meißen nebst W. an das Kurhaus Sachsen. W. war 1542 Schauplatz des sog. Fladenkriegs. Im Dreißigjährigen Kriege wurde die Stadt durch die Schweden in der Charwoche 1637 großenteils niedergebrannt, 1643 unter Torstenson ausgeplündert und im folgenden Jahre so hart mitgenommen, daß die meisten Einwohner auswanderten.