Liegnitz, Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks in der preuß. Provinz Schlesien, unweit des Zusammenflusses des Schwarzwassers und der Katzbach, freundlich zwischen Gärten und reienden Promenaden gelegen, Station der Linien ommerfeld-Kohlfurt-L. und L.⸗Goldberg der Preußischen Staatseisenbahnen, ist Sitz der Regiefrungsbehörden, eines Amts«, eines Landgerichts, Landratsamts, einer Reichsbankstelle, eines Dominialrentamts und einer Oberpostdirektion und zählt (1880) 37175 meist prot. E. Die Stadt hat eine Ritterakademie mit Bibliothek und Sammlungen, von Kaiser Joseph I. 1708 gestiftet, die mit Vorbehalt der adeligen Freistellen w1810 zu einer Gymnasialbildungsanstalt erweitert wurde; sodann ein evang. Gymnasium, ein Seminar, eine höhere Bürgerschule, zwei höhere Töchterschulen, eine Landwirtschaftsschule und ein Taubstummenfinstitut. Unter den öffentlichen Gebäuden sind „bemerkenswert: das königl. Schloß (jetzt Sitz der Regierungsbehörden), das 1835 zum Teil ab-Jbrannte, aber nach Schinkels Entwurf wieder aufgebaut ward; das Rathaus (mit einer Sammlung alter Waffen), das Theater, das Postgebäude, der Bahnhof, das städtische Krankenhaus, die Bank, das Ständehaus, das 1875—77 gebaute Militärlazarett und drei neue Kasernen. Außerdem hat L. eine kath. Kirche mit der Gruft der letzten piastischen Herzöge von L. und Brieg, zwei evang., eine altluth., eine christkath. Kirche, ein Irvingianisches Bethaus und eine Synagoge. Zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt gehört auch das Schießhaus, das Denkmal Friedrichs d. Gr., das Löwendenkmal zur Erinnerung an die im Deutsch-Französischen Kriege von 1870 und 1871 Gefallenen und der Friedhof. Neben den gewöhnlichen städtischen Gewerben bestehen zu L. Fabriken in Tuch, Leder, Tabak, Wollwaren, Maschinen, Pianofortes, Wagenbauereien, eine bedeutende Hutfabrik und Molkerei. Ein Haupterwerbszweig ist der Gemüsebau in den Gärten der Vorstädte (Kräutereien genannt). Ansehnlich sind auch die Getreide⸗ und Viehmärkte. L. war seit 1164 Residenz der Herzöge des Fürstentums L., die mit Georg Wilhelm, dem letzten schles. Herzog aus dem Piastenstamme‚, 1675 ausstarben. Osterreich nahm hierauf, ungeachtet der Erbansprüche Brandenburgs, das Fürstentum und die Stadt in Besitz. Unweit L., bei Wahlstatt (s. d.), fiel 9. April 1241 die große Mongolenschlacht vor. Die Stadt ward dabei geplündert, die Burg jedoch widerstand. Die Sachsen unter Arnheim siegten hier 13. Mai 1634 über die Kaiserlichen unter Colloredo, und 1740 erfolgte die Besitznahme der Stadt durch die Preußen. Sodann schlug hier Friedrich II. 15. Aug. 1760 die Ssterreicher unter Loudon (Pfaffendorf, Siegeshöh), und 26. Aug. 1813 wurden in der Schlacht an der Katzbach die Franzosen von Blücher geschlagen. Gräfin Auguste von Harrach (s. d.). erhielt 1824 von ihrem Ditel enrer Rur Gemahl Friedrich Wilhelm III. den Titel einer Fürstin von L. Vgl. Sammter und Kraffert, «Chronik von L. (4 Bde., Liegn. 1861 - 72); Jander, Mitteilungen über L. und seine Umgebunge (Liegn. 1883); Führer für L. und seine Umgebungy (Liegn. 1884). Der Regierungsbezirk Liegnitz, die ehemaligen schles. Fürstentümer L., Glogau und Jauer, sowie den größten Teil der 1815 von Sachsen an Preußen abgetretenen Oberlausitz begreifend, hat ein Areal von 13 602 aKm, zählt (1880) 1022337 E., worunter 850 120 Evangelische, 164895 Katholiken und 5158 Juden, und zerfällt in 21 Kreise: Bolkenhain, Bunzlau, Freistadt, Glogau, Goldberg-Haynau, Stadt Görlitz, Land Görlitz, Grünberg, Hirschberg, Hoyerswerda, Jauer, Landeshut, Lauban, Stadt L., Land L. (621 akm mit 44 485 C.), Löwenberg, Lüben, Rothenburg, Sagan, Schönau, Sprottau. Vgl. Tomasczewski, (Topogr.⸗statist. Handbuch für den RegierungsbezirkL.»(Liegn.1880).