Wiesner (Julius), Botaniker, geb. 20. Jan. 1838 in Tschechen bei Brünn, studierte am technischen Institut zu Brünn, dann auf der Universität zu Wien, habilitierte sich 1861 als Privatdocent für physiolog. Botanik am Polytechnischen Institut daselbst und wurde 1868 außerord. Professor. Er folgte 1870 einem Ruf an die Forstakademie Mariabrunn und wurde 1873 Professor der Anatomie und Physiologie der Pflanzen und Direktor des pflanzenphysiolog. Instituts der Universität Wien. Bis 1880 hielt er daneben auch Vorlesungen an der technischen Hochschule daselbst; seit 1882 ist er wirkliches Mitglied der k. k. Akademie der Wissenschaften. W. hlr⸗ durch eigene Arbeiten sowie durch die seiner zahlreichen Schüler (hauptsächlich in den Sitzungsberichten der wiener Akademie veröffentlicht) in die meisten Teile der Pflanzenphysiologie fördernd eingegriffen und hat die Methode der experimentellen Forschung auf diesem Gebiete wesentlich vervollkommnet. Besonders wichtig sind seine Untersuchungen über die Beziehungen des Lichts zu den Vegetationsprozessen und über die Wachstumsgesetze und das Bewegungsvermögen der Pflanzen. In neuester Zeit hat W. durch den Nachweis, daß die vegetabilische Zellwand lebt und im wachsenden Zustande stets von Protoplasma durchsetzt ist, die Lehre von der Organisation der Zellwand auf ganz neue Grundlagen gestellt. Er schrieb: „Einleitung in die technische Mikroskopies (Wien 1867), Mikrostopische Untersuchungen» (Stuttg. 1872), Die Rohstoffe des Pflanzenreichso (Lpz. 1873), Die Entstehung des Chlorophylls in der Pflanze» (Wien 1877), Die heliotropischen Erscheinungen im Pflanzenreich⸗ (2 Bde., Wien 1879—80), Das Bewegungsvermögen der Pflanzen» (Wien 1881), Elemente der wissenschaftlichen Botaniko (2 Bde., Wien 1881—84; 2. Aufl., Bd. 1, 1885). Großes Verdienst erwarb sich W. auch durch die mustergültige Einrichtung des pflanzenphysiolog. Instituts im neuen Universitätsgebäude in Wien.