Unger (Franz), ausgezeichneter Botaniker und Paläontolog, geb. 1800 in Steiermark, widmete sich erst zu Graz jurist. Studien, vertauschte dieselben aber zu Prag und Wien mit den medizinischen und naturwissenschaftlichen und erwarb. sich 1827 zu ien die mediz. Doktorwürde. Nachdem er einige Zeit als praktischer Arzt in der Nähe von Wien, dann fünf Jahre lang in Tirol gewirkt, folgte er 1836 dem Rufe als Professor der Botanik und Direktor des botan. Gartens an der Polytechnischen Lehranstalt zu Graz. Seit 1850 war er in gleicher Eigenschaft an der Universität zu Wien thätig. U. starb zu Graz 13. Febr. 1870. U.s wissenschaftliche Wirksamkeit erstreckt sich vorzugsweise auf die Anatomie und Physiologie der Pflanzen, daneben auf Geologie und Paläontologie. Im Sommer 1852 bereiste er behufs seiner geolog. Forschungen den Norden von Curopa, besonders änemark, Schweden und Norwegen, einige Jahre später Agypten, Syrien und andere Länder des Orients. Als Früchte der letztern Reisen erschienen unter anderm 4Wissenschaftliche Ergebnisse einer Reise nach Griechenland und den Jonischen Inseln⸗ (Wien 1862) und „Die Insel Cypern(mit Kotschy, Lpz. 1865). Bei Gründung der kaiserl. Akademie der Wissenschaften 1847 wurde U. zu deren Mitglied ernannt. Unter seinen zahlreichen Schriften sind zunächst zu nennen: die „Grundzüge der Botanikz (mit Endlicher, Wien 1843), die Grundzüge der Anatomie und Physiologie der Pflanzen⸗(Wien 1846), 4Anatomie und Physiologie der Pflanzen⸗ (Wien 1855) und die Grundlinien der Anatomie und Physiologie der Pflanzen⸗ (Wien 1866). Die Ergebnisse seiner Forschungen über die fossile Pflanzenwelt legte er in den Werken Genera et species plantarum fossiliumo(Wien 1852), «Sylloge plantarum fossilium⸗(Wien 1860), sowie in zahlreichen Monographien nieder. Zu diesen gehören unter andern Die fossile Flora von Sotzka» (Wien 1850), „Die fossile Flora von Kumi in Cuböas (Wien 1867) u. s. w. Seinen Arbeiten über die untergegangene Pflanzenwelt schließen sich eine Reihe trefflicher kulturgeschichtlicher Untersuchungen an, wie vor allem der „Versuch einer Geschichte der Pflanzenwelte (Wien 1852) und „Botan. Streifzüge auf dem Gebiete der Kulturgeschichtes (Wien 1857 fg.). Vielen Anklang fanden die landschaftlichen Bilder, die in seinem Werke »Die Urwelt in ihren verschiedenen Bildungsperiodeno (Münch. 1851; 3. Aufl. 1864, mit Tafeln) enthalten sind. Von seinen spätern botan. und paläontologischen Arbeiten sind zu nennen: «Geologie der europ. Waldbänmes (2 Tle., Graz 1869—70), Die fossile Flora von Szänto in Ungarno(Wien 1869), „Anthracitlager in Kärnteno (Wien 1869), Uber Lieschkolben der Vorzeite»(Wien 1870). Populär gehalten sind seine Botan. Briefes (Wien 1852). Vgl. Reyer, «Leben und Wirken des Naturhistorikers Franz U.v (Graz 1875); Leitgeb, „Franz U. Gedächtnisreder (Graz 1870).