Wiggers (Mor.), deutscher Abgeordneter, Bruder des vorigen, geb. 17. Okt. 1816 zu Rostock, studierte dort, in Heidelberg und Göttingen die Rechte und ließ sich 1843 als Advokat und Notar in Rostock nieder. Bei der polit. Bewegung von 1848 stand W. an der Spitze der mecklenb. Reformpartei, wurde Präsident der konstituierenden Kammer, sowie der im Febr. 1850 einberufenen Kammer. In dieser Eigenschaft berief er auf Grund der Verfassung diese am 1. Juli 1850 verfassungswidrig aufgelöste Kammer zum 24. Sept. 1850 nach Schwerin; doch wurden deren Sitzungen gewaltsam gehindert, W. selbst verhaftet und die Feudalverfassung wiederhergestellt. Im Frühjahr 1853 in den rostocker Hochverratsprozeß verwickelt, war W. im Kriminalgefängnis zu Bützow vom 1. Mai 1853 bis 9. Jan. 1857 in Untersuchungshaft, worauf er zu dreijähriger Zuchthausstrafe verurteilt wurde. Er verbüßte dieselbe in der Strafanstalt Dreibergen, als gemeiner Sträfling behandelt, bis er 24. Okt. 1857 auf großherzogl. Befehl entlassen, ihm jedoch im Disciplinarwege die Advokatur und das Notariat genommen wurde. Wegen seiner Schrift Der Vernichtungskampf wider die Bauern in Mecklenburgs (Lpz. 1864) angeklagt, aber freigesprochen, veröffentlichte er bald danach 3½* Die Wiederömg 1864 der Leibeigenschaft in Mecklenburgo (Courg 1864), worin er die mecklenb. Gesetzgebung in 905 auf die Prügelstrafe in so vernichtender Weise bloßlegte, daß dieselbe infolge der hierdurch hervorgerufenen allgemeinen Entrüstung rückgängig wurde, und beleuchtete dann in seiner Schrift „Die burg.Ochweriuvit des Großherzogtums Mecklenurg-Schwerino (Berl. 1866) die bisher in Dunkel gehüllten mecklenb. Finanzen. Zu Gunsten der Verwandlung der Bauerhufen in freies Eigentum veröffentlichte W. «Die Vererbpachtung der Domanialbauergehöfte in Mecklenburg-Schwerino (Rostock 1868) und Die Reform der bäuerlichen Verhältnisse im Domanium des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerino (Rostock 1869) und regte in mehrern Schriften das Projekt eines Kanals von Rostock nach Berlin an. W. war auch Mitglied des Ausschusses des Nationalvereins und des Abgeordnetentags. Er wurde 1867 vom dritten berliner Wahlkreis in den Konstituierenden Reichstag des Norddeutschen Bundes gewählt und gehörte im letztern der Deutschen Fortschrittspartei an, wurde von demselben Wahlkreise auch in den ordentlichen Norddeutschen, sowie in den ersten Deutschen Reichstag, in diesen jedoch auch vom dritten mecklenb. Wahlkreise Parchim-Ludwigslust gewählt, für welchen letztern er die Wahl annahm, und welchen er seitdem ununterbrochen im Reichstage vertrat. Im J. 1881 verzichtete W. auf die Annahme einer Wiederwahl um Reichstage. Er hat aber seine Bestrebungen fur die Ausführung des Rostock-Berliner Schifffahrtskanals, mit welchem nunmehr durch den Bau einer Schiffahrtsschleuse bei Rostock, des wichtigsten Bauwerks jenes Unternehmens, der Anfang gemacht ist, in Wort und Schrift fortgesetzt. Wight (spr. Ueit), bei den Römern Vectis, bei den Angelsachsen Wiht-ealand, eine zur engl. Grafschaft Hampshire gehörige Insel im Kanal, südwestlich von Portsmouth gelegen, durch die durchschnittlich nur 6 km breiten Meeresarme Solent im Nordwesten und Spithead im Nordosten von der engl. Küste getrennt, ist rautenförmig gestaltet, 37 Km lang, bis 21 km breit, hat ein Areal von 401 qkm und zählte 1881 eine Bevölkerung von 78 652 Seelen (gegen 42277 im J. 1851). Kreidehügel (Dewns) durchziehen die Insel in der Mitte, vom Culver-Cliff im Osten bis zu den zerklüfteten Felsmassen der „Nadelno (the Needles) an der Westspitze, die aber in ihrem höchsten Punkte, dem Mottestone-Down, nur 210 m erreichen. Außerhalb der centralen Kette erhebt sich im Süden der 241 m hohe Catherine's-Hill. Die ganze Südwest⸗ und Südostküste ist steil, felsig und gibt mit ihren oft wunderbar gestalteten Klippen in Verbindung mit den an mehrern Punkten angelegten Batterien und Zirde swerken Sicherheit gegen jeden Angriff. er bedeutendste Fluß, der Medham-oder Medina-River, fließt von Süden nach Norden, mündet mit einem 7 km langen Astuar und teilt die Insel in wei gleiche Hälften (East⸗ und West-Riding). Außerm dringt die See auch noch mit einigen andern Armen in die Nordwest⸗ und Aeruomten ein. W. ist reich an Naturschönheiten, berühmt wegen der gesunden und milden Luft und wird wegen der Frische der Vegetation, der großen Fruchtbarkeit an Gartenfrüchten, Hopfen und Getreide der Garten Englands und die Kornkammer für die westl. Grafschaften genannt. Beträchtliche Schäfereien liefern eine gute Wolle, welche roh nach England gebracht wird. Auch gibt es viele Hasen und Kaninchen, sowie überfluß an Seevögeln, Fischen, Hummern und andern Schaltieren. Außerdem gewinnt man Pfeifenthon, Marmor, Quadern u. s. w. W. zählt vier Städte und eine Menge kleinerer wohlgebauter, reinlicher Ortschaften, Villen und Landsitze. Erst 686 wurde auf der Insel das Heidentum durch König Ceadwalla von Wessex völlig ausgerottet. Newport, Parlamentsborough, Municipal- und Hauptstadt der Insel, liegt fast in deren Mitte, links am Medinaflusse, auf welchem mit der Flut Seeschiffe bis zu den Kais gelangen. Der Ort, Station der Eisenbahnlinien Ryde-Newport-Cowes und Newport-Horringford-Sandown, Wit 9430 E., hat in der Kirche ein von der Königin Victoria errichtetes Denkmal der Prinzessin Stadth Tochter Karls I., von Marochetti, ein Stadthaus mit Markthalle, ein litterarisches Institut mit Bibliothek, ein Handwerkerinstitut, eine Lateinschule, eine Industriehalle mit Garten, Cracknells-⸗ oder Zwiebackbäckereien, sowie besuchte Getreide⸗ und Wollmärkte. dur 2 km südwestlich liegt Carisbrooke, die frühere Hauptstadt, bei den Angelsachsen Wihtgarabyrig, jetzt ein Dorf mit 7503 E., Kasernen, einem Arbeitshause und den Ruinen des Schlosses (Carisbrooke-Castle), in welchem Karl I. von Nov. 1647 bis Nov. 1648 gefangen saß. Unweit des Schlosses wurde 1859 eine röm. Villa mit Mosaikpflaster aufgedeckt. Nahe bei der Stadt Cowes (s. d.), rechts vom Medina-Astuarium, liegt das Schloß Osborne-House, der Sommeraufenthalt der Königin Victoria. Die Luft ist hier äußerst gesund und die Lage gewährt eine entzückende Rundsicht. Bei einer persönlichen Zusammenkunft der Königin Victoria und Napoleons III. wurde zu Osborne-House die engl.⸗franz. Allianz aufs neue befestigt (6. Aug. 1857). Ostsüdöstlich von Osborne liegt Ryde, eine neue Marktstadt (Municipalborough) und ein beliebtes Seebad, von zahlreichen Landhäusern und Gärten umgeben, Station der Eisenbahnlinien nor, mit 11422 C., einer Markthalle, einem Theater, einem Krankenhaus, einem litterarischen Institut, einer philos. Gesellschaft und dem Gesellschaftshause des Victoria-Jachtklubs. Das Dorf Narmouth, fast 15 kmuwestlich von Newport, besitzt eine sichere Reede und zählt 600 E. Dabei befindet sich das Fort Victoria, welches mit dem gegenüber auf der engl. Küste gelegenen Fort Hurst-Castle den westlichen Eingang zum Solent verteidigt. An der Südostküste in der Gegend des Undercliff liegt die Stadt Ventnor, Station der Eisenbahn Ryde-Sandown-Ventnor, ein erst in neuerer Zeit entstandenes Seebad mit 5493 E., weißen, an den zugänglichen Punkten der steilen Felswände anebauten Häusern und allen Annehmlichkeiten für adegäste. Andere Seebäder sind Shanklin und Bonchurch an der Südostküste, sowie Freshwater-Gate südlich von Harmouth. Vgl. Hillier, &The history and antiquities of the Isle of W.v (Lond. 1855); Jenkinson, Practical Guide to the Isle of W. (Lond. 1876); Bradbury, The Isle of W.v (Manch. 1876); Labat, XL'Ile de W. (Par. 1878).