FeedWilberforce (William)
GeschichteBrockhaus 1882

Wilberforce (William), berühmter engl. Philanthrop, geb. 24. Aug. 1759 zu Hull, studierte zu Cambridge, wo er Freundschaft mit Pitt schloß. Im J. 1780 trat er für seine Vaterstadt ins Unterhaus und machte nun die Abschaffung der Sklaverei zum Ziel seiner parlamentarischen Wirksamkeit. In der Session von 1789 trug er, von Fox und Pitt unterstützt, auf Unterdrückung des brit. Negerhandels an, erlangte aber nur eine Verordnung für die menschlichere Behandlung der Negersklaven auf der überfahrt. Im J. 1790 brachte er die Sklavenfrage abermals vor das Haus, setzte aber erst 1792 den Beschluß durch, nach welchem der Stlavenhandel 1795 aufhören sollte. Der Krieg und die gefährdete Lage der Kolonien ließen indessen die Maßregel nicht zur Ausführung kommen. Erst als 1806 der Minister For die Sklavenangelegenheit zur Sache der Regierung machte, hatte W. endlich die Freude, daß in der Sitzung vom 23. Febr. 1807 die Unterdrückung des brit. Sklavenhandels, vom 8. Jan. 1808 an, ausgesprochen wurde. Nach diesem Siege suchte er die brit. Regierung zum Einschreiten gegen den Menschenhandel anderer Nationen zu bewegen. Auf seine Veranlassung brachte Castlereagh die Abschaffung der Sklaverei auf dem Kongreß von Wien zur Sprache; W. selbst richtete Schreiben an Talleyrand, den König von Preußen und den Kaiser Alexander. Nach Abschluß der Verträge, in welchen Frankreich, Spanien und Portugal sich zur Abstellung des Negerhandels verpflichteten, erhob er im Parlament oft seine Stimme gegen die übertretungen, die die Regierungen wie die Privaten sich zu Schulden kommen ließen. Im J. 1816 that er den ersten Schritt zur Abschaffung der Sklaverei selbst, indem er die Verminderung der Neger im brit. Westindien vorschlug. Als die Regierung seit 1823 die völlige Emancipation der Neger Schritt für Schritt vorbereitete, entfaltete W. den größten Eifer, um das Werk durchführen zu helfen. Am Tage, nachdem der Regierungsantrag für die allgemeine Befreiung der schwarzen Bevölkerung in den brit. Kolonien die zweite Lesung erhalten, starb W. 29. Juli 1833. Von ihm erschien das Buch Practical view of the prevailing religious system of professed Christians in the higher and middle classes of this country, contrasted with real Christianitys (Lond. 1797 u. öfter). Sein Leben, nebst Auszügen aus seinem Tagebuche und seiner Korrespondenz, gaben seine Söhne Robert, Isaak und Samuel in fünf Bänden (Lond. 1838; neue Ausg. 1868) heraus. Vgl. Colquhoun, «William W. his friends and his timeso (Lond. 1866). Von den Söhnen W.s nahmen vier einflußreiche Stellungen in der engl. Staatskirche ein. Der älteste, William, trat bald nach dem Ausbruch des puseyitischen Schisma zum Katholizismus über. Ihm folgte Henry, Vikar von Farleigh, der sich nachher durch seine Proselytenmacherei bemerkbar machte und 1851 zum Sekretär des kath. Schutzvereins in Irland erwählt wurde. Robert W., Archidiakonus von Vork, geb. 19. Dez. 1802, galt lange Zeit für eine der Hauptstützen des Puseyismus und gab in seinen Werken The five empireso und (History of Erastianismo Ansichten zu erkennen, die mit den Grundsätzen des Protestantismus im Widerspruch standen. Nachdem er noch in einer Schrift 0On the holy eucharisto die Lehre von der Transsubstantiation offen verteidigt und deshalb von dem Erzbischof von Canterbury zur Rechenschaft gezogen worden, legte er sein geistliches Amt nieder und trat im Okt. 1854 zur kath. Kirche über. Er starb zu Albano in Italien 4. Febr. 1857. Samuel W..,, geb. 7. Sept. 1805, studierte zu Oxford, wurde dann Pfarrer zu Brighstone, Archidiakonus von Surrey und 1845 Bischof von Orford. Unter seinen Werken sind Agathoso, Eucharisticad, MNotebook of a country elergymano, „Sermons on miscellaneous subjectso, Times of secessiono, Times of revivabb (1863) und Life of William W.» (Lond. 1868) zu nennen. Obglei er in der engl. Staatskirche ausharrte, galt er do als eine der Hauptstützen der romanisierenden Richtung der hochkirchlichen Partei und gewann ebenso in der höhern Gesellschaft durch seine glänzenden weltmännischen Talente, wie im Hause der Lords, in dem geistlichen Parlamente der Diöcese von Canterbury und in öffentlichen, für religiöse Zwecke veranstalteten Meetings als gewandter, schlagfertiger Redner, bedeutenden Einfluß. Seit Nov. 1847 Großalmosenier der Königin, wurde er 1869 zum Bischof von Winchester ernannt. Er starb auf einem Spazierritt an einem Fall vom Pferde, 19. Juli 1873. Vgl. Ashwell, Life of Bishop W.s (1879).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 634Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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