Wilhelm III., aus dem Hause Nassau, Prinz von Oranien 1650—1702, durch die Revolution von 1688 König von England,‚ Schottland und Irland, seit 1672 Generalkapitän und Großadmiral der niederländ. Republik, sowie Statthalter der Provinzen Holland und Seeland, war der Sohn Wilhelms II. von Oranien, der in den Niederlanden 1647—50 dieselben Würden bekleidete, und der Henriette Maria Stuart, Tochter König Karls I. von England. Er wurde 4. (14.) Nov. 1650 acht Tage nach dem Tode seines Vaters geboren. Alles schien sich zum Verderben des körperlich schwachen Knaben zu vereinigen; Cromwell verfolgte ihn als einen Stuart, Ludwig XIV. nahm ihm sein Fürstentum Oranien, und schon 1661 starb ihm die Mutter. Sein Vater hatte das Generalkapitanat und die Statthalterschaft in der Familie erblich zu machen gesucht. Allein die republikanisch-ständische Partei, an ihrer Spitze der Großpensionar Witt, setzte 1667 den Beschluß durch, daß kein künftiger Generalkapitän zugleich Statthalter sein könne, wodurch der Prinz die Aussicht auf die eine oder andere Würde verlor. Indessen überwachten die Generalstaaten doch seine Erziehung und übertrugen dieselbe seiner Großmutter, Emilie von Solms, einer Rerdlch und politisch gebildeten Frau. Bereits im jugendlichen Alter offenbarte W. einen festen, ernsten Charakter. Während der Unruhen, die 1672 die Invasion Ludwigs XIV. (ss. d.) begleiteten, wählten ihn Holland und Seeland zum Statthalter und die Generalstaaten zum Generalkapitän und Großadmiral der Republik. W. weckte durch sein Auftreten sofort das allgemeine Zutrauen; die Geringfügigkeit seiner Streitmittel und die wankelmütige Politik der Verbündeten hinderten ihn jedoch, große Schläge zu versuchen. Am 11. April 1676 wurde er bei Mont-Cassel geschlagen und mußte die Belagerungen von Mastricht, St.⸗ Omer und Charleroi aufheben. Nun suchte W. England an seine Person und das niederländ. Interesse zu ketten. Im Herbst 1677 reiste er nach London und vermählte sich hier mit seiner Cousine Maria, der ältesten Tochter des nachmaligen Königs Jakob II. Im Frieden zu Nimwegen 1678 behielt die niederländ. Republik ihr Gebiet unverkürzt und verpflichtete sich dagegen zur Neutralität. Seitdem überwachte W. rastlos die Eroberungsvpolitik Ludwigs XIV. Erbittert über die sog. Reunions, vermittelte er den Defensivtraktat im Haag 1683 und das Bündnis zu Augsburg 1686, welche weitern franz. Übergriffen eine Schranke setzen sollten. Gleichzeitig behielt er die Verhältnisse Englands sorgsam im Auge. Seitdem sein Schwiegervater, Jakob II., den Thron bestiegen, war W., als Gemahl der präsumtiven Thronerbin, der kirchlichen und polit. Gewaltherrschaft desselben wiederholt entgegengetreten. Nach der Geburt des Prinzen von Wales (Jakob III.), den die Protestanten für ein untergeschobenes Kind erklärten, vereinigten sich Whigs und Tories und baten W. um seine bewaffnete Einmischung. Im Sommer 1688 nahm W., von engl. Großen und den Generalstaaten unterstützt, bedeutende Rüstungen vor und landete 5. Nov. 1688 mit 50 Kriegsschiffen und 14000 Mann zu Torbay. Die ihm entgegengeschickten Truppenkorps, sowie der Prinz Georg von Dänemark und dessen Gemahlin Anna, die zweite Tochter Jakobs II., erklärten sich für ihn. Während W. auf die Hauptstadt vorrückte, entfloh Jakob nach Frankreich. Unter dem Jubel des Volks und ohne Schwertstreich nahm W. 18. Dez. 1688 von London Besitz, wo ihm die in Eile versammelten Peers die provisorische Regentschaft übertrugen. In dieser Stellung berief W. unter dem Namen einer Konvention das Parlament, das 22. Jan. 1689 zusammentrat, den Thron durch die Flucht Jakobs II. erledigt erklärte und ihm und seiner Gemahlin 13. Febr. die brit. Krone mit der Bestimmung übertrug, daß er allein die Geschäfte besorgen und daß nach beider kinderlosem Tode die Prinzessin Anna den Thron erben sollte. Zugleich unterzeichnete W. die Declaration of Right, die neue Magna Charta des parlamentarischen England. Auch die schott. Nationalkonvention sprach ihm 11. April 1689, am Tage, wo er zu Westminster gekrönt wurde, den Thron zu. Leicht erlangte W. die Beistimmung der beiden Häuser zur Teilnahme an dem seit 1688 wieder ausgebrochenen Kriege Aatn Frankreich, worauf er der großen Wiener Allianz beitrat. Nun aber landete JakobII. mit franz. Hilfe auf Irland. W. brachte mit der Bezwingung der Insel mehrere Jahre zu und vermochte erst seit 1691 seine Kräfte ungeteilt dem europ. Kontinentalkriege zu widmen. Im Febr. 1691 ging er mit einem Heere nach den Niederlanden, war aber als Feldherr weder in diesem noch in den folgenden Feldzügen glücklich. Während die brit. Flotte zur See siegte, wurde er 3. Aug. 1692 bei Steenkerken geschlagen. Nachdem eine Expedition Jakobs II. auf die engl. Küste gescheitert, vereinigt sich derselbe mit dem franz. Hofe zu einem Anschlage auf W.s Leben, der jedoch ebenfalls mißlang. Im Juli 1693 eroberte W. die franz. Linien zwischen Schelde und Leye, erlitt aber 29. Juli die Niederlage bei Neerwinden. Die brit. Flotte verwüstete 1694 die franz. Küsten; auch eroberte W. 1695 Namur. Endlich wurde 20. Sept. 1697 zu Ryswifjk der Friede unterzeichnet, in welchem Lud⸗ . * die neue 1½½ Englands anerkannte. as verschlossene Wesen W.s, sein zurückgezogenes Leben in Hamptoncourt und Kensington, sein geringer Eifer für die Hochkirche, seine Parteilichkeit für die Whigs, seine Härte gegen die Jakobiten und die Clane im schott. Hochlande machten ihn in Großbritannien vielfach unpopulär, während er in den Niederlanden fortwährend sich der größten Anhänglichkeit erfreute. Seine Gemahlin, die Königin Maria II., mit der W. in sehr glücklicher Che lebte, war beim brit. und niederländ. Volke gleich beliebt, doch starb sie kinderlos schon 28. Dez. 1694. Damit fiel W. die Krone allein zu. Als Ludwig XIV. die Erbschaft der span. Monarchie für die Bourbonen erstrebte, befürwortete W. zuerst eine Teilung und schloß mit Ludwig XIV. die beiden Partagetraktate von 1698 und 1700, wurde aber später der rührigste Dränger um Kriege. Er vermochte das Parlament zur Absendung eines Korps nach den Niederlanden, und nachdem er in derselben Sitzung 1701 die prot. Successionsakte durchgesetzt, schloß er 7. Sept. im en Oeen Tripleallianz zwischen Osterreich und den Seemächten. Dennoch würde er kaum das Parlament zum Kriege haben fortreißen können, hätte nicht Ludwig XIV. die engl. Nation verletzt, indem derselbe nach Jakobs II. Tode dessen Sohn als König Jakob III. anerkannte. Das neue Parlament, das im Jan. 1702 zusammentrat, erklärte dieses Verfahren als Friedensbruch und bewilligte W. sogleich ein Heer von 45000 Mann. Lange kränklich, brach W. auf einem Ritte nach Hamptoncourt das Bein, was heftiges Wundfieber und 19. März 1702 seinen Tod zur Folge hatte. Ganz Europa verehrte den Begründer der modernen engl. Großmacht als den Vorkämpfer gegen die Übermacht Ludwigs XIV. Vgl. Trevor, Lite and times of William III.v (2 Bde., Lond. 1835 — 36);: Vernon, «Court and times ot William III.5 (3 Bde., Lond. 1841); Noorden, «Geschichte des 18. Jahrh. » (Bd. 1, Düsseld. 1870).