Wolter (Charlotte), hervorragende tragische Schauspielerin, geb. zu Köln 1. März 1834, ging früh nach Wien, wo sie den Unterricht der Burgschauspielerin Frau Gottdank genoß, die ihr auch ein Engagement in Pest vermittelte. Von da kam sie zu einer reisenden Truppe und über Stuhlweißenburg ans Carl-Theater in Wien, auf Laubes Veranlassung ging sie dann nach Brünn, erhielt 1859 eine Anstellung am Victoria-Theater zu Berlin, 1861 ein Engagement am' Thalia⸗-Theater in Hamburg. Schon von Berlin aus hatte sich ihr le Ruf so sehr verbreitet, daß Laube sie 1861 zu einem Gastspiel an dem wiener Hofburgtheater einlud. t Dieses ungemein erfolgreiche Gastspiel konnte je-H doch erst 1862 zu einem definitiven Engagement in!« Wien führen; seitdem hat sie sich besonders nach der Richtung des Tragisch-Heroischen hin sehr entwickelt. Zu den von ihr dargestellten Partien gehören sowohl die klassisch⸗ antiken Heroinen, wie Sappho, Iphigenia, Medea, Kleopatra, Messalina u. s. w., als auch neuere histor. Heldinnen, wie Maria Stuart, oder mythische Gestalten, wie Kriemhild (Nibelungenv). Zu ihren besten Leistungen gehören ferner: Marwood, Lady Milford, Gräfin Orsina, Lady Macbeth u. s. w. Aber auch in Charakteren des franz. Schauspiels erzielt sie durch die Kraft des Ausdrucks der Leidenschaft große Wirkungen. Später gab sie die jugendlichtragischen Rollen auf, erweiterte dagegen ihre Bühnenwirksamkeit nach der Seite der sog. Salondamen vom ernstern dramatischen Charakter. Die wesentlichsten Mittel, durch welche sie in der Darstellung hochtragischer Frauengestalten ihre großen Erfolge erreicht, sind ein klangvolles und für den Ausdruck des tiefsten Affekts geeignetes Stimmorgan, sowie eine sehr ausgebildete physiognomische Mimik. Charlotte W. ist mit dem Grafen O'Sullivan vermählt.