Woltmann (Karl Ludw. von), deutscher Geschichtschreiber, geb. zu Oldenburg 9. Febr. 1770, studierte in Göttingen neben der Rechtskunde erst alte und neue Sprachen, dann ausschließend Geschichte und habilitierte sich später daselbst. W. schrieb 1794 eine 4Geschichte der Deutschen in der sächs. Periode, die unvollendet blieb, und folgte einem Ruf als außerord. Professor der Philosophie nach Jena. Im J. 1799 ging er nach Berlin und begann die Zeitschrift „Geschichte und Politiko GBerl. 1800—5). Im folgenden Jahre wurde er Resident des Landgrafen von Hessen⸗-Homburg, 1804 Geschäftsträger des Kurerzkanzlers und 1806, nachdem er in den Adelsstand erhoben worden, Geschäftsträger für die Städte Bremen, Hamburg und Nürnberg. Infolge der Schlacht bei Jena hörte seine diplomatische Wirksamkeit fast ganz auf. Nach der Schlacht bei Lützen 1813 floh er, um der Rache Napoleons auszuweichen, nach Prag, wo er 19. Juni 1817 starb. Von seinen Schriften, die teilweise an mangelhafter Ausführung leiden, sind zu nennen: die unvollendete «Geschichte Großbritanniens (Bd. 1, Berl. 1799), sein bestes Werk: »Geschichte des Westfälischen Friedenso (2 Bde., Lpz. 1809), eine treffliche Fortsetzung von Schillers Geschichte des Dreißigjährigen Kriegsv, «Geschichte der Reformation» (3 Bde., Altona 1800 fg.), Geschichte Frankreichso (2 Bde., Berl. 1797 fg.), „Geschichte Böhmenso (2 Bde., Prag 1815), Kleine histor. Schrifteno (2 Bde., Jena 1797). Eine Ausgabe seiner Sämtlichen Werked veranstaltete seine Witwe (14 Bde., Berl. 1818-27). «Die Memoiren des Freiherrn von S—ap (3 Bde., Prag 1815), die er anonym herausgab, verraten in vieler Hinsicht seine schlechtverhüllte Eigenliebe. Seine Gattin, Karoline von W., geb. 6. März 1782, Tochter des preuß. Geheimrats und Arztes Stosch, 1799 — 1804 mit dem Kriegsrat Karl Müchler, dann seit 1805 mit W. verheiratet, eine geistreiche Frau, nahm vielfachen Anteil an seinen Arbeiten und begleitete ihn 1813 nach Prag, wo sie auch nach seinem Tode blieb. Später wendete sie sich nach Berlin, wo sie 18. Nov. 1847 starb. Unter ihren Schriften sind hervorzuheben: Volkssagen der Böhmen » (2 Bde., Prag 1815) und «Neue Volkssagen (Halberst. 1821), Marie und Walpurgiso (2 Bde., Prag 1817), «Die Bildhauero (2 Bde., Berl. 1829), «Der Ultra und der Liberale, und die weiße Frau» (Hamb. 1832), Menschen und Gegendeno (2 Bde., Berl. 1835). Ihres Gatten und ihre eigenen Erzähungen und Gedichte erschienen als «Schriften (5 Bde., Berl. 1806—7).