Wornis selbst und Umgegend stammend, enthält; ferner auch eine Sammlung mittelalterlicher und neuerer Gegenstände, die für die Geschichte der Stadt wichtig sind, endlich noch eine Luther-Bibliothek, bestehend aus einer großen Zahl von ersten Drucken der Werke Luthers und seiner Zeitgenossen, und eine Sammlung wormser Drucke mit sehr seltenen Exemplaren aus dem 16. Jahrh., z. B. der wormser Bibel von 1529. In dem 1884 neu hergestellten Stadthaus, früher Bürgerhof genannt, befindet sich das jetzt neu geordnete, ehemals reichsstädtische Archiv. In der Umgebung der got. Liebfrauenkirche vor der Stadt wächst die weltberühmte Liebfrauenmilch (s. d.), ein durch Lieblichkeit und Feuer ausgezeichneter Wein. Die Einwohner treiben Handel und Gewerbe. Unter letztern sind hervorzuheben die Glanzlederfabriken (mit über 3000 Arbeitern), Knochenkohlefabriken, Dampfmühlen etc. Von den Weinen, die W. erzeugt, sind noch der Katterlöcher und Luginsland geschätzt. In W. bildete sich 1856 ein Verein zur Errichtung eines Luther-Denkmals. Durch die Thätigkeit des Ausschusses dieses Vereins, insbesondere seiner beiden Präsidenten, hatte dieses Unternehmen einen so günstigen Erfolg, daß das anfänglich beabsichtigte Standbild Luthers nach Rietschels Entwurfe sich zu einem Reformationsdenkmal erweiterte, das nach Rietschels Tode von seinen Schülern Donndorf und Kietz zu Ende gebracht und 25. Juni 1868 feierlich enthüllt wurde. Dasselbe hat eine Grundfläche von etwa 100 qm und umfaßt außer der Kolossalstatue Luthers, welche sich auf dem 6mhohen, mit Basreliefs, Porträtmedaillons, Wappen und Inschriften reich verzierten Hauptpostament erhebt, noch elf weitere, teils stehende, teils sitzende Figuren, nämlich: Friedrich, Kurfürst von Sachsen, Philipp, Landgraf von Hessen, Joh. Reuchlin, Phil. Melanchthon, Petrus Waldus, Wicliffe, Huß, Savonarola; ferner die protestierende Speier, die trauernde Magdeburg und Augsburg mit der Friedenspalme. Etwa 2 km von W. beim —— Pfiffligheim steht noch der untere Teil des Lutherbaums, einer ehemals in der ganzen Gegend weithin sichtbaren majestätischen Ulme, welche die Sage mit Luther während seines Aufenthalts in W. 1521 in Verbindung brachte. Am 26. Okt. 1870 wurde der mehrere Jahrhunderte alte Baum durch den Sturm niedergerissen. Der etwa 5 m hohe Stumpf hat wieder neues Laubwerk getrieben. Die Stadt W. gehört zu den ältesten Städten Deutschlands; wie aus dem alten Namen Borbetomagus hervorgeht, ist sie keltischen Ursprungs. Als Stadt der Wangionen stand sie bis gegen das 5. Jahrh. unter römischer Herrschaft und wurde am Anfang des 5. Jahrh. Mittelpunkt des Burgunderreichs und damit Schauplatz der Ereignisse der deutschen Heldensage (Walther von Aquitanien, der hörnerne Siegfried, der Wormser Rosengarten, die Nibelungen, die Klage, Biterolf und Dietleib). In der fränkischen Zeit blühte die Stadt, die in der vorhergehenden wildbewegten Zeit viel gelitten hatte, rasch auf und wurde bald Sitz eines Bischofs. In dem Reich Karls d. Gr. gehörte sie zu den Ianen Masenthn Städten, in der der Kaiser oft einen Aufenthalt nahm und die Reichsversammlungen hielt. In den folgenden Zeiten des Verfalls an den Rand des Verderbens gebracht, wurde sie von dem Bischof Burchard (1000 — 1025), dessen Gedächtnis jetzt durch die von ihm gegründeten Kirchen verherrlicht wird, neu begründet. Unter der Herrschaft der Bischöfe nahm sie wieder rasch einen Aufschwung. Als aber die Kirche und damit auch der wormser Bischof in Kampf mit dem Kaiser geriet, nahmen die Wormser energisch Partei für Heinrich IV. gegen ihren Bischof (1073). Die Erhebung gegen die bischöfliche Herrschaft war der Anfang der innern Selbständigkeit der Stadt, die sich durch viele kais. Privilegien der folgenden Kaiser weiter entwickelte, sodaß Worms ein förmlicher Freistaat wurde. Auch äußerlich Dals die Stadt mächtig auf durch ihren Handel, und als Ort, wo die wichtigsten Hof⸗ und Reichstage gehalten wurden, gehört sie zu den ersten Städten Deutschlands. Doch von dieser Blüte sank sie bald herab in dem unter Friedrich II. entbrennenden langen Kampf mit ihren Bischöfen, die sich wieder der errschaft über die Stadt bemächtigen wollten. war hielt sie sich durch die Zeit der Reformation hindurch immer noch auf einer verhältnismäßigen Höhe, bis sie in den Kriegen des 17. Jahrh. von den Franzosen immer mehr herabgebracht, zuletzt 1689 in einen Stein⸗ und Aschenhaufen verwandelt wurde. Zwar richteten sich die Bürger von Worms ieder auf der alten Stelle ein, aber die alte Reichsstadt fristete nur ein kümmerliches Dasein. Aus den Erschütterungen der Französischen Revolution ing sie als ein Landstädtchen von 5000 E. hervor. Durch den Frieden von Lunéville 1801 kam Worms an Frankreich. Im J. 1814 mit dem übrigen linken Rheinufer von der Fremdherrschaft befreit, kam es 1816 mit der übrigen Provinz Rheinhessen zu Hessen-Darmstadt. Jetzt nimmt die Stadt wieder einen bedeutenden Aufschwung. Unter den vielen Reichstagen, die in der sog. „Mutter der Reichstages gehalten wurden, sind die bekanntesten: der von 1495, wo Kaiser Maximilian I. über den Ewigen Landfrieden (s. d.) verhandelte, und der von 1521, auf welchem Luther vor Kaiser und Reich mit unerschütterlicher Festigkeit jeden Widerruf zurückwies und dadurch der Gründer der protestantischen Kirche wurde. Vgl. Zorn, „Wormser Chroniko (herausg. von Arnold, Stuttg. 1857); Pauli, «Geschichte der Stadt W. (Worms 1825); Lange, «Geschichte und Beschreibung der Stadt W.v (Worms 1837); Brückner, 4Geschichte des Reichstags zu W. (Heidelb. 1860); Wolf, «Zur Geschichte der Juden in W. (Worms 1862); Wiegand, Zur Geschichte der wormser Erzbischöfe und Bischöfeß (Worms 1855); Duden 0 Geschichte der Stadt W. »(Worms 1868); ncken,Authentische Erzählung von der Zerstörung der Stadt W. » (Karlsr. 1871); Arnold, «Verfassungsgeschichte der deutschen Freistädte im Anschluß an die Verfassungsgeschichte von W.y (2 Bde., Hamb. u. Gotha 1854); A. Becker, Beiträge zur Geschichte der Frei⸗ und Reichsstadt W. und der dortigen Heldensagen auf dem Boden der alten Stadt (Gütersloh 1881); F. Soldan, «Der Reichstag zu Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XVI. W. 1521 (Worms 1883); Weckerling, «Die römische Abteilung des Paulus-Museums » (Worms 1885); H. Boos, Urkundenbuch der Stadt W.» (1. Bd., Berl. 1886).