Spremberg, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Frankfurt, Station der Linie Berlin-Görlitz der Preußischen Staatsbahnen, ist Sitz eines Landratsamts, eines Amtsgerichts und einer Reichs-⸗ banknebenstelle und zählt (1885) 11011 E. Der ältere Teil der Stadt liegt auf einer Insel der Spree. Die größere und regelmäßigere Neustadt dehnt sich am westl. Ufer des Flusses aus. Auf dem östl. Ufer der Spree erhebt sich das ehemalige herzogl. Schloß, welches gegenwärtig dem Amtsericht und andern Behörden eingeräumt ist. Es estehen zu S. ein Realprogymnasium und eine Webeschule. Die hauptsächlichste Erwerbsquelle der Bewohner bildet die Tuchfabrikation mit den dazugehörigen Gewerben. Der Aufschwung der Stadt in jüngster Zeit beruht vorzugsweise auf der massenhaften Produttion leichter farbiger und gemusterter Tuche (jährlich über 150000 Stück). Doch begann man sich seit 1867 mehr der Fabrikation schwerer Stoffe zuzuwenden. Außerdem sind an industriellen Etablissements vorhanden: Wollfilzhutfabriken, eine Teppichfabrik, Maschinenbauanstalten, Möbelfabriken, Ol- und Dampfschneidemühlen, Tabaks-und Cigarrenfabriken, Brauereien, eine Dachpappenfabrik und in nächster Nähe auf den Höhen westlich der Stadt Braunkohlengruben. Im Norden der Stadt erhebt sich der Georgenberg mit weiter Fernsicht. Die Urkunden über die ältere Geschichte der Stadt gingen bei dem großen Brande, der 1705 die heutige Altstadt auf der Spreeinsel verheerte, verloren. Auf dem Schlosse (jetzt Amtsgericht) residierte bis 1731 Heinrich, der letzte Herzog von Sachsen-Merseburg. Mit der gesamten Niederlausitz fiel S. 1815 von der sächs. an die preuß. Krone. — Der Kreis Spremberg zählt auf 310,2 qkm (1885) 25 138 E.