Wörth, Flecken im niederelsass. Kreise Weißenburg, an der Sauer, 25 km südwestlich von Weißenburg, mit Mineralquellen und (1880) 1053 C., Sitz eines Amtsgerichts, wurde denkwürdig durch die Schlacht am 6. Aug. 1870, in welcher der franz. Marschall Mac-Mahon von der Dritten Armee unter dem Kronprinzen von Preußen vollständig geschlagen wurde. Mac-Mahon hatte mit dem 1. Armeekorps, einer Division des 7. Korps und einer Kavalleriedivision 5. Aug. auf dem westl. hohen Thalrande des Sauerbachs eine starke Stellung besetzt und forderte noch das bei Bitsch stehende 5. Korps auf, eine Division zu ihm stoßen zu lassen. Die franz. Stellung zog sich von Fröschweiler über Reichshofen, wo das Hauptquartier war und nach dem die Franzosen die Schlacht benennen, Görsdorf und Elsaßhausen längs des Thalrandes hin; der Sauerbach deckte die ganze Front. Der Kron⸗ . von Preußen hatte nach dem Siege von Weißenurg (s. d.) am 5. Aug. den Vormarsch in südwestl. Richtung fortgesetzt und sein Hauptquartier nach Sulz verlegt, wo ihm Meldungen über die Stellung der franz. Armee zugingen. Er ordnete für den nächsten Tag nur das Aufschließen und eine Frontveränderung des Heeres an. Aber 6. Aug. entwickelten sich schon gegen Tagesanbruch Scharmützel zwischen den beiderseitigen Vortruppen; General von Walther, der um 4 Uhr morgens auffällige Bewegungen der franz. Armee bemerkte, beschloß, durch einen Vorstoß festzustellen, ob dieselbe im Abmarsch begriffen sei. Um 7 Uhr wurde W. vom 5. preuß. Korps besetzt. Gegen 8 Uhr befahl General von Kirchbach die Einstellung des Gefechts, mußte jedoch schon in der nächsten Stunde dasselbe wieder aufnehmen, da inzwischen vom 2. bayr. Korps her starker Kanonendonner herüberschallte und auch das 11. preuß. Armeekorps in den Kampf eingetreten war. Das 11. Korps Eung um 11 Uhr eine Umgehung der franz. Stellung, welche die 1. franz. Division vor Fröschweller zu einer Frontveränderung nötigte. W. war inzwischen von den Franzosen wieder besetzt, wurde jedoch gegen Mittag durch das 5. preuß. Korps wieder genommen, ebenso alle vorgeschobenen Stützpunkte östlich der Sauer. Um 1 Uhr mittags übernahm der Kronprinz von Preußen persönlich auf dem Schlachtfelde die Leitung und beschloß die volle Durchkämpfung der Schlacht. Gegen 1½ Uhr nachmittags erstürmte das 5. preuß. Korps den westl. Thalrand des Sauerbachs zwischen W. und Fröschweiler, während gleichzeitig die württemb. Kavallerie auf dem linken Flügel erschien und das 11. preuß. Armeekorps sich zum Angriff gegen den Niederwald entwickelte. Vergebens warf sich von Eberbach her die franz. Kürassierbrigade Michel, unterstützt von einem Lanciersregiment, auf die vorrückende Infanterie; sie wurde bei Morsbronn durch deren Feuer vernichtet und nur wenige Reiter gelangten unverletzt in die franz. Stellung zurück. Gegen 2½ Uhr war der Niederwald im Besitze des 11. preuß. Korps, welches bald darauf auch das hartnäckig verteidigte Elsaßhausen stürmte. Von Süden und Osten dranen gegen 3½ Uhr die preuß. Divisionen gegen Fröschweiler vor und stürmten diesen letzten Stützpunkt des franz. Heeres. Es kam hierbei zu einem längern Häuserkampfe. Marschall Mac-Mahon hatte die Schlacht bis auf das Außerste fortgesetzt, und seine Truppen hatten mit hingebender Tapferkeit, in den letzten Stunden gegen einen an Zahl sehr überlegenen Gegner, gekämpft; von einem geordneten Rückzuge konnte nunmehr keine Rede mehr sein; denn das geschlagene Heer war gänzlich erschöpft und befand sich bereits in völliger Auflösung; auch wurde von beiden Flügeln des deutschen Heeres unverzüglich die Verfogung eingeleitet. Erst von Niederbronn aus deckte die vom franz. 5. Korps von Bitsch herangerückte Division Lespart den weitern Rückzug. Die Deutschen verloren in der Schlacht bei W. 10612 Mann; der Verlust der Franzosen betrug an Toten und Verwundeten gegen 8000 Mann, außerdem 200 Offiziere und 9000 Mann an Gefangenen und 1 Adler, 4 Fahnen, 28 Geschütze und Mitrailleusen. Groß war der moralische Eindruck dieses Siegs in Deutschland und Frankreich, welcher auch in polit. Hinsicht bezuglich neutraler Staaten seinen Einfluß geltend machte. Die Vogesenpässe lagen frei und Nancy konnte in wenigen Tagen besetzt werden; die Festungen Lichtenberg und Lützelstein fielen ohne Kampf in deutsche Hand. Vgl.“ „Der Deutsch-Französische Krieg von 1870 und 1871⁵ (redigiert von der kriegsgeschichtlichen Abteilung des Großen Generalstabes, Heft 3, Berl. 1873); Hassel, „Von der Dritten Armeer (Opz. 1872); Helvig, Das 1. bayr. Armeekorps von der Tann im Kriege 1870und 18710(Münch. 1872); Klein, «Fröschweiler Chronike (Nördl. 1877).