FeedWunde
HeilkundeBrockhaus 1882

Wunde (vulnus) heißt jede durch mechan. Gewalt plötzlich hervorgebrachte Trennung organischer Gewebe. Man teilt die W. nach der Verschiedenheit der einwirkenden Instrumente und der Art ihrer Einwirkung ein in Schnitt⸗, Stich-und Hiebwunden, gequetschte und gerissene W., zu welchen letztern auch die Biß⸗ und Schußwunden gehören. (S. Quetschung.) Unter penetrierenden W. versteht man solche, durch welche eine der drei großen Körperhöhlen oder ein Gelenk eröffnet ist. Außer der charakterisierenden Eigenschaft der Gewebstrennung bietet fast jede W. Blutung, Schmerzen und Entzündung in sehr verschiedenem Grade dar, Merkmale, welche zur Gefährlichkeit derselben durchaus nicht immer in geradem Verhältnis stehen. Der Wundschmerz entsteht teils durch die Verletzung der Nervenäste, teils durch deren Kompression bei der nachfolgenden Schwellung der Wundränder und ist je nach dem Nervenreichtum des verletzten Teils und der Empfindlichkeit des Verwundeten verschieden; gequetschte und gerissene W. pflegen am schmerzhaftesten zu sein. Die Größe der Blutungen richtet sich nach der Menge, Art und Größe der verletzten Blutgefäße. Von dem Grade der Entzündung, welche häufig auf größere Verwundungen folgt, hängt der Eintritt des Wundfiebers (lebris traumatica) ab, welches meist am ersten, zweiten oder dritten Tage nach der Verletzung als Ausdruck der Mitleidenschaft des ganzen Organismus eintritt und eine verschieden lange Dauer besitzt. Bisweilen treten auch gleichzeitig mehr oder minder heftige Nervenzufälle auf, wie Schlaflosigkeit, Aufregung Ohnmachten, Zuckungen, selten Wundstarrkrampf (. Starrkrampf), welcher das Leben des Verwundeten gefährdet. Die Heilungeiner W. kann auf zwei verschiedene Weisen erfolgen: entweder in kürzester Zeit durch unmittelbare Verklebung und Verwachsung der Wundränder infolge Ausschwitzung einer geringen Menge klarer, eiweißhaltiger, lymphatischer Flüssigkeit (unmittelbare Wundheilung, prima intentio) oder in langsamerer Weise durch Eiterung und Narbenbildung, indem sich auf der Wundfläche unter beständiger Eiterabsonderung eine Menge kleiner rundlicher warzenähnlicher Hervorragungen bilden, sog. Fleischwärzchen oder Granulationen (s. d.), die nach und nach die ganze Wunde ausfüllen, sich mit einer zarten Oberhaut bedecken und dann in ein fahles Narbengewebe verwandeln (mittelbare Wundheilung, secunda intentio). Die erste Form der Wundheilung erfolgt vorzugsweise bei glatten, nicht komplizierten Schnmnwunden, wogegen gequetschte W. und namentlich ausgedehntere Substanzverluste oft unter Eiter⸗ und Narbenbildung heilen. Die meisten Störungen und Unregelmäßigkeiten während der Heilung einer W. finden ihren Grund in einer durch Eindringen von Fäulniskeimen (s. Mikroben) veranlaßten Zersetzung der Wundsekrete. Dieselben werden von den Lymph- und Blutgefäßen aufgesaugt und in die allgemeine Säftemasse übergeführt und können hier hohes Fieber, Schüttelfröste, Erysipel, selbst Blutvergiftung erzeugen. (S. Pyämie.) Aus diesem Grunde gehört es zu den wichtigsten Aufgaben der Wundbehandlung, einen möglichst schnellen organischen Verschluß der W. herbeizuführen, neben der erforderlichen absoluten Ruhe des verwundeten Teils auf einen allseitig freien Abfluß der gebildeten Wundflüssigkeiten Bedacht zu nehmen und unter allen Umständen von porhuten deren jauchige Zersetzung und Fäulnis zu verhüten. Zunächst versucht man zu diesem Zwecke in den meisten Fällen durch eine möglichst frühzeitige genaue Vereinigung der Wundränder vermittelst der Naht die Wundfläche selbst zu verkleinern und dadurch eine möglichst ausgedehnte unmittelbare Heilung zu erreichen. Hinsichtlich der weitern Behandlung stehen sich verschiedene Methoden gegenüber. Die offene Wundbehandlung sucht durch vollkommenes Freiliegen der W., welche höchstens zum Schutz gegen den Staub mit einem Ol⸗ oder Wasserläppchen bedeckt wird, und durch Einlegen von durchlöcherten Gummiröhren in die

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 767Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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