FeedWundwatte
HeilkundeBrockhaus 1882

Wundwatte vor dem Luftzutritt zu schützen und unter diesem Schutze die Vernarbung herbeizuführen streben. Beide Methoden vermögen nicht in allen Fällen die faulige Zersetzung der Wundflüssigkeiten zu verhüten und sind deshalb neuerdings durch Listers antiseptische Wundbehandlung verdrängt worden, bei welcher die W. selbst, ihre Umgebung und alle mit ihr in Berührung kommenden Instrumente sorgfältig mit Carbolsäurelösung gereinigt, die blutenden Gefäße unter einem beständigen, vermittelst eines sog. Sprayapparates erzeugten Nebel von zerstäubter Carbolsäurelösung mit carbolisierten Darmsaiten (Catgut) unterbunden, die Wundränder mit carbolisierter Seide genäht und die Wundflächen selbst mit dicken Lagen eigens präparierter, mit Carbolsäure getränkter Gaze bedeckt werden, wodurch der Zutritt der in der Luft schwebenden Fäulniskeime zum Wundsekret vollständig verhütet wird. Neuerdings hat man an Stelle der Carbolsäure auch andere antiseptische Flüssigkeiten, wie Lösungen von Salicylsäure, Thymniol, Benzoesäure, Quecksilbersublimat und andere verwendet und hat das Versprühen der betreffenden Flüssigkeit zu Nebel meist weggelassen. Nach allen Erfahrungen hat sich die antiseptische Wundbehandlung als die sicherste und zuverlässigste Methode bewährt, welche die Gefahren selbst großer und eingreifender Operationen sehr vermindert und einen wirksamen Schutz gegen die ehedem so gefürchteten Wundkrankheiten (Hospitalbrand, Erysipel, Pyämie u. a.) darbietet. Vgl. Thiersch, Klinische Ergebnisse der Listerschen Wundbehandlungo (Lpz. 1875); Bardeleben, «über die Theorie der W. und die neuern Methoden der Wundbehandlung» (Berl. 1878).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 768Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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