FeedWürde
Sitten & ModeBrockhaus 1882

Würde im ästhetischen und ethischen Sinne kann nur im Zusammenhang mit dem Begriff der Anmut(s.d.) erklärt und bestimmt werden. Schillers Abhandlung aber Anmut und Würder hat auch hier den Gegenstand ästhetisch und philosophisch erschöpft. Wie die Anmut der Ausdruck einer schönen Seele ist, so ist die W. der Ausdruck einer erhabenen Gesinnung, der bewußten freien Beherrschung der sinnlichen Triebe und Neigungen durch die Kraft des sittlichen Willens. Die Anmut zeugt von einem ruhigen harmonischen Gemüt, von einem empfindenden Herzen, die W. zeugt von selbständiger Kraft, die den Willen bändigt und zu festem Maß zwingt. Die Anmut erweckt Wohlgefallen und Liebe, die W. dagegen Achtung und Ehrfurcht. Der höchste Grad der Anmut ist das Bezaubernde, der höchste Grad der W. ist Anmut und Majestät. Aus affektierter Anmut wird Ziererei, Koketterie; aus affektierter W. wird steife Feierlichkeit und Gravität.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 770Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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