FeedZahnen der Kinder (dentitio)
HeilkundeBrockhaus 1882

Zahnen der Kinder (dentitio), die Entwickelung der Zähne (s. d.) und zwar Kinde der Milchzähne (erstes Zahnen der Kinder) als der bleibenden Zähne (zweites Zahnen der Kinder) ist ein physiol. Vorgang, der bei gesunden Kindern meist ohne irgend welche Störung verläuft; höchstens begleiten bei ihnen geringfügige örtliche Erscheinungen den Zahndurchbruch. Zu diesen gehören Röte, gesteigerte Wärme und Geschwulst des Zahnfleisches, kleine Geschwürchen an der Zungenspitze, am Zahnfleischrande und an den Lippen, hügelige Emporwölbung des Zahnfleisches über dem durchbrechenden Amdes reichlicher Speichelabfluß und Unruhe des Kindes. Diese Erscheinungen verschwinden nach wenigen Tagen mit dem Durchbruch des Zahnes und stellen sich erst wieder beim Durchbrechen eines fernern Zahnes ein. In andern Fällen kommt es dagegen während des Zahnens zu erheblichern Störungen, besonders wenn die zahnenden Kinder an allgemeinen Schwächezuständen, an rhachitischer oder skrofulöser Disposition, an schlechter Ernährung u. dgl. leiden. Namentlich stellen sich infolge von Kongestionen nach dem Gehirn häufig anhaltende Reizungen des Nervensystems, große allgemeine Unruhe, Schlaflosigkeit, Schreckhaftigkeit, selbst ausgebreitete Krämpfe (Zahnkrämpfe) ein; auch werden nicht selten Fieber (Zahnfieber) und mannigfache frieselartige Hautausschläge (Zahnfriesel), so- wie Erbrechen, Durchfall und kolikartige Schmerzen während des Zahnausbruchs beobachtet. Zahnende Kinder müssen sorgfältig vor allen schädlichen Einflüssen, namentlich vor schlechter und säuerlich gewordener Milch, sowie andern unpassenden Nahrungsmitteln bewahrt werden; auch ist das geschwollene Zahnfleisch öfters mit kaltem Wasser zu betupfen. Über die Behandlung der Zahnkrämpfe s. unter Eklampsie. Das sog. zweite Zahnen, der Zahnwechsel, geht gewöhnlich sehr allmählich und ohne jedwede Störung von statten. Nicht selten kommen dabei Abnormitäten hinsichtlich der Stellung der neu hervortretenden Zähne vor, die aber meist durch rechtzeitige Anwendung geeigneter Druckapparate beseitigt werden können; dasselbe findet mitunter auch beim Hervorbrechen der Weisheitszähne statt, das noch außerdem oft von Schmerzen und entzündlicher Kieferklemme begleitet ist.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 830Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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