Zeitschriften aufgeführt, die Provinz Rom mit 205, Turin mit 110; 10 Blätter sind italienisch und in Dialekt geschrieben, 17 italienisch und in einer fremden Sprache, 6 nur in einem Dialekt,‚, 19 nur in einer fremden Sprache (13 französisch, 2 englisch, 4 lateinisch). Von den drei Blättern für Freimaurerei ist die röm. „Rivista della massonèria italianas offiziöses Organ des ital. Großorients. 2) In Spanien beschränkten sich anfänglich die polit. Blätter ebenfalls nur auf einzelne von Zeit zu Zeit erscheinende Nachrichten (relaciones) von esonders wichtigen Ereignissen, die nicht selten die Form von Romanzen annahmen, welche von den Blinden an den Straßenecken ausgerufen (romances de ciegos) wurden. Im J. 1661 begann das regelmäßige offizielle Erscheinen einer Zeitung, der Gaceta de Madride, die sich bis auf den heutigen Tag erhalten hat. Schon zu Ende der Regierung Karls III. zählte man mehrere Zeitschriften, welche nicht bloß der Politik, sondern auch der Verbreitung nützlicher Kenntnisse, wissenschaftlicher Ansichten, moralisierender und kritischer Auffätze gewidmet waren, wie z. B. Feyjoos Teatro critico universaly, desselben Cartas eruditas y curiosaso, ferner Clavijo y Fajardos «Pensadoro, vor allem das Diario de los literatos de Espanas, das ganz im Geiste neuerer Kritik gehalten war, was ihm so viele Feinde zuzog, daß es nicht zwei Jahre lang bestehen konnte (1737 —38), das Semanario eruditos (34. Bde., Madr. 1778- 91), El Memorial de los literatoso (1780 — 93), El Mercurio generalb (von ISola, 1792—1808). Noch größere Bedeutung erhielt die Journalistik während und nach dem Unabhängigkeitskriege seit 1808, und in den folgenden polit. Revolutionen. Unter den Journalen der liberalen Partei jener Zeit zeichnen sich neben dem hochwichtigen Diario de las Corteso besonders das Semanario patrioticos (Cadiz w1808 - 11) und die Aurora mallorquinas (Palma 1812—13) aus. Unter den Oranen der ümlnnen jener Epoche ist der mit vieem volkstümlichen Witz und Energie redigierte Procurador del Reys zu nennen. Nach der Restauration von 1814 führten die zur Auswanderung Gezwungenen ihre Sache in zum Teil auch im Auslande erscheinenden span. Zeitschriften, wie dem zu London 1815 herauskommenden Espanol constitucionab, fort. Unter denen mit weiterm Programm nimmt die erste Stelle die von dem Dichter Javier de Burgos redigierte «Miscelanea de comercio, artes X literaturap ein, die sich nach 1820 in eine Miscelanea de politica, literatura Vcomerciop umwandelte. Durch die infolge dieser Revolution (1820—23) wieder zur Herrschaft gelangte liberale Partei und die von dieser proklamierte Preßfreiheit erhielt die periodische Presse einen ungemein wachsenden Einfluß. Unter den 64 Blättern polit. Tendenz, die man 1822 zählte, gehörte der Censoro, der gelegentlich als Organ des Napoleonischen Liberalismus mit Hinneigung zu den franz. Doktrinärs auftrat, zu den tüchtigsten Zeitschriften; andererseits floß in dem kecken Vurriagoo (Geißelo) und den Cartas del pobrecito holgazan von Mifano eine außerordentlich reiche Quelle volkstümlichen Humors. Von neuem mußte der Liberalismus und mit ihm der Journalismus vor der Kontrerevolution von 1823 ins Ausland flüchten, wo die periodische Presse der Spanier, namentlich zu Paris und London, ihre Stätte hatte. Seit Anderung des Regierungssystems 1833 und „nach dem Tode Ferdinands VII. trat wenigstens zeitweise eine Begünstigung der periodischen Presse, besonders der schönwissenschaftlichen, ein. Die «Revista espanolas, die 1831 als ein mehr polit. Blatt „begann, verschmolz dann mit dem Meusajeros, dem Organ der Cortes, zur «Revista mensajeros, nahm 1837 den Titel 0 Revista europea »an und beschäftigte sich nun fast ausschließlich mit Litteratur, um 1838 abermals mehr polit. Charakter anzunehmen und als «Revista de Madride Organ der Moderados zu sein. Einer Nuance dieser Partei gehörte auch der polit.⸗litterarische Correo nacionalo unter der Redaction Borregos an, der zugleich einem andern Journal ähnlicher Tendenz, dem Espanolv, vorstand. Des Dichters Salas y Quiroga No me olyideso war zunächst zwar nur der Unterhaltung gewidmet, erörterte jedoch auch polit. Fragen im Sinne des Juste-Milieu. Neben diesen sind noch der «Pilotov, an dessen Spitze Alcalä-Galiano und Donoso Cortes als Führer der Afrancesados standen, und der an statist. Daten reiche «Corresponsalo, sowie das offizielle Organ der jeweiligen Regierung, die auch viele litterarische Artikel enthaltende „Gaceta de Madrido und das erst „Boletino, später Eco del comercios genannte langlebige Journal, als dessen Chef Gil y Zarate thätig war, zu nennen. uch der Espanoly und der &0Observadors erlangten Berühmtheit. Unter den illustrierten Wochenschriften zeichnete sich vor allen der „Artistas (1835 —36) aus, durch treffliche Aufsätze der Brüder Madrazo, an dessen Stelle 1836 das von Mesonero und Tapia gegründete und für die Litteraturgeschichte wichtige Semanario pintorescos trat. Nach manchen Wandlungen, die die span. Presse gleich den polit. Verhältnissen des Landes erfuhr, machte dieselbe seit der Revolution vom Juli 1854 aufs neue ihren Einfluß geltend. Die sast unumschränkte Preßfreiheit, welche fortan in Spanien herrschte, rief eine Menge von Zeitungen ins Dasein. Infolge der Reaktion vom Juni 1866 schmolz jedoch die Zahl der polit. Blätter wiederum sehr zusammen, um nach der Septemberrevolution von 1868 abermals einen neuen Aufschwung zu nehmen. Seit 1875 (Don Alfonso XII.) war allen nicht ganz regierungsfreundlichen Blättern eine nur sehr beschränkte Freiheit vergönnt, die ihnen von der Censur (tribunal de imprensa) durch häufiges Interdikt verkürzt wird, von dem allein die Gacetaganz ausgeschlossen blieb. Großer Beliebtheit erfreuten sich KEI Pabellon nacionalo und «El Mundo politicoo (moderadistisch), EI Siglos und Clamor de la patria, „La Uniono, &La Gaceta universab' (demokratisch), EI Diario espanolo; Aberia, La Opinion publicas. Die beliebtesten Witzblätter sind Campana de gracian, Cascabelo und Huracanv. Auch nach dem Tode Alfons'(1885) haben sich die Verhältnisse wenig geändert. Preßprozesse und Interdikte besonders gegen die republikanischen Blätter Rexvoluciono, Escändalov, „Unione, wie auch gegen die Federacion ibericas sind nichts Seltenes. Im Auslande ist der Imparcialo gern gesehen, wie auch die «Correspondencia de Espana v5. Der 4Globo als Organ Castelars und seiner Possibilisten, die konservative Epocav, der Progresos der Zorrillistas genießen Ansehen. Die Zeitschriftenlitteratur hat gegenüber den Wechselfällen der polit. Blätter eine Existenz von großer Ruhe und Beständigkeit geführt. Es erscheinen ausgezeichnete Fachzeitschriften, z. B. 28 medizinische und pharmaceutische, mehrere für Agrikultur, mehrere geographische, eine naturwissenschaftliche (Anales de la Sociedad espanola de historia natural, seit 1872, 15 Bde.), eine für Industrie (Cronica de la Industrias, seit 1875), mehrere für Bergwesen und Ingenieure, eine für Popularwissenschaftlich ist das Cronicon cientifico-popularo von Huelin, halb belletristisch, halb wissenschaftlich die Revista de Espana, Revista contemporäneas (seit 1875) und «„Revista europea (seit 1874), rein belletristisch und illustriert die wichtig für Bibliographisches u. s. w. das Boletin de la Libreria (seit 1873), welches das ältere „Boletin bibliografico espanols (von Hidalgo, 10 Bde., bis 1868) ersetzt hat; ferner die Rerista de archivos, bibliotecas y museoso (seit 1871; 2. Serie seit 1883), EIl Averiguadoro (seit 1870) u. a. Den merkantilen Interessen dienen La Gaceta de los camiũos de hierron, La Gaceta economistas, den künstlerischen dagegen El arte en Espana (seit 1862) u. a. m. Eine baskische Zeitschrift erscheint seit 1878 in Pamplona (Revista Euskaras), eine zweite, Euskal-Errias (seit 1880) in San-Sebastian, eine catalonische in Barcelona (Renaixençga). Auch sind bemerkenswert die Revista de Aragono (seit 1879), Revista de Valencias (seit 1880), Rerista de Canariaso (seit 1880) und «„Revista de Asturias (seit 1882). Der Erforschung der reichen Volkslitteratur sind gewidmet: EI Folk-Lore Espanols (9 Bde.), EI Folk-Lore Andaluzo (seit 1882), EI Folk-Lore Cataläso (seit 1882); dem Unterrichtswesen: La Instruccion püblicas (jseit 1875); religiöser Erbauung und Belehrung: La Ciencia cristianav (seit c1877). Eine Geschichte des span. Zeitungswesens bis 1870 schrieb Hartzenbusch: Periodicos de Madrido (Madr. 1876). 3) In Portugal gleichen die Geschicke des Zeitungswesens denen der span. Journalistik. Sogenannte Relaçses de novas geraess erschienen bereits vor 1627; die erste eigentliche KGazetas jedoch, von der sich Exemplare erhalten, geht vom Nov. 1641 bis 1643 und verdankt der Restauration und den sich daran knüpfenden Kriegen ihr Leben. Die zweite, «Mercurios genannt, begann Jan. 1663 unter der Leitung von Antonio de Sousa de Macedo und erschien, wie die ältere „Gazetas, monatlich bis 1667. Die Ereignisse des span.⸗portug. Kriegs bilden ihren Hauptinhalt. Die Belagerung Wiens durch die Türken wurde wiederum in Relacdeso besprochen (1684—97). Die zweite Periode des portug. Zeitungswesens beginnt 1715 mit der wöchentlichen Publikation eines Journals, das, nach seinem Herausgeber «Gazeta de Monterroios genannt, bis 1760 bestand. Es brachte nur dürftige Berichte. Lebendig und volkstümlich geschrieben waren die in fliegenden Blättern, «Papeis noticiososo und Folhas volautesv, verbreiteten Nachrichten. Diese Blätter wurden von blinden Verkäufern, die eine privilegierte Korporation bildeten, auf den Straßen feilgehalten. Ein offizielles Blatt begann seine Laufbahn 1760 und besteht noch jetzt. Sein ursprünglicher Name ist (Gazeta dos Officiaes das Secretarias o, welcher später mehrfach verändert wurde. Seit 1833 führt es den Titel Diario do Governon. Reformiert wurde es im Dez. 1886. Die 1820 proklamierte kurzlebige Preßfreiheit gab einigen polit. Zeitungen das Dasein, unter welchen nur der Portuguezy, durch Almeida-Garretts Mitwirkung, eine gewisse Bedeutung erlangte. Erst nach der Thronbesteigung der Dona Maria da Gloria 1834 begann das Zeitungswesen sich reicher zu entfalten. Zwischen 1836 und 1840 stieg die Zahl der regelmäßig erscheinenden Blätter auf 142, doch blieben sie ohne rechten Gehalt und dienten vorzugsweise den Parteileidenschaften. Nur allmählich wuchs Wert und Einfluß der polit. Presse, sodaß gegenwärtig Portugal hinter seinem Nachbarstaate keineswegs zurücksteht; zu einer moralischen Macht hat sie sich freilich, trotz der Preßfreiheit, nicht emporgeschwungen. Die Zahl der Tagesblätter ist sehr bedeutend, besonders ist die Zahl der Provinzial⸗ und Lokalblätter in stetem Steigen. Die wichtigsten Organe der Partei der Regeneradores oder Fontistas sind die Revoluçao de Septembror, die älteste unter allen bestehenden Zeitungen, 1837 gegründet; Jornal do Commercio (seit 1852), Diario IIlustrados, „Diario da Manhãäs, Diario de Portugalo, Jornal da Noiten in der Hauptstadt und in Porto die KActualidade (seit 1873), welche jedoch neuerdings die Farbe wechselte und zu den Progressisten überging. Diese gegenwärtig das Ruder führende Partei wird vertreten durch den „Progresso Diario popularo, Novidadeso in Lissabon, und in Porto durch die Provinciad und Primeiro de Janeiros. Miguelistisch ist die Nacdos, welche seit 39 Jahren besteht; konstitutionell ist der Constituinten; andere sind demokratisch, republikanisch, ultramontan. Vollkommen unabhängig und sehr beliebt sind Commercio do Portos (seit 1853), galdo und «Imparcialb. Unter den Provinzialblättern sind die angesehensten der liberale «Conimbricenses, der sich in 40jähriger Arbeit unter der Leitung von Martins de Carvalho einen wohlverdienten Namen erworben; der Campedo das Provinciasd (seit 1851) und der reaktionäre „Viriatop (seit 1854). Die verbreitetste aller Zeitungen ist jedoch seit 1864 das Diario de noticiaso, das in 26000 Exemplaren gedruckt wird. Es bietet nur kurze Artikel und Anzeigen und kostet, wie die meisten kleinen Blätter, 10 Reis, die größern kosten deren 40. n Die litterarisch-wissenschaftliche Journalistik ist ebenfalls erst in neuerer Zeit zu einiger Bedeutung gelangt. In den dreißiger Jahren war das Jornal de Coimbra die einzige allgemeine wissenschaftliche Zeitschrift. Größere Bedeutung erlangte 0 Panoramas, von Herculano herausgegeben (1837 —58 und 1867—68; 16 Bde.). Später folgten die von A. F. de Castilho geleitete Rerista universal u. s. w.; das «Archivo pittorescos (1858 — 68), die Revista contemporanea de Portugal e Brazilo (1859—65) und „A Folhas (Coimbra 1868—72), „Rerista de Portugal e Brazib (1873—74), Republica das lettraso (1875), Rexista Occiden-⸗ tab (1875), 4Renascença, (Porto 1878). Sehr beachtenswert ist das seit 1853 zu Coimbra erscheinende eInstitutos (jährlich ein Band). Unter den illustrierten Zeitschriften waren die angesehensten „Universo pittorescop (1834 44) und Portugal illustrado; später Panorama photographico Dois mundoso (1878—80); jetzt sind die beliebtesten Oceidenter (seit 1878), Illustraco portuguezas (seit 1884) und Panorama contemporaneoo (seit 1883). Dem Unterrichtswesen gewidmet war «Revista da Sociedade de Instrucgaos (1878 —83), 40 Ensinos (Porto 1877) und Revista Academica (Porto 1879); wissenschaftlicher Kritik „Bibliographia criticad (1873—75); philos. Stu⸗ (1881 -84), «Revista dos estudos livreso (seit 1884); bibliographischen das Boletim de bibliographia portugueza (Coimbra 1879) und Revista bibliographicas (Porto, seit 1879); der Kunst „Artes e lettraso und A arte portuguezav. Das gelesenste Witzblatt, welches der geniale Zeichner Bordallo Pinheiro illustrierte, war «Antonio Marias und ist jetzt Pontos nos Iiv (seit 1885). 4) Obwohl die Zeitungspresse in keinem andern Staate Curopas eine so große Bedeutung erlangt hat wie in England, ist sie hier doch später entstanden als in Italien und Deutschland. Es ist möglich, daß gegen Ende des 16. Jahrh. einzelne Flugschriften in Jeitungsform entweder auf Veranstaltung der Regierung oder auch von Privatpersonen veröffentlicht wurden; indessen hat sich der im Britischen Museum befindliche, angeblich aus dem J. 1588 herrührende English Mercuries als untergeschoben erwiesen. Zu Anfang der Regierung Jakobs J. kamen die sog. News-letters auf, d. i. handschriftliche übersichten der neuesten Erscheinungen auf dem Gebiete der Politik, des Handels und auch wohl der Litteratur, durch welche sich namentlich ein gewisser Nathaniel Butter auszeichnete, dessen Originalmanuskripte von seinen Schreibern kopiert und wöchentlich mit der Post an die Abonnenten auf dem Lande versendet wurden. Dieser war es auch, unter dessen Redaction seit dem 23. Mai 1622 die erste regelmäßige gedruckte Wochenzeitung unter dem Titel The certain newes of this present weekv erschien, der bald Ihe weekly courante und mehrere andere folgten. Die Bürgerkriege förderten das Zeitungswesen, indem die verschiedenen Parteien die Presse benutzten, um ihre Meinungen zu verbreiten. So entstand eine zahllose Menge Blätter, zum Teil unter seltsamen Titeln, wie KThe Scots doven, Tle parliament kitev, The secret owlo, Mercurius acheronticus, or news from hello, Mercurius Democritusv, Mercurius mastixo u. s. w. Sie hatten meistens nur ein ephemeres Dasein, zumal da das Lange Parlament es bald für nötig fand, sie einer Censur zu unterwerfen, die später unter Karl II. eine drakonische Strenge entwickelte. Trotzdem gewann die periodische Presse zusehends an Einfluß und Ausdehnung. Im J. 1662 wurde der Kingdom's Intelligencers gegründet, der den mitgeteilten Nachrichten größere Mannigfaltigkeit und Selbständigkeit zu geben suchte, und dessen Erfolg den Censor LEstrange 1663zur Herausgabe des Intelligencero veranlaßte, welcher sich 1665 in eine zu Oxford erscheinende offizielle Zeitung verwandelte, die noch jetzt unter dem Titel London Gazetten fortdauert. Auch an Oppositionszeitungen gegen den Hof fehlte es nicht, unter welchen The weekly packet of advice from Romev (1678-83) hervorragte; für die Regierung nahmen unter andern der 40bservatoro (1680) und «Heraclitus ridens (1681— 82) Partei. Die meisten Zeitungen erschienen und erscheinen noch in London; die erste Provinzialzeitung kam 1639 zu Neweastle heraus. In Schottland ward die erste Zeitung Mercurius politicuso, eine Reproduktion des gleichnamigen von Marchmont Needham, einem Freunde Miltons, redigierten londoner Blattes, 1653 im Hauptquartier Cromwells zu Leith gedruckt. Bis zur Regierung der Königin Anna waren die