Zeugma (grch.), eigentlich Verbindung, heißt eine grammatische Figur, welche darin besteht, daß ein einziges Prädikat, besonders ein Verbum, auf welhes Subjekte in der Konstruktion bezogen wird, welches streng genommen nur zu einem derselben eicht ergänzt, wie z. B. in dem Satze: „Einige behaupten, er sei durch Schiffbruch, andere, er sei durch seine eigenen Sllaven getötet worden», wo im ersten Gliede ein entsprechendes Verbum, wie umkommeno, hin wird. In dem Satze aus der Bibelübersetzung Luthers: Die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreieno, fehlt im zweiten Gliede das Verbum chörene, als ginge ein Verbum voraus, das die sinnliche Wahrnehmung überhaupt bezeichnet, etwa gachten aufo. eugmeister, s. unter Zeug. eugung. Allen organischen Körpern (Pflansen und Tieren) ist eine gewisse Dauer ihres Daeins gegeben; bald drängt sich das Leben derselben in den Zeitraum weniger Stunden und Tage zusammen, bald dehnt es sich über eine Reihe von aei selbst über Jahrhunderte aus. Aber tets erfüllt sich das endliche Schicksal (das Sterben, der Tod) mit gleicher Gewißheit. Zur Deckung des durch dieses Sterben bedingten Ausfalls besitzen Pflanzen und Tiere die Fähigkeit, ihrem eigenen Organismus ähnliche Organismen zu erzeugen (sich fortzupflanzen). Wir sehen nämlich, daß in den einzelnen Geschöpfen gewisse körperliche Bestandteile sich absondern und unter günstigen äußern Umständen allmählich zu Geschöpfen derselben Art sich entwickeln. Die Fortpflanzungsfähigkeit der Organismen ist aber an eine bestimmte Zeit ihres Daseins geknüpft (d. i. die Zeit der Reife) und sehr ungleich über die einzelnen Arten verteilt. Es gibt Geschöpfe, die in wenigen Stunden eine sehr zahlreiche Nachkommenschaft hervorbringen, und andere, die zur Erzeugung eines einzigen Sprößlings eines Zeitraums von mehrern Monaten und Jahren bedürfen. Während der Elefant in drei bis vier Jahren nur ein einziges Junges gebiert, hat man die Nachkommenschaft eines trächtigen Kaninchens in derselben Zeit auf mehr als eine Million berechnet. Die Nachkommen einer Blattlaus Imnd MI nach einigen Wochen schon mehrere tausend Millionen, und die einer Vorticelle sogar nach vier Tagen 140 Billionen. Soweit unsere Beobachtung reicht, ist die Neubildung der einzelnen Geschöpfe stets an die Existenz schon bestehender Lebensformen geknüpft. Ob eine Urzeugung (generatio aequivöca), d. i. Entstehung von Organismen aus formlosem, organischem Stoffe stattfinden könne, ist eine auch heute noch ungelöste Frage, die in neuerer Zeit besonders in Frankreich lebhaft verhandelt wurde, indem Joly und Pouchet dieselbe bejahten, Pasteur dagegen verneinte. Beide Parteien 4½5 ihre Behauptungen durch Experimente und Beobachtungen mit dem Mikroskop zu belegen. Es om diese Frage innig mit der über den ersten Ursprung der organ. Wesen auf unserer Erde zusammen, der jetzt von manchen in den Körpern gesucht wird, welche den Weltenraum erfüllen, und unter welchen, nach dieser Meinung, sich auch organ. Keime befinden müssen. Mag man auch zugeben, daß die Luft mit organischen Keimen erfüllt ist Keimkörnern von Pilzen, Infusorien u. s. w.), die auf günstigem Boden und unter günstigen Umständen sich weiter entwickeln, so muß doch die Lösung der Frage, ob auch solche Organismen ohne vorgängige Einsaat aus organischem, formlosem Stoffe sich entwickeln können, der Zukunft überlassen bleiben. Die Elternzeugung (Seneratio homogeaca), d. h. die Fortpflanzung organischer Wesen, die hier allein in Betracht kommt, geschieht stets durch Teile des ursprünglichen Organismus, die sich in besonderer Weise ausbilden, und beruht zuletzt auf der Vermehrung der letzten EClemente, welche den Organismus zusammensetzen, nämlich der Zellen (s. d.). Die Elternzeugung aber ist entweder eine ungeschlechtliche (generatio monogenea) oder geschlechtliche (generatio digenea). Die ungeschlechtliche Z. wiederum ist verschieden, je nachdem die zur Bildung neuer Individuen bestimmten Zellen oder Zellengruppen sich vom elterlichen Organismus sofort ablösen (Teilunge, bei Infusorien; Ablösung der kleinen blattachselständigen Knöllchen beim Türkenbunde u. a.), oder ob dieselben mit dem zeugenden Organismus in Zusammenhang bleiben (Bildung von Tier⸗ und Pflanzenstöcken). Die Fähigkeit, sich zu neuen Individuen umzubilden, wohnt bald allen Zellen und Zellengruppen des Organismus bei, bald ist sie nur auf bestimmte Regionen oder Organe beschränkt. Bei einzelligen Pflanzen und Tieren geschieht die Vermehrung in derselben Weise wie bei den organischen Zellen überhaupt. Bei mehrzelligen Organismen vermehren sch gewisse Zellen in bestimmter Richtung, dehnen sich aus, wachsen, bilden eine Hervorragung bald nach innen, bald nach außen, die nach und nach die Gestalt des elterlichen Organismus annimmt. Bei den meisten Pflanzen bleibt die so gebildete Knospe mit dem Organismus vereinigt oder trennt sich nur durch zufällige Umstände. Da aber die Knospe schon ein Irkwerden, ist, so kann die Pflanze dadurch vermehrt werden, daß die Knospe in günstige Verhältnisse gebracht wird, unter welchen sie sich selbständig weiter zu entwickeln vermag. Das Pfropfen und Okulieren, sowie das Bilden von Ablegern ist nichts anderes als die Übertragung losgelöster Knospen auf einen Boden, der die Weiterentwickelung der transplantierten Knospe gestattet. Bei den Tieren können die Knospen bald innerlich, bald äußerlich sein, innerlich z. B. bei den sog. Ammen der Eingeweidewürmer, äußerlich bei Polypen, Moostieren u. s. w. Gewöhnlich lösen sich die tierischen Knospen zu einer bestimmten Zeit der Entwickelung los und werden dann freie, selbständige Tiere (Medusen, Hydra). Sobald sie aber mit dem erzeugenden Organismus in Verband bleiben, so bilden die Vereinigungen solcher, 910 verschiedenartig, oft gleichartig gebildeter Knospen einen zusammengesetzten Tierstock. So sind bei den Korallenstöcken die Knospen meistgleichartig, bei den Schwimmpolypen dauungs⸗ und Geschlechtsknospen sich in verschiedener Weise ausbilden. Die als Zellen losgelösten ortpflanzungsteile nennt man bei den Pflanzen Keimkörner, dendieserde Sporen, bei den Tieren Cier. Es werden dieselben stets in eigenen Organen (Sporangien, Ovarien, Cierstöcken) gebildet. Hinsichtlich ihrer Entwickelung aber können wieder zwei verschiedene Verhältnisse platzgreifen, indem sie entweder selbständig sich zu Organismen weiter entwickeln, z. B. bei den Blattläusen, verschiedenen Pilzen (s. Parthenogenesis), oder indem es zu ihrer Fortentwickelung der Befruchtung bedarf, welche durch einen besondern eugungsstoff(Samen, Blütenstaub, Pollen) geschieht. Die geschlechtliche Fortpflanzung, Z. durch Befruchtung, diese mehr komplizierte Entstehungsweise von Organismen, ist die verbreitetste, kommt beim Menschen und allen höhern Tieren vor, tritt aber auch bei vielen solchen tierischen und pflanzlichen Organismen auf, die sich durch Teilung und Sprossenbildung vermehren. (S. Ammenzeugung und Stande, baß burdn 5r⸗ Sie kommt dadurch zu Stande, daß durch die wechselseitige Einwirkung (Befruchtung) zweier Zeugungsmittel (Geschlechtsprodukte), eines männlichen (Samen) und eines weiblichen (Ei), der Keim (befruchtetes Ei) die Fähigkeit erhält, sichzum neuen Individuum zu entwickeln. Samen und Ci werden immer in besondern Organen (Geschlechtsorganen) gebildet, doch können beide Organe zugleich in einem Individuum (Hermaphroditen, Zwitter, Monöcisten) sich vorfinden (vorzugsweise bei den Pflanzen) oder auf zwei Individuen (Mann und Weib, Diöcisten) verteilt sein (besonders bei den Tieren). Im erstern Falle kann sonach die geschlechtliche Z. so gut wie die Knospenbildung und Teilung von einem einzigen Individuum geleistet werden. Die hermaphroditischen Tiere befruchten sich entweder gegenseitig oder sie befruchten sich selbst. Das erstere kann 10 gleicher Zeit oder nacheinander geschehen, beim letztern findet entweder nur Zutritt des Samens zu den Ciern im Innern des Tiers statt, oder es kommt eine sichtbare Selbstbegattung zu Stande (bei Bandwürmern). Dagegen kann die Befruchtung des Eies durch den Samen bei getrennten Geschlechtern entweder innerhalb des weiblichen Organismus durch Vermischung der Geschlechter (Begattung) zu Stande kommen, oder auch, indem außerhalb des Organismus der Samen mit den isolierten Ciern in Verbindung gebracht wird (wie bei der künstlichen Befruchtung der Fischeier). Es müssen, mit Ausnahme einzelner Fälle (Parthenogenesis bei Bienen, Blattläusen u. a.), stets Samen und Cier in materielle Verbindung treten, wenn ersterer die letztern entwickelungssähig machen soll. Die geschlechtliche Z. pflanzt weit weniger sicher als die Z. durch Teilung und Knospen die Eigenschaften des Individuums fort; nur die Gattung und Spezies wird durch die geschlechtliche Z. sicher fortgepflanzt. Daher auch die Fortpflanzung durch Setzlinge und Pfropfreiser stets vorzuziehen ist, wo man alle Eigenschaften des Mutterstammes in dem neuen Individuum wieder erhalten will. Bei den Pflanzen sind die männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane bald in denselben Blüten vereinigt (Zwitterblüten), bald in verschiedenen Blüten auf demselben Stamme (Monöcisten); bald finden sich die verschiedenen Geschlechter auf verschiedenen Stämmen (Diöcisten); das erstere ist der häufigere, das letztere der seltenere Fall. Bei den Tieren zeigen Insekten, Spinnen, Krustentiere und alle Wirbeltiere nur selten Spuren von natürlicher Zwitterbildung (Hermaphroditismus), während bei den übrigen Tieren nicht selten bald hermaphrodi-Gesc Ordnungen, bald Ordnungen mit getrennten Geschlechtern, ja in einer und derselben Ordnung Familien der einen und andern Art nebeneinander vorkommen. Die Individuen bei getrennten Geschlechtern sind entweder Männchen oder Weibchen oder Geschlechtslose durch Verkümmerung der weibuche Organe (wie die Arbeitsbienen). Das männliche Zeugungsmittel ist der Samen, welcher erst zur Zeit der Geschlechtsreife (bei einigen Tieren nur in der Brunftzeit) und dann befruchtend wirkt, wenn Dan ihm die sog. Samentierchen mit ihrer großen Beweglichkeit entwickeln. Diese mikroskowerden Spermatozoen sind Zellen mit Fäden und werden deshalb richtiger Samenzellen oder Samen⸗ „körperchen (bei den Pflanzen Pollenfäden) genannt. „Sie sind bei verschiedenen mdllgemen von verschiedener Größe und Form. Im allgemeinen lassen sich folgende Hauptformen unterscheiden: Spermatozoen mit birnförmigem Körper und langem Schwanz⸗ )faden (bei dem Menschen und vielen Säugetieren): walzenförmigem Körper und Schwanzfaden (bei mehrern Vögeln, Amphibien und Fischen); mit schraubenförmig gedrehtem Körper und Schwanzfaden (bei Singvögeln und Haifischen); mit haarförmigem Körper Oei vielen Mollusken, Insekten und Würmern). Das 153801 Zeugungsmittel, vor seiner Befruchtung bei allen Tieren wesentlich denselben Bau. Es siellt nämlich ein rundliches Bläschen von sehr verschiedener Größe bei verschiedenen Tieren dar, dessen Hülle Dotterhaut genannt wird, und dessen Höhle mit einer größern oder geringern Menge einer körnerhaltigen Flüssigkeit Dotter, Dotterkugel) angefüllt ist. Die Eier der Säugetiere, wie sie vom Cierstocke abgehen, sind einfache Zellen, bestehend aus der Zellmembran (zona pellucida) nebst dem Zelleninhalt, Dotter, einer sett⸗ und eiweißhaltigen Substanz, darin der Zellenkern (Keimbläschen) mit dem Kernkörperchen (Keimfleck). Bei vielen andern Wirbeltieren sind die Cier durch die Anwesenheit eines Nahrungsdotters (Eigelb) ansehnlich vergrößert, und es lommt überdies bei den Vögeln während des Durchgangs durch die Eileiter noch das Eiweiß und die Kalkschale hinzu. Das Ablösen der reisen Eier vom Eierstock erfolgt auch ohne Befruchtung, selbst bei den Säugetieren und Menschen (zur Zeit der Brunft und Menstruation). Der an das Zusammentreffen von Samen und Ei geknüpfte Vorgang der Befruchtung hat noch bis zum heutigen Tage vieles Dunkle. Nahm man früher an, daß behufs der Befruchtung die Samenfäden das reife Ei nur zu berühren brauchten (Kontakttheorie), so ist es eine Entdeckung der neuern Zeit, daß die Spermatozoen in das Innere des Eies eindringen, dies aber bei mehrern Tierklassen (Insekten, Crustaceen, Fischen) durch besondere feine Offnungen der Eischale hindurch amenSame Ein Teil des in das Ei eingedrungenen Samenfadens (Spermakern) verbindet sich mit einem Teile des Keimbläschens (Ookern) zu einem neuen Eikern (Furchungskern), dessen Teilung dann den Furchungs⸗ oder Klüftungsprozeß, die Verwandlung des Dotters in eine Unzahl neuer Zellen (Embryonalzellen) einleitet, aus welchen der Körper des Embryo sich aufbaut. „Die Fähigkeit der geschlechtlichen Vermehrung beginnt, sobald die Geschlechtsorgane ihre formelle Ausbildung erreicht haben, d. i. die Pubertät. Beim Menschen fällt dieselbe durchschnittlich zwischen das 14. und 18. Lebensjahr; natürlich haben Klima, Lebensweise und manche andere Umstände Einfluß darauf. übrigens darf man nicht glauben, daß der Eintritt der Geschlechtsreife nun auch sogleich den Kulminationspunkt der geschlechtlichen Leistungsfähigteit bezeichne; erst nach und nach entwickelt sich diese. Das Erlöschen der Zeugungsfähigkeit findet beim menschlichen Weibe in der Regel zwischen dem 45. und 50. J., beim Manne um das 60. J. statt. Zur Zeit der Geschlechtsreife geschieht beständig und ohne weitere Einwirkung von außen die Reifung und Lösung der Zeugungsprodukte. Bei der Frau findet die Lösung der Eier zur Zeit der Menstruation, bei Tieren zur Brunftit statt. Die Entwickelung der befruchteten Eier ndet teils außerhalb des mütterlichen Organismus leierlegende Tiere), bald innerhalb desselben tt Uebendiggebärende Tiere), und zwar entwickelt das Junge entweder, indem es, wie bei den Säugetieren, in organische Verbindung mit dem mütterlichen Organismus tritt und von demselben Stoff zugeführt erhält, oder indem das Ei als solches geschlossen bleibt und das Junge sich auf Kosten des darin enthaltenen Nahrungsstoffs entwickelt (Ovoparen und Viviparen). eulenroda, zweite Stadt des Fürstentums Reuß älterer Linie (Reuß-Greiz), unweit des Weidaflusses, in einer bergigen, jedoch fruchtbaren, romantischen und hol reichen Gegend, auf einem hohen Plateau gelegen, Station der Linie Werdau-Mehltheuer der Sächsischen Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts, hat ein schönes Rathaus, Fabrikation von wollenen und baumwollenen Strumpfwaren, wollenen und baumwollenen Zeugen, Seife, Gummistrumpfwaren, Hilfsmaschinen für Schlosser und Klempner u. s. w., Metallwaren, Blitzableiter- und Telegraphenbauanstalt, Färbereien, Leinwand- und Viehhandel und zählt (1885) 7970 E. In der Nähe werden gute Baumaterialien (Pahrener Kalk und Kalksteine), sowie Mineralfarben gefunden. Das frühere Alaunwerk ist jedoch eingegangen. Z. gehörte noch 1399 als Dorf zur Pflege Reichenfels und erhielt w1438 von Heinrich dem Mittlern von Gera Stadt⸗ und Marktgerechtigkeit, sowie eine beschränkte Gerichtsbarkeit. Seit 1500 gehört der Ort der Linie Reuß-Plauen zu Greiz.