FeedTodsünden
ReligionBrockhaus 1882

Todsünden (peccata mortalia) heißen in der theol. Moral nach 1 Joh. 5, 16, 17 die Sünden, welche den geistlichen Tod, d. h. den Verlust des Gnadenstandes nach sich ziehen. Die kath. Theologie unterscheidet sie von den läßlichen Sünden (beccata venialia), die diese Folge nicht haben. Nach den noch heute geltenden Bestimmungen des Petrus Lombardus zählt man folgende sieben T. auf: Hochmut, Geiz, Wollust, Zorn, Vollerei, Neid „und Trägheit des Herzens. Einige Scholastiker erechneten auch die sog. schreienden Sünden: Tot⸗ „schlag, Sodomiterei, Unterdrückung der Unschuld )und gewaltsame Vorenthaltung des verdienten Lohns, unter die T. Die ganze Unterscheidung einer bestimmten Klasse von Sünden, welche den geistlichen Tod nach sich ziehen sollen, von andern, „die nicht diesen Erfolg haben, beruht auf einer äußerlichen Auffassung des Sittlichen, welche die persönliche Schuldbarkeit und Straffälligkeit des Subjekts nur nach der äußern That, nicht nach der innern Gesinnung beurteilt. Daher machte schon der Zeit⸗ „genosse des Lombarden, Richard von St. Victor, als Kennzeichen der T. vielmehr den Grad der innern Verdorbenheit und sittlichen Zurechnungsfähigkeit der sündigenden Person, nicht die äußere Beschaffenheit der Sünde als solcher geltend. Dieselbe Betrachtungsweise ist auch in der protestantischen Moral herrschend geworden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 732Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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