Zorn heißt der Abscheu als Affekt in seiner energischen Wirkung, welche nach außen geht und in gewaltsame Handlungen ausbricht. Im Z. wird das arterielle Gefäßsystem aufgeregt; der Puls ist im Paroxysmus des Z. groß, voll und hart, das Gesicht rot und aufgetrieben, die Stirn runzelt sich, die Augen treten hervor, der Körper gerät in Bewegung. Dabei ist die Absonderung der Galle besonders reichlich. In den höchsten Graden aber und bei nervösen Individuen springen diese Aufregungen bald in den entgegengesetzten Zustand von Unterdrückung über. In der Regel geschieht dies erst, wenn die Leidenschaft ausgetobt hat, worauf noch längere Zeit einige Abspannung zurückbleibt. Es liegt in der Natur des Z., daß derselbe der Gesundheit oft nachteilig werden muß. Die gewöhnlichsten Krankheiten, die er erregt, sind hitzige, namentlich Gallenfieber, Entzündungen der Leber, des Herzens, Gehirns u. s. w., galliges Erbrechen und Cholera, ja selbst Manien können entstehen. Solche Zufälle treten unmittelbar nach dem Z. ein; andere folgen nach längerer Dauer und öfterer Wiederkehr, z. B. Krämpfe, Lähmungen, Gelbsucht, Wassers ucht, Auszehrung und nervöse Fieber. Die Milch vom ergriffener Mütter und Ammen veranlaßt Konvulsionen des Säuglings; es ist sogar vorgekommen, daß sie gleich starkem Gift augenblicklich den Tod des Säuglings herbeiführte. Die Geneigtheit zum Z. ist bei den einzelnen Menschen nach ihrem verschiedenen Temperament sehr verschieden.