Tobsucht, Bezeichnung für ein gewisses äußeres Verhalten geistig Gestörter ohne strenge wissenschaftliche Bedeutung. T. kann im Verlauf der meisten Formen von Geistesstörung gelegentlich auftreten; bei einzelnen Formen bildet sie eine regelmäßige, das Gesamtbild bestimmende Erscheinung. T. ist thatsächlich nur ein Sympton, nicht eine Krankheitsform. Die Erscheinungsweise der T. wechselt vielfach je nach der Art der zu Grunde liegenden Hirnkrankheit; insbesondere kommen in Betracht die Manie, die progressive Paralyse der Irren, die Verrücktheit, die Epilepsie u. s. w. Bei der maniakalischen T. tritt oft anfangs nur eine mäßige Aufregung hervor, die sich in nutzloser Geschäftigkeit, Schwatzhaftigkeit, ruhelosem Umherirren u. dgl. kundgibt. Bei höhern Graden der Erregung kommt es zu anhaltendem Gehen und Laufen, Singen und Schreien, Lachen oder Weinen, zu gewaltthätigen Handlungen, erhöhtem Geschlechtstrieb, unsittlichen und rücksichtslosen Reden und Handlungen, zu Angriffen auf Personen, Zerstörungen, Sammeln nutzloser Dinge, Zerreißen der Kleider, groben Verstößen gegen Anstand und Sitte. Der Gedankenablauf ist beschleunigt, macht sich in stundenlangem, überstürztem, unzusammenhängendem Reden, Reimen, Singen und Lärmen Luft, während der Kranke äußern Einflüssen, Zureden, völlig unzugänglich ist. Die Stimmungen wechseln; von Lustigkeit und übermut fällt er in mutloses, verzagtes Treiben, förmlich triebartig treten Genußsucht, Begehrlichkeit und geschlechtliche „Empfindungen auf und suchen rücksichtslose Befriedigung, schließlich kann es zu sinnlosem, blindem Wüten und zur Raserei kommen. Während so die maniakalische T. im wesentlichen einem excessiv gesteigerten Triebleben entspricht, wird die T. der „Verrückten„l(s. d.) bedingt durch Wahnvorstellungen und Sinnestäuschungen aufregenden, schrecklichen Inhalts. Hier suchen die Kranken sich vermeintlicher Gefahren zu erwehren, dringen in blinder Wut auf die Umgebung ein oder äußern laut ihre Verzweiflung u. dgl. m. Ahnliche Zustände von großer unbewußter Aufregung, in denen häufig sehr gefährliche Handlungen ausgeführt werden, da der Kranke weder Ort noch Zeit berücksichtigt und die Umgebung, in der er ist, verkennt, treten in heftigen Fiebern, z. B. im Typhus, vorübergehend auf. Besonders starke Tobsuchtszustände, die ganz plötzlich und vorübergehend eintreten und in denen oft die schwersten Gewaltthätigkeiten, Mord und Selbstmord, begangen werden, die sog. transitorische Manie, welche von Stunden bis zu Tagen dauern, entstehen meist auf epileptischer Grnadlage. Diese Art der T. ist besonders in forensischer Beziehung von großer Wichtigkeit.