Zug, nächst Baselland und Appenzell-Innerrhoden der kleinste Kanton der Schweiz, wird im N. von Zürich, im O. und S. von Schwyz, im W. von Luzern und Aargau begrenzt und umfaßt ein Gebiet von 239 qkm. Der SO. des Kantons wird von den subalpinen Nagelfluhstöcken des Roßbergs und des Hohen Rhonen eingenommen; der NW. ist eine fruchtbare, von Hügelzügen durchsetzte Hochebene. Außer der Sihl, welche die nordöstliche Grenze bildet, ist die Lorze, die vom Agerisee dem Zugersee und der Reuß zufließt, der einzige Fluß des Ländchens. Der Kanton zählt (1880) 22 994 E. meist deutscher Zunge und kath. Konfession (1218 Protestanten, 27 Israeliten). Die Haupterwerbsquellen sind Landbau, Viebzucht und Industrie. Etwa 13,4 Proz. des Bodens fallen auf Waldungen, 67,8 Proz. auf Acker⸗, Garten⸗ und Rebland, Wiesen und Weiden, 18,8 Proz. sind unproduktiv. Der Landbau erzeugt nicht genug Getreide für den Bedarf, wenig Wein, aber sehr viel Obst. Die Viehzucht, in der Hochebene mit dem Ackerbau verbunden, wird im Berglande als Alpenwirtschaft betrieben. Nach der Zählung von 1886 besaß der Kanton 577 Pferde, 10432 Rinder, 2102 Schweine, 1470 Schafe und Ziegen, 2642 Bienenstöcke. Die Industrie, deren wichtigste Zweige die Fabrikation kondensierter Milch (Cham), die Baumwollspinnerei und Weberei, die Seidenweberei und die Papierfabrikation sind, ernährt 40 Proz. der Bevölkerung. Dem Handel, der außer den Erzeugnissen der Industrie namentlich Holz, Obst und Kirschwasser zur Ausfuhr bringt, dienen die Bahnlinie Zürich-Zug-Luzern, an die sich bei Rotkreuz die Gotthardbahn und die aargauische Südbahn anschließen, und die Dampferlinie des Zugersees. Die wichtigsten Ortschaften sind außer der Hauptstadt Z. die Dörfer Ober⸗ und Unter-Ageri, Baar, Cham und Menzingen (2321 E.). Die Verfassung (vom 22. Dez. 1873, 1876 und 1881 revidiert) ist repräsentativ-demokratisch mit fakultativem Referendum und Initiative. Der Kantonsrat (73 Mitglieder) ist gesetzgebende, der Regierungsrat (7 Mitglieder), dessen Präsident den Titel Landammann führt, vollziehende Behörde. Jede der 11 Gemeinden des Kantons hat einen Friedensrichter; die höhern Instanzen sind das Kantonsgericht und das Obergericht. Die Staatsrechnung von 1884 weist, bei einem reinen Staatsvermögen von 320223 Frs., 250600 Frs. Einnahmen und 262800 Frs. Ausgaben auf. In kirchlicher Hinsicht gehört der Kanton, der noch sechs Klöster zählt, zum Bistum Basel. Als höhere Unterrichtsanstalten sind zu nennen die Kantonsschule (Gymnasium und Industrieschule), das Lehrerseminar und das kommerziell-technische Privatinstitut Minerva in Zug und das Lehrschwesternseminar in Menzingen. In militärischer viton Das 25. 3. zum Stammgebiet der 4. Division. Das Wappen ist im silbernen Felde ein blauer Querbalken. Obwohl die Pfahlbauten am flachen Nordufer des Zugersees auf eine uralte Besiedelung des Ländchens hinweisen, beginnt doch seine eigentliche Geschichte erst im spätern Mittelalter, wo es 1173 von den Grafen von Lenzburg an die Kyburger überging, 1264 an Habsburg-Osterreich fiel und 1353 von den Eidgenossen besetzt und in den Bund aufgenommen wurde. Durch die helvetische Verfassung 1798 wurde Z. dem neuen Kanton Waldstätten zugewiesen, erhielt aber durch die Mediation 1803 seine Selbständigkeit wieder. Sowohl kirchlichen wie politischen Neuerungen durchaus abgeneigt, nahm Behm an der Reformation, noch an den neuern Bestrebungen zur Stärkung der Bundesgewalt Anteil, vielmehr trat es zur der Reformation 1524 mit Luzern und den Waldstätten zum Bunde der fünf Orte zusammen, focht in den Religionskriegen von 1531, 1653 und 1712 auf kath. Seite, schloß sich 1845 dem Sonderbunde an und wurde deshalb 1847 von eidgenössischen Truppen besetzt und stand bei den Volksabstimmungen über die Annahme der Bundesverfassung von 1849 und über deren Revision 1872 und 1874 in den Reihen der Verwerfenden. Trotz einer nicht unbedeutenden liberalen Partei namentlich in den industriellen Dörfern hat die konservativ-ultramontane in den Räten wie im Volke das entschiedene Übergewicht, und dieses wurde noch besestigt durch die partielle Verfassungsrevision von 1881, wonach 15 Mitglieder des Kantonsrates in einem den ganzen Kanton umfassenden Wahlkreis, die übrigen in den Gemeinden, je ein Mitglied auf 400 Einwohner, gewählt werden. Vgl. Stadlin, Geschichte und Topographie des Kantons 3.5 (3 Bde., Luz. 1819 — 24); Renand, Staats⸗ und Rechtsgeschichte des Kantons 3. (Pforzh. 1847: Staub, „Der Kanton Z.v 619 1869); Kaiser, «Illustrierter Zug, durch Z., Stadt und Kantonv (Zür.). der Schweiz, liegt 418 m über dem Meere, 20 km nordöstlich von Luzern am untern Ende des Zugersees und zählt (1880) 4924 meist kath. E., deren Haupterwerbsquellen neben Kleingewerbe und Handel die Baumwollindustrie und die Email- und Metallwarenfabrikation sind. Von den öffentlichen Gebänden der schön gelegenen Stadt, welcher ihre zwei Klöster, ihre zahlreichen Kirchen und Kapellen, ihre mächtigen Warttürme und stattlichen alten Herrenhäufer ein altertümliches Gepräge verleihen, sind zu erwähnen die Kapuziner⸗ und die St. Oswaldkirche, das Kantonsspital, das Armen- und Waisenhaus, das Lehrerseminar, das spätgot. Rathaus mit dem histor. Museum, das Zeug-Roni der Zeilturm, das neue Regierungsgebäude. Von den Wellen unterspült, versanken 1435 zwei Straßen, 1594 einige Häuser im See. Auf dem östlich über der Stadt aufsteigenden Zugerberge (Hochwacht 991 m) liegen die Kurhäuser Schönsels und Felsenegg. (Geschichte, Litteratur und Vertehrsmittel der Stadt s. unter Zug, Kanton.)