FeedZwickau
ReligionBrockhaus 1882

Zwickau, Hauptstadt der gleichnamigen Kreis- und Amtshauptmannschaft des Königreichs Sachsen, am linken Ufer der westlichen oder Zwickauer Mulde in einem anmutigen Thale, am Fuße des Sächsischen Erzgebirges 225müber dem Spiegel der Ostsee gelegen, Station der Linien uh der Sach Werdau-Schwarzenberg und Z.⸗Olsnitz der Sächsischen Staatsbahnen, ist Sitz einer Kreishauptmannschaft, einer Amtshauptmannschaft, eines Landgerichts, einer Superintendentur, eines Hauptsteueramtes und anderer Behörden. Unter den sechs Kirchen zeichnet sich die im spätern got. Stil (1453—1536) erbaute Marienkirche aus, von deren 85 mehohem Turme (mit der größten Glocke Sachsens von 115 Ctr.) man eine weite Aussicht genießt. In dem 1840 zweckmäßig restaurierten Innern sind unter mehrern Gemälden eine Segnung der Kinder vom jüngern Cranach, sowie der Altaraufsatz von Michael Wohlgemuth (1479) bemerkenswert, ebenso ein großes Dricn kunstvolles Holzschnitzwerk, eine heilige Grabkirche darstellend, das die u Pon Maht 1507 trägt und nach sicherm Vermuten von Veit Stoß herrührt. Das Äußere der Kirche wird seit 1884 renoviert. Die ebenfalls got. Katharinenkirche besitzt ein Altargemälde vom ältern Cranach. Sonst sind außer dem 1838 errichteten Regierungsgebäude das Rathaus, das aus dem J. 1522 herrührende Gewandhaus mit städtischem Theater, das Kunstvereinshaus, das neue Landgericht, das Kreiskrankenhaus, das Gebäude des Amtsgerichts, das Reichspost- und Telegraphengebäude, die neue Regimentskaserne mit anliegendem Exerzierhaus und Lazarettgebäude, sowie das Schwanenschlößchen am Schwanenteich zu nennen. Der Bahnhof ist mit seinen Dependenzen der größte in Deutschland; er bedeckt 33 ha. Das Gymnasium besitzt eine Bibliothek von 20000 Bänden und vielen wertvollen Handschriften, besonders aus der Reformationszeit. Außerdem bestehen in 3. ein Realgymnasium, eine höhere Bürgerschule, eine katholische, eine gewerbliche Fortbildungsschule, eine Handels- und eine Bergschule. Am Ge urtshause Robert Schumanns befindet sich seit 1860 ein Medaillon mit dem Bilde des Komponisten. Für Erbauung eines Schumann-Denkmals ist gegenwärtig eine Sammlung im Gange. Das Schloß Oberstein, 1587—90 neu erbaut, ist seit 1770 in eine Landesarbeitsanstalt umgewandelt worden. Vor dem Dreißigjährigen Kriege zählte 3. 10000 E., nach demselben nur noch 4000. liber letztere Zahl erhob sich die Stadt bis zu Anfang des 19. Jahrh. nicht; 1832 zählt man erst 6127. Doch infolge des Anschlusses Sachsens an den Zollverein, der Errichtung einer Kreisregierung, vor allem aber infolge des Aufblühens des Kohlenbergbaues war seitdem die Bevölkerung in raschem Zunehmen begriffen, sodaß die Stadt 1846 bereits 10859, Ende 1855 aber 16 052, Ende 1867 schon 24 509, Ende 1885 aber 39245 E. zählte. Z. ist eine 4 Masch Handels⸗ und Industriestadt; es beehen Maschinenbauanstalten, Fabriken für chem. rodukte, Porzellan, Iiecht Glas, Farbwaren, raht⸗ und Hanfseile, Blechlöffel, Kokoswaren, Gardinenw Strumpfwaren u. s. w., eine engl. ardinenweberei, sowie mehrere Dampfmühlenwerke, Dampfschneidemühlen, Ziegeleien und Brauereien. Bedeutend ist der Getreide⸗, Leinen⸗ und Steinkohlenhandel. Die Steinkohlenlager, die Quelle des Reichtums der Stadt und Umgegend, befinden sich außer im Weichbild der Stadt bei den Dörfern Planitz, Niedercainsdorf, Schedewitz und Marienthal links, Bockwa, Oberhohndorf und Reinsdorf rechts der Mulde. Ihre Benutzung wird schon 1348 erwähnt, aber erst seit 1823 wird der Abbau lebhafter betrieben. Die Produktion belief sich 1885 auf 2499 773,5 t à 1000 kg im Geldwerte von 17 098 075 Mark und beschäftigte 305 Beamte und 9688 Arbeiter. Auch die Umgebung von Z. hat großartige Fabriketablissements. In Ca insdorf (3067 E.) befindet sich die Königin-Marienhütte, das größte sächs. Eisenwerk. Bei Planitz, einem Dorse mit 12539 CE., war früher ein schon seit deden Sie; bekannter unterirdischer Kohlenbrand, dessen Hitze zur Treibgärtnerei benutzt wurde. Zu Schedewitz, mit 5728 E., besteht eine großartige Kammgarnspinnerei und eine mechan. Weberei. Z. wird zuerst 1118 erwähnt. Die Reichsunmittelbarkeit, welche die Stadt 1290 erhalten hatte, verlor sie 1348 wieder nach wiederholter Verpfändung, um in den völligen Erbsitz der meißnischen Markgrafen überzugehen. Von 1348 datiert auch das alte Stadtrecht 3.83. Die Reformation siegte i Z. schon w1521; Thomas Münzer übte als Preiger einen kurzen, aber tief eingreifenden Einfluß: Luther hat in Z. wiederholt gepredigt. Vgl. Herzog, „Chronik der Kreisstadt te (2 Bde., Zwick. 1839 —45); derselbe, «Geschichte des zwickauer Steinkohlenbaueso (Dresd. 1852); derselbe, «Geschichte des zwickauer Gymnasiums» (Zwick. 1869). Die Kreishauptmannschaft Zwickau umfaßt den ehemaligen Vogtländischen Kreis und die größere westl. Hälfte des Erzgebirgischen Kreises, mit 4619 gm und zählt (1885) 1.190849 C., also 255,64 auf den Quadratkilometer. Die Kreishauptmannschaft zerfällt in die Amtshauptmannschaften Chemnitz, Flöha, Marienberg, Annaberg, Schwardach' . Z. (599 qkm, 205 820 E.), Plauen, Auerbach, Olsnitz und Glauchau und umfaßt die industriereichsten Bezirke Sachsens. Zwieback. Wenn man von dem in einem großen Teile Deutschlands unter dem Namen Z. gebräuchlichen Feingebäck, welches aus den nochmals gerösteten Scheiben eines laibförmigen ungesäuerten und mit Zucker versetzten lockern Weizenbrotes absieht, so versteht man gegenwärtig unter Z. entweder den Schiffszwieback oder den engl. Z. (S. Biskuit.) Mischungen von Mehl und Fleischextrakt-Bestandteilen in Zwiebackform gebracht, werden als Fleischzwieback (s. d.) bezeichnet.].

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 976Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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