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GeschichteBrockhaus 1882

Greiz, Haupt⸗ und Residenzstadt des Fürstentums Reuß ä. L., liegt zu beiden Seiten der Weißen Elster, 261 müber dem Meere, ist Station der Linien G.⸗Neumark und den i. Sig derno⸗ chlitz der Sächsischen Staatsbahnen, Sitz der obersten Landesbehörden (in dem auf einem ringsum freistehenden Felskegel erbauten, inmitten der Stadt befindlichen alten obern Schlosse mit altem Wartturm), sowie eines Landgerichts, eines Amtsgerichts, eines Landratsamtes, eines Steueramtes, einer Reichsbanknebenstelle und einer Handelskammer und zählt (1880) 15 061 E. (davon 166 Katholiken und 20 Juden). Von Gebäuden verdienen Erwähnung das alte und das neue Schloß, letzteres Residenz des Fürsten, das fürstl. Sommerpalais im Park, das 1841 erbaute got. Rathaus mit Anbau von 1883 bis 1884, die Stadtkirche mit schönem Turm und herrlicher, neuer Orgel, das 1874 vollendete Große Knabenschulgebäude, das 1884 vollendete Große Mädchenschulhaus und Turnhalle, das 1884 vollendete Seminar, der fürstl. Marstall und in der Nähe der Stadt das Jagdschloß Ida-Waldhaus und das fürstl. neue Mausoleum. G. hat ein städtisches Gymnasium mit Realabteilung erster Ordnung, eine städtische höhere Töchterschule, ein fürstl. Schullehrerseminar, eine Bürgerschule, eine kaufmännische Fortbildungsschule und eine Fortbildungsschule für Handwerker, eine höhere Webschule, eine Näh⸗ und Strickschule für Mädchen, Krankenhaus, Waisenhaus, Rettungshaus und andere Wohlthätigkeitsanstalten. Der fürstl. Park mit seinem Parksee, von der Elster und von bewaldeten Bergen eingeschlossen, ist einer der schönsten von ganz Mitteldeutschland. Die Industrie G.s ist ganz bedeutend. In der Kammgarnbranche nimmt G. die erste Stelle im Deutschen Reiche ein. Es befinden sich hier 7000 mechanische und über 2000 Handstühle in Gang, welche Tibets, Kaschmire, Wollwaren aller Art, Decken, Shawls, Shlipse u. s. w. fabrizieren; ferner bedeutende Färbereien, Wollzeugdruckereien, Appreturanstalten, Streichgarnspinnerei, Wollkämmerei, Gerberei, Papier⸗ und Cigarrenfabrikation, zwei Bierbrauereien, eine Kesselschmiede und Maß chinenbauanstalt, eine Eisengießerei und drei Schneidemühlen. Urkundlich wird Schloß G. 1225, die Stadt 1359 zuerst erwähnt. Vgl. Metzner, Vogtländische Wanderungeno (2. Aufl., Plauen 1881). — Das Fürstentum Reuß-Greiz s. unter Reuß.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 337Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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