Zittau (slaw. Zitava), ehedem die dritte unter den Sechsstädten der Oberlausitz, jetzt die volkreichste Stadt der Kreishauptmannschaft Vautzen im Königreich Sachsen, liegt unweit der böhm. und der schlel Grenze, am linken Ufer der Mandau, die unweit der Stadt in die Neisse fällt, an der Sächsischen Staatsbahn (Löbau-Z., Reichenberg-Z., Bischofswerda-Z.) und der Linie Görlitz-Z. der Preußischen Staatsbahnen, ist Sitz eines Amtsgerichts, einer Handels- und Gewerbekammer, eines sächf. und eines österr. Hauptzollamts und zählt (1885) 23 215 E., die bis auf 2581 Katholiken der prot. Kirche angehören. Die Stadt, welche infolge eines Bombardements durch die Osterreicher 23. Juli 1757 fast ganz abbrannte, gewährt durch ihre Türme, Fabriken, freundlichen Gebäude und herrliche Umgebung einen angenehmen Anblick. Unter den öffentlichen Gebäuden zeichnen sich aus das 1844 aufgeführte Rathaus, die 1837 erneuerte Hauptkirche zu St. Johannes mit trefflicher Orgel und die schön renovierte, mit prächtigen Glasgemälden versehene Kirche zu St. Peter und Paul (1757—1837 Hauptkirche) mit ihrem schlanken Turme (früher zu einem Franziskanerkloster gehörig). Z. hat sieben Kirchen, ein Gymnasium (seit 1586), mit welchem ein Realgymnasium und eine Handelsschule verbunden ist, eine allgemeine Bürgerschule, eine mit der Freischule verbundene Arbeits- und Industrieschule, eine renommierte Baugewerkenschule und eine bedeutende Stadtbibliothek, mit der ein histor. Museum verbunden ist. Handel und Industrie bilden die vorzüglichsten Nahrungsquellen der Einwohner. Handelsartikel sind: leinene und baumwollene Hosenzeuge, Leinwand, Damast, Orleans, Kleiderstoffe und Posamentierwaren, welche sämtlich in den Fabriken der Stadt und von den Webern der umliegenden Dörfer gefertigt werden. Von Bedeutung ist der Transithandel mit Garnen und Kolonialwaren nach dem angrenzenden Böhmen. In den Vorstädten und den nächsten Umgebungen der Stadt bestehen Mühlen aller Art, Eisengießereien, Maschinenbauanstalten, Ziegeleien und Töpfereien. Die mächtigen Braunkohlenlager bei der Stadt beschäftigen gegen 1000 Menschen. Der Stadtgemeinde gehören, außer bedeutenden, bis an die Grenze Böhmens sich ausdehnenden Waldungen, nicht weniger als 37 Dörfer mit über 70000 E., die meist von Weberei leben, darunter Ebersbach mit 7497, Seifhennersdorf mit 6840, Großschönau mit 5931, Eibau mit 4335 E. Z. bildete während des Deutschen Kriegs von 1866 den Ausgangspunkt für die Operationen der Preußen und war während dieser Zeit der Mittelpunkt des Verkehrs mit den Armeen. Von seinen Umgebungen im Lausitzer Gebirge sind zu nennen: der durch seine Gestalt und Ruinen merkwürdige Oybin, die halb zu Sachsen und halb zu Böhmen gehörende, 796 m hohe Lausche, welche eine weite Aussicht nach Sachsen, Böhmen und Schlesien bis zu den höchsten Gipfeln des Riesen- und Erzgebirges gewährt; der 725 mhohe Hochwald, Jonsdorf mit seinen Mühlsteinbrüchen und den Nonnenfelsen, Hirschfelde mit der großen Müllerschen Flachsspinnerei, das Cistercienserkloster Marienthal am Ende des romantischen Neissethals. Vgl. Pescheck, «Handbuch der Geschichte von Z.5 (2 Bde., Zittau 1834 —- 37); 43. und seine Umgebungeno (Zittau 1878).