Feedindien angebaut wird
NaturlehreBau-Lexikon 1881

indien angebaut wird, liefert den feinsten J. Alle zur Indiggewinnung verwendeten Pflanzen enthalten in ihrem Zellsaft ein farbloses Chromogen gelöst, welches die Eigenschaft besitzt, in Berührung mit dem Sauerstoff der Luft in ein dunkelblaues Pigment, das Indigblau, frz. indigo bleu pur, engl. indigo-blue, pure indigo, verwandelt zu werden. II. Gewinnung. Es kommt nun hauptsächlich darauf an, den Saft der Indigpflanzen, noch farblos so vollständig wie möglich, mit einer größern Wassermenge aus den Pflanzentheilen auszuziehen. Man weicht des halb die vor der Blüte samt den Blättern abgeschnittenen Stengel in großen gemauerten Cisternen mit Wasser ein u. sucht die Pflanzen durch mit Steinen beschwerte Breter unter dem Flüssigkeitsniveau zu erhalten. Bei einer Temperatur von etwa 256 tritt nach 6—12 Stunden eine Gährung ein, die Flüssigkeit wird stinkend, färbt sich grünlich u. entwickelt Gasblasen (Kohlensäure). Die Gährung darf weder zu lange anhalten, weil sonst ein Theil des Farbstoffes zerstört, noch von zu kurzer Dauer sein, weil sonst Farbstoff in den Pflanzenorganen bleiben würde. Dieser Entmischungsprozeß wird unterbrochen (gewöhnlich nach 16 bis 18 Stunden), wenn eine Probe der Flüssigkeit, in einer Schale der Luft ausgesetzt, schnell einen schön blauen Bodensatz absetzt. Nun wird sofort die ganze Flüssigkeitsmasse in eine etwas tiefer gelegene Cisterne, die Schlagküpe, Indigküpe, k. frz. Cuve d'inde, engl. indigo-vat, genannt, abgezapft und dort durch heftiges Umrühren oder durch Peitschen mit einem Schaufelrad der Zutritt des Sauerstoffs der Luft zur Flüssigkeit befördert, wodurch sich das in der Flüssigkeit gelöste Pigment als blauer, körniger Bodensatz abscheidet, wobei die überstehende Flüssigkeit merklich gelb wird; unter beständigem Umrühren läßt man das Gemenge in die unterste Eisterne fließen und dort den Stunden läßt man die über dem Bodensatz stehende gelbe Flüssigkeit abfließen und den Bodensatz auf Tüchern abtropfen, zertheilt ihn dann in Stücke und trocknet diese an der Luft. III. Sorten. Der auf diese Weise gewonnene blaue Farbstoff ist nicht reines Indigblau, sondern besteht daneben noch hauptsächlich aus drei anderen organischen Stoffen, dem Indigleim, frz. matière glutineuse d'indigo, engl. indigo-gluten, gliadine, dem Indigroth, frz. rouge d'indigo, engl. indigo-red, und Indigbraun, frz. matière prune dindigo, engl. indigo-brown. Diese Körper, neben anderen in dem Stoff schon enthalten gewesenen oder absichtlich bei der Bereitung des J. zugesetzten mineralischen Stoffen, können nun in sehr verschiedenen Mengen im J. enthalten sein, so daß derselbe in seinem Gehalt an reinem Indigblaufarbstoff sehr variiren kann. Im Handel unterscheidetman 3Hauptindigsorten, den indischen, amerikanischen u. afrikanischen J. Zu den besten indischen Sorten gehört der von Bengalen; diesem an Güte zunächst steht der von Java. Dann folgt der amerikanische J. von Guatemala, u. danach die geringeren Sorten von Aegypten, Manila, Bombay, Mexiko etc. IV. Die Güte des J.läßt sich bis zu einem gewissen Grad nach seinem äußern Ansehen beurtheilen. Der beste J.muß locker u. leichter als Wasser sein; die Bruchfläche sei matt, gleichförmig, feinerdig und von rein blauer Farbe; durch Reiben mit einem glatten Körper soll guter J. einen röthlichgelben Metallglanz annehmen. Schlechtere Sorten geben violette Bruchfläche; besonders wenn der Gehalt an Indigbraun u. Indigroth größer ist, erscheint die frische Bruchfläche mehr röthlich. Eine richtige, zuverlässige Beurtheilung des J.8 u. dessen Werthbestimmung geht nur aus der chemischen Analyse, d. h. aus der Bestimmung des Indigblaugehaltes hervor. Eine leicht ausführbare MEethode dieser Bestimmung ist folgende: Man nimmt 1 Gewichtstheil des zu prüfenden J.s und etwa 300 Gwthle. Wasser, löscht mit etwas Wasser 1 Gwthl. reinen, frisch gebrannten Kalk und reibt dann den J. mit dem Wasser u. dem Kalk innig zusammen. Das Ganze spült man dann in eine Flasche, deren Kapazität bekannt ist, und läßt das Gemisch bei 60—80 einige Stunden stehen. Dann fügt man 2 Gwthle. reinen Eisenvitriol dazu, schüttelt die Flüssigkeitsmasse öfters und läßt den Bodensatz sich absetzen. Ueber dem Bodensatz hat sich nach einiger Zeit eine klare Flüssigkeit gebildet, welche das ganze in dem I. enthalten gewesene Indigblan reduzirt, als Indigotin, frz. indigotine, f. engl. reduced indigo-blue, indigotine, od. als Indigoweiß, frz. indigo blanc, desoxygéné od. réduit, indigogene, m. engl. reduced indigo, aufgelöst enthält. Das Indigbraun und Indigroth ist durch den Kalk mit in den Bodensatz niedergeschlagen worden. Wenn die Flüssigkeit ganz klar geworden ist, dann hebt man mittels eines Hebers einen bestimmten Bruchtheil der ganzen Flüssigkeitsmenge (3. B. /%) ab, setzt zu dieser abgehobenen Flüssigkeit Salzsäure in gehöriger Menge und setzt diese Lösung der Luft aus, wodurch das aufgelöste Indigweiß wieder in Indigblau übergeht, welches sich als ein blauer Bodensatz nach einiger Zeit gesetzt hat. Man bringt dann das Indigblau auf ein gewogenes Filter, wäscht es einigemal mit Wasser u. bestimmt dann das Gewicht des 1008 trockenen Indigblau. Es giebt Indigsorten, welche 75 80/ Indigblau enthalten; im Mittel enthalten die gewöhnlichen J.s 40—60% reines Indigblau. Der J. wird häufig absichtlich verfälscht, frz. 1. batard; man macht ihn mit Wasser feucht, setzt verschiedene mineralische Körper, auch Stärke und Berliner Blau zu. Ein guter J. darf beim Trocknen bei 100e höchstens 6/ an Gewicht verlieren. Der Aschengehalt entscheidet, ob der J. absichtlichen Fälschungen mit mineralischen Stoffen unterworfen wurde oder nicht; bei gutem J. beträgt die Asche höchstens 8.10 /. Eine Ver-IDELBERG O Universitatsbiblic fälschung mit Stärke erkennt man an der blauen Färbung, welche Fodkalium in der durch Chlor entfärbten Indiglösung hervorbringt. Berliner Blau bleibt ungelöst und wird durch Chlor nicht entfärbt.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 3, S. 86Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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