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Sitten & ModeBau-Lexikon 1881

Ornamenl, u., franz. ornement, m., engl. ornament, ornate, Verzierung, ornamental art, engl., ornamentistische Kunst. Die O.e dienen zum Schmuck glatter Formen architektonischer Glieder und ganzer Flächen; man theilt sie ein in geometrische und rein ornamentale, letztere wieder in thierische und pflanzliche, in stilisirte, phantastische und der Natur entlehnte Figuren; man führt sie plastisch oder auch blos in Farben aus. Die häufigst vorkommenden sind folgende: a) geometrische, z. B. das Labyrinth, der Mäander, die Comarajja, der griechische gebrochene Stab, Netzwerk, Mäßwerk, Nagelkopfverzierungen, Perlstab, Zahnschnitte, Kreisverschlingungen, Rundbogenfriese, Zickzack, Rautenreihen etc.; b) thierische, Menschen⸗ und Thiergestalten, Menschen⸗ und Thiertheile, Masken, Phantasieköpfe etc.; e) pflanzliche, Blätter, Früchte und Blumen, Rankenwerk, Krappen, Kriechblume etc.;, s. d. betr. Art. sowie die Stilartikel. Ueber die blos in Farben ausgeführten Ote s. d. Art. Polychromie; die plastische Ausführung ist sehr verschieden. Man haut sie in Stein, gießt sie in Gips, Metall, Cement, Kalk od. dergl., modellirt sie in Thon u. dergl. und brennt sie, schnitzt sie in Holz oder preßt sie in Leder, oder drückt sie in Papiermaché, Steinpappe od. dergl. aus. Neuerdings stellt man O. e von Holzfönrnieren erhaben her. Die eigens dazu her-DELBERG O Universitätsbibliott gerichteten Fourniere von gewöhnlichem oder Luxusholz bringt man zwischen zwei Metallplatten, deren eine die zu erlangende Figur in Relief darstellt, die andere sie vertieft zeigt und die beide einer gelinden Wärme ausgesetzt worden sind. Wird das Fournier zwischen denselben einer starken Pressung unterstellt, so präsentirt es aufeiner seiner Flächen, sobald es aus der Form genon men, die Figur in erhabener Arbeit und ist kaum zu unterscheiden von wirklicher Skulptur in Holz. Alsdann füllt man mit Cement, Papiermacheetc. die Vertiefung auf der andern Fläche des Fourniers aus. Ist diese Ausfüllung hinreichend getrocknet und geschliffen, so leimt man das Fournier auf Möbel und damit zu verzierende Gegenstände.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 3, S. 478Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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