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Sport & SpielBau-Lexikon 1881

Theca, f., lat., griech. Harn, Schachtel, Kapsel, Reliort, s. z. B. Bibliothek, Pinakothek, Glyptothek etc. CEheer, m., frz. goudron, engl. tar, ital. catrame, span. alquitran, so nennt man die zu flüssigen u. festen Körpern verdichtbaren Produkte der trockenen Destillation harziger Materialien. Die Beschaffenheit des T.s und der Körpergruppen, welche er enthält, hängen nicht nur von der Natur der zu Theerbildung angewandten Stoffe, fondern auch von den zu seiner Gewinnung angewendeten Temperaturgraden ab. Der T. enthält nämlich flüssige u. feste Kohlenwasserstoffe, Aether, Alkohole, Säuren und Basen nebst anderen unbestimmten brenzlichen und harzigen Körpern. Die verschiedenen Theerarten haben viele dieser Bestandtheile mit einander gemein, wenn auch in relativ sehr verschiedener Menge. T. aus Pflanzenstoffen, Holz, Zucker etc. zeigt gewöhnlich saure Reaktion; Steinkohlentheer und T. aus thierischen Stoffen hingegen starke alkalische Reaktion. Von Bedeutung für die Praxis sind Holztheer, Steinkohlentheer, Torftheer, Braunkohlentheer und der T. aus bituminösen Substanzen, Schiefer etc. I. Der Holztheer, auch Laßpech, flüssiges Pech genannt, frz. goudron végétal, engl. vegetable tar, ist ein Produkt der krockenen Destillation des Holzes. Die Gewinnung des T.s aus Holz, die Theerschwelerei, liefert Holzessig und T.; die gasförmigen Produkte läßt man ungenützt entweichen. — 1.Die Theerschwelerei in Meilern ist irrational und kommt nur noch in sehr holzreichen Gegenden in Anwendung. — 2. Die Grubentheerschwelerei gehört zu den ältesten Methoden der Theergewinnung. Die Gruben legt man meist an einem Abhang nach unten kegelförmig verjüngt an und leitet von ihnen einen Kanal zum Theerbehälter. Nach dem Vollsetzen der Grube mit Schwelholz wird dasselbe mit Reisig, Rasen und Erde bedeckt, oben angezündet u. durch zeitweises Hinwegnehmen des Rasens das Feuer in der Weise regulirt, daß nur eine, zur langsamen, von oben nach unten fortschreitenden Schwelun nothwendige Glut erzielt wird und T. und Holzessig na unten abfließen. — 3. Ofenschwelerei. Der CTheerofen, ein Kegel aus Lehmsteinen, von 25 - 30 cbm. Raum, wird mit Kienholz angefüllt u. darauf verschlossen. Um diesen Kegel befindet sich noch eine Umfassungsmauer u. zwischen beiden ein Feuerungskanal. Nachdem in diesem 12 Stunden gefeuert worden ist, fließt aus dem Kegel roher Holzessig, Theergalle, Theerschweiß, ab, mit diesem nach ferneren 12 Stunden ein dünnes Harz, welches mit Wasser abgezogen Kienöl giebt, während als Rückstand der T.verbleibt. Solange der Ofen geht, muß scharf gefeuert werden. — 4. In neuester Zeit betreibt man die Theerbereitung viel rationeller; man destillirt das Holz in eisernen od. thönernen Retorten, die von außen erhitzt werden. Zu dieser Erhitzung verwendet man die aus den Retorten kommenden brennbaren Gase; die flüchtigen, verdichtbaren Produkte leitet man durch eiserne, mit kaltem Wasser umgebene Kühlröhren in Kondensationsgefäße. In letzteren sammelt sich anfangs eine fast klare, saure Flüfsigkeit, der rohe Holzessig, eine Lösung von Essigsäure, Holzgeist, Brandharz, essigsaurem Ammoniak etc. Dann folgt der T., der Sbibliothe Heidelberg vom wäfserigen Theil abgehoben und durch Destillation weiter verarbeitet wird. Er liefert durch vorsichtig geleitete Destillation das Kienöl, f. d. Art. Terpentinöl u. weißes Pech; bei fortgesetzter Erhitzung das stark brenzliche Pechöl und das Schusterpech. Die reichste Ausbeute an T. liefern die harzreichen Nadelhölzer (10—14%, Laubhölzer geben nur 8—10% eines T.s, der besonders kreosothaltig ist. Der Birkentheer, der in Rußland durch Destillation der Birkenrinde bereitet wird, kommt bes. bei der Juchtenledersabrikation in Anwendung. Der Holztheer wird angewendet zum T.en des Holzes, um dasselbe vor Wurnifraß und Fäulnis zu schützen, als wasserdichter Anstrich für Mauern, Metallflächen etc. mit dem dreifachen Gewicht Ziegelmehl gemischt als Brunnenmacherkitt, als Schmiermittel u endlich zur Fabrikation von Ruß. Seine Anwendung gründet sich bes. auf seine durch den Kreosot bebingte fäulniswidrige Wirkung. II. Der Steiulohientheer, franz. goudron minsral, de hodilie, engl. gas-tar, Cosl-tar, der als Nebenprodukt der Gasfabrikation gewonnen wird (s. d. Art. Steinkohle und Gas), enthält ähnliche Bestandtheile wie der Holztheer, doch fehlen ihm einige den Holztheer charakterisirende Bestandtheile, wie Holzgeist, Essigfäure etc. Er enthält verschiedene flüchtige Basen (Anilin, Leueolin, Pyridin) und neben Paraffin das Naphthalin. Er wirkt, wie bei Holztheer, in hohem Grade fäulniswidrig, wohl wegen der Karbolsäure. Man verwendet ihn namentlich auch zum Anstrich für Holz, Eisen und andere Metalle. Als Holzanstrich benutzt man eine Mischung aus 2 Th. Steinkohlentheer, 1 Th. Holztheer, etwas Kolophonium und Th. zu tröockenem Pulver gelöschten Kalk, oder man ergitzt 2 Th. Schwefel mit 3 Th. Steinkohlentheer. Durch Glühen eines innigen Gemenges von 2 Th. Alaun, 20 Th. Halk und 16 Th. T. bei Abschluß der Luft erhält man schöne schwarze od. braune Anstrichfarbe. Ferner dient der T. zur Fabrikation von Stein⸗ od. Theerpappe (s. d.) und der Theerfarben (Anilinfarben). Die Wheeröle, frz. hunle de goudron, engl. spirit of tar, o½l-Oil (s. Steinkohlentheeröl sind Produkte der Destillation des T.s. Aus diesen gewinnt man das Benzin, die Karbolsäuren und die Theerbasen. III. Der C. aus Brannkohlrn, Torf und bünminösen Ithieften, welcher durch Destillation der Rohmaterialien aus Retorten gewonnen wird, ist dem Steinkohlentheer ühnlich; er enthält dieselben flüchtigen Basen, aber in überwiegender Menge Paraffin. Die Technik verarbeitet diese L.e zur Gewinnung flüssiger u. fester Beleuchtungsmaterialien u. zur Darstellung der Theerfarben. Zu Bereitung der Beleuchtungsmaterialien: Photogen, Solarölund Paraffin, unterwirft man den entwässerten T. der fraktionirten Destillation. Bei 300 geht das rohe Photogen über; höhere Temperatur macht die Destillationsprödukte dicker und paraffinreicher. Die Produkte beider Fraktionen sind durch Kreosot u. Theerbasen verunreinigt. Um das rohe Photogen vom Kreosot zu reinigen, schüttelt man mit Natronlauge, dann mit Schwefelsäure, um die Basen zu binden, und destillirt von neuem. Die zuerst übergehende Flüssig keit ist veines Photogen; später geht; Solaröl über. Aus den paraffinreichen Destillations= produkten scheiden sich an einem kühlen Ort große Krystalle, das Rohparaffin, aus. Die übrigbleibende dicke Flüssigkeit gieht beim Schütteln mit Natronlauge, dann mit Schwefelsäure und durch Destilliren Solaröl. Das Rohparaffin wird durch wiederholtes Abpressen, durch Abhen mit Photogen und zuletzt durch Behandlung mit in Vorschlag und Ausführung gebracht wurden, I Lnian die Spezialliteratur, sowie d. Art Asphalttheer. von Knochen, liefert neben kohlensaurem Ammoniat einen dickflüssigen T., das Hirschharnöl, eine aus verschiedenen Stoffen, Eupion, Brandharzen, Ammoniak u. organischen Basen, Aethyl-Butil-Propylamin bestehende schwarzbraune, schwere Flüssigkeit, welche bes. zum Anstrich junger Bäume gegen Insekten und Wurmfraß gebraucht wird. Aus dem Hirschhornöl wird durch Destillation mit Waffer das offizinelle ätherische Thieröl, auch Dippelsches Oel genannt, gewonnen. TOheer (Wasserb.), so heißt auch eine von Grundwasen gebildete Lage, sowie ein Theil eines Flosses. Uhreranstrich, m., Cheerüberzug, dient vielfach für Umfriedigungen, Pfähle etc., kurz als Erhaltungsmittel des Holzes. Um die unangenehme, schmutzigbraune Farbe des Theeres zu vermeiden, mische man den Theer mit Kreide, venetianischem Roth oder französischem Gelb, je nach der gewünschten Farbe, mache in freier Luft in einem großen eisernen Kessel diese Mischung warm und trage sie mit einem großen Anstrichpinsel auf; s. auch Bauholz E. IV. 2. 6. Man benutzt den Theer auch zum Anstreichen von Eisfen, Mauern etc. Holztheer wird am besten mit Bleiglätte u. ein wenig Ziegelmehl vermischt u. dann gekocht. Mineraltheer (s. Asphalt) liefert einen sehr guten Anstrich für Mauern u. Eisen, denn er ist vollkommen wasserdicht, macht nicht spröde im Winter und ist elastisch.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 4, S. 327Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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