FeedHarze (Resmae). Die H.
NaturlehreBrockhaus 1882

Harze (Resmae). Die H., obgleich chemisch nicht scharf definierbar und in der Chemie nicht mehr als hen Mehroa Körpergruppe existierend, sind der groen Mehrzahl nach Produkte des Pflanzenreichs. Sie finden sich in der lebenden Pflanze wie die ätherischen Ole, und meist auch in Verbindung mit diesen, in den verschiedensten Pflanzenteilen, werden auch nicht selten durch Drüsen und andere Erkretionsorgane ausgeschieden. Zuweilen lagern sich die H. auch in einzelnen Zellen oder in Höh ungen im Zellengewebe ab, oder quellen aus sehr harzreichen Pflanzen aus zufälligen oder absichtlich gemachten Verletzungen hervor. Diese hervorgequollenen Massen sind niemals reine H., sondern Gemische wirklicher H. mit ätherischen Olen, in welchem Falle die Substanz weich oder halbflüssig ist und den Namen Balsam (. d.) führt. Die Balsamharze finden sich, und zwar in so großer Menge, daß sie zur Charakteristik der IUι. dienen, besonders in den Nadelhölzern und Balsambäumen. Durch Entfernung des ätherischen Ols 6. B. durch Erhitzung oder Destillation) wird aus ihnen das eigentliche H. gewonnen, welches entweder beim Erstarren hart wird Sartharz) oder weich bleibt (Weichharz). Oft sind auch die H. mit andern Saftbestandteilen, wie mit Gummi, Eiweiß, Kautschuk u. s. w., gemengt und werden dann Gummiharze oder Schleim arze genannt. (S. Gummi.) Auch im Mineralreiche werden Körper angetroffen, deren Eigenschaften ganz mit denen der vegetabilischen H. übereinstimmen. Dieselben verdanken ihren Ursprung offenbar einer untergegangenen Pflanzenwelt, werden deshalb mit dem Namen fossile H. bezeichnet und finden sich hauptsächlich in Braunkohlen⸗ und Torflagern. Das wichtigste fossile H. ist der Bernstein (s. d.). Zu den H. rechnete man früher auch mehrere bei der trockenen Destillation gebildete Produkte (Brandharze), sowie Körper, welche durch die Einwirkung chem. Agentien erzeugt werden. Die natürlichen H. stehen in einem innigen Zusammenhange mit den ätherischen Olen, welche teils mit ihnen gemeinschaftlich vorkommen, teils durch Oxydation in H. übergehen können, weshalb länger aufbewahrte Ole allmählich dickflüssiger werden und endlich zu harzähnlichen Massen erstarren. Es läßt sich in vielen Fällen mit ziemlicher Gewißheit annehmen, daß auch die in den Pflanzen vorkommenden H. durch einen gleichen Orydationsprozeß aus ätherischen Olen entstehen. Ofters bildet sich auch während der Oxydation eine freie Säure, die mit dem H. gemengt ist. Als allgemeine Kennzeichen betrachtet man ihre Unlöslichkeit in Wasser, ihre Löslichkeit in Alkohol, ihre Schmelzbarkeit in gelinder Wärme und ihre Zersetzbarkeit bei höherer Temperatur, wobei sie einen kohligen Rückstand hinterlassen. Auch in Ather, Holzgeist, Aceton, schen und fetten Slen sind viele H. löslich. Sie sind alle Nichtleiter der Elektricität und werden durch Reiben negativ-elektrisch. Die chem. Beziehungen der H. sind besonders von Hlasiwetz gründlich studiert worden. Die einfachen H. zerfallen in saure (in ätzenden Alkalien lösliche) und indifferente (unlösliche). Erstere teilt man wieder in Harzsäuren, welche auch mit Ammoniad sich verbinden, aus kohlensauren Alkalien die Kohlensäure austreiben und mit allen Alkalien Salze Resinate) bilden, und datren 5succh welche nur in kaustischem Kali oder Natron löslich sind. Die Alkaliresinate sind in Wasser löslich, schäumen mit solchem wie Seife und werden deshalb zu sog. Harzseifen und zum Leimen der Papiermasse in den Papierfabriken benutzt. Aus der alkoholischen Lösung, sowie aus der in ätherischen Slen (Harzfirnisse, Lacke) scheiden sich die H. beim Verdunsten des Lösungsmittels meistens in Gestalt eines glatten, durchscheinenden, glänzenden Überzugs aus und vermitteln auch die Bildung eines solchen, wenn man sie fetten, trocknenden Olen (Leinöl, Mohnöl) oder derartigen Firnissen beimengt. Als Bindemittel (Harzkitte), wobei man zwischen die zu kittenden Substanzen die feingepulverten H. bringt, die Gegenstände bis zum Schmelzen des H. erhitzt und dann die Stücke schnell aneinander drückt, oder emengt mit starren, indifferenten Körpern (Siegelack, Asphalt), sind die H. einer vielseitigen Anwendung fähig. Man benutzt sie auch in mancherlei Gemengen als wasserdichten überzug, zum Auskleiden von Behältern, zum luftdichten Verschluß, ehedem zur in der von Harzgas, zu Feuerwerkskörpern, in der Medizin zu Salben, Einreibungen und selbst innerlich zu Pillen, Latwergen etc. Alle H. enthalten Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff, niemals Stickstoff, der Bernstein außerdem noch Schwefel. Die wichtigsten H. sind: Fichtenharz (Kolophonium oder Pech), Kopal, Gummilack (Schellack, Tafellack), Elemi, Mastir, Dammar, Sandarac, Anime, Benzoé, Gelbharz (von Xanthorrhoea hastilis), Bernstein, Asphalt. Häufig verwechselt man im gewöhnlichen Leben Körper, die gar kein H., sondern nur Gummi oder Bassorin, wie das Gummi der Kirsch⸗ und Pflaumenbäume, der Traganth, das Gummi arabicum u. s. w., oder neben andern Substanzen nur wenig H. enthalten, wie z. B. die Myrrhe und die Aloẽ, mit den H. Dagegen sind die häufig an den Blattknospen, besonders der Pappeln und Roßkastanien, im Frühjahr bemerkbaren überzüge wirkliche balsamartige Harzverbindungen. Ganz frei von H. sind wenig Pflanzen, wenn auch nicht in solcher Menge, daß es ausfließt. Man kann dasselbe dann durch Ausziehen mit Alkohol darstellen, wie z. B. das Jalappenharz und das Guajakharz. Vgl. R. von Wagner, «Handbuch der chem. Technologies (10. Aufl., Lpz. 1875); Wiesner, Die technisch verwendeten Gummiarten, H. und Balsamer (Erlangen 1869); derselbe, «Die Rohstoffe des Pflanzenreichsv (Lpz. 1873); Husemann und Hilger, Die Pflanzenstoffes (2. Aufl., Berl. 1883); Kerl und Stohmann [Muspratt!], «Encyklopädisches Handbuch der technischen Chemie » (3. Aufl., Art. „Harzey, Bd. 3, Braunschw. 1876).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 878Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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