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BaukunstBau-Lexikon 1881

Steinschnitt, m., frz. stéréotomie, coupe de pierres, engl.stone-cutting, stereotomy, auch Keilschnitt, Nugenschnitt gen., Lehre vom Verband mit gehauenen Steinen, von der demgemäßen Gestaltung derselben, dem Aufzeichnen u. Aufrechnen dieser Gestaltungen, sowie dieselben in Rücksicht auf die Drucklinien, Schwerlinien etc. u. auf die Festigkeit der Steine gewählt werden müssen; der S. war natürlich bei den Völkern, welche nur mit geraden Blöcken arbeiteten u. noch nicht einmal an Entlastung der über die Oeffnungen gelegten Blöcke dachten, also bei den Aegyptern des alten Reiches und bei den Pelasgern in älterer Zeit, ziemlich einfach. Sowie man an Entlastung dachte, traten mit den Spannschichten u. dgl. zuerst schräge Fugen auf. Mit der Einführung der Keilbögen, Tonnengewölbe etc., ja schon der bogenförmig bearbeiteten Ueberkragungen bei den Aegyptern des neuen Reiches, bei den Assyriern, Phönikern, den späteren Pelasgern, Phrygiern, Lykiern etc., bes. aber bei den den Bogenbau, Gewölbebau ausbildenden Etruskern wurde die Sache schon etwas komplizirter, und so finden sich denn schon bei den Etruskern und Römern Steine mit mehrfach gebrochenen Fugen. Dies mußte sich steigern, je mehr man, was namentlich in den Zeiten der Gothik geschah, danach strebte, Raum und Material zu sparen, wobei oft ein Stein zugleich zweien neben einander liegenden Bögen und einem zwischen diesen beginnenden Pendentif oder den nach verschiedenen Richtungen aufsteigenden Rippen und den zwischen diesen liegenden Gewölbfächern angehörte. Schon die Austragung der nach Versetzung sichtbar bleibenden Flächen (frz. parements) solcher Steine erforderte völlige Vergegenwärtigung der Form, genaue Kenntnis und sorgfältigste Anwendung der Projekrionslehre. Noch schwieriger aber war die Austragung der Fugenflächen, weil bei diesen noch Berück-LBERG O Umniversitatsbiblio sichtigung der Schubrichtungen sich nöthig machte. Eine weitere Steigerung der Entwickelung erfuhr die Fugenschnittlehre durch das immer reichere Mäßwerk und die geschwungenen Wimberge. Wo die Sache zu komplizirt ward, half man sich durch Modelle oder durch Anpassen u. bearbeitete das Rippenstück oder dgl. auf dem Werkplatz mit Hülfe des vorher abgebundenen und verschalten Lehrgerüstes. Gleiches Verfahren erscheint da rathsam, wo entweder die Arbeitshäufung, die großen Dimensionen und andere Umstände das Austragen des ganzen Gewölbes auf Zeichnungen in Naturgröße verbieten oder wo der Intelligenzgrad der Arbeiter nicht genügt, um nach solchen Zeichnungen zu arbeiten. Die Anfertigung von Einzelzeichnungen für jeden Stein gemäß den Regeln des S.s, die eigentlich mit den Regeln der Statik einerseits, der Projektionslehre anderseits identisch sind, ist namentlich bei Gewölben von komplizirter Form und bei der Wölbung schiefer Brücken ziemlich schwierig, oft auch sehr komplizirt und zeitraubend; s. d. Art. Kernbogen, Bogenpverband, Brücke V. 2. B. b., Mauerverband etc. Die gesamte Lehre des S.s zu geben mangelt hier der Raum. Das Nothwendigste findet man in Harres' „Schule des Steinmetzen“ (Leipz., O. Spamer) u. anderen Lehrbüchern.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 4, S. 268Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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