
indische Gaukunst, k., frz. architecture des Indous, engl. Hindu-architecture. Ueber die kunsthistorische Stellung der ien B. s. d. Art. Baustil. A. Allgemeines. — Reich an fruchtbaren Ebenen, Bergen und Flüssen, zeigt Indien eine üppige Vegetation. Die Indier sind sanft, zu beschaulicher Ruhe geneigt und von angenehmer Körperbildung. Ihre Geschichte ist so mit Sagen durchwoben, daß man kaum im Stand ist, das rein Geschichtliche von dem Mythischen zu trennen. Ihre Theogonie bietet manchen Vergleichungspunkt mit der biblischen; sie verdanken danach ihre Offenbarung dem Brahma, der mit eigener Hand die vier Bücher Veda (vier Evangelien) schrieb und seitdem mit vier Köpfen abgebildet ward, während man ihm früher fünf gegeben hatte, wegen der fünf Ausfließungen seines Geistes (fünf Bücher Mosis). Brahma heißt: Der, der alle Dinge einsieht, der Allwissende. Ihm zur Seite steht Wischnu, welcher neunmal den Menschen in belehrender Weise erschien, das letzte Mal aber, wo er in Fischgestalt unter dem Namen Avatar als falscher Prophet angesehen u. ermordet ward; vergl. hierüber d. Art. Atergatis und Fisch. Diese Verkörperung, nach der Lehre des Brahmaismus die W letzte, war nach der Lehre AEs des Buddhismus die vorletzte; s. d. Art. Buddhistisch. Während die Buddhisten und Dscharnisten anfangs vielfachen Anklang fanden, wendete sich doch ein großer Theil des indischen Volkes wieder der von den Brahminen gepredigten Lehre zu, nach welcher die zehnte Erscheinung Wischnu's noch erwartet wird (als Messias); bei seiner vierten Erscheinung hatte er nach der Brahminenlehre die Gestalt eines Mannlöwen (Ursprung der Chimärengestaltung). Im 14. Jahrhundert scheint diejenige Sekte der Brahmaverehrer, welche den Wischnu besonders verehrt, der Wischnaismus, mit dem Dscharinismus beinahe verschmolzen zu sein. Die dritte Person der Trimurti (Dreieinigkeit, Fig. 2169) ist Siwa od. Schiwen, dessen Gestalt die Farbe des Lichtes trägt, der die Erde erleuchtet und bewacht (heiliger Geist) und der unter dem Bilde der Sonne angebetet wird. Seine Attribute sind der Stein (Symbol der Erde) und der Lingam (Phallos, Symbol der Zeugung). Seine Verehrung wird von einer anderweiten Sekte der Brahmaverehrer besonders gepflegt. In ihren Lehren aber sind beide Sekten sehr verschieden. Diese Lehren selbst tragen ganz das Gepräge einer von herrschsüchtiger Priesterschaft für ein leichtgläubiges Volk zurecht gemachten Pseudoreligion. An diese Lehren anknüpfend, kleidete die überwiegende Phantasie der Indier alle Naturerscheinungen und historischen Begebenheiten in idealisirte Begriffe ein und stellte diese dann wieder allegorisch dar. Ihre Bauten tragen alle das Gepräge dieser Richtung, selbst die aus den ältesten Zeiten. Nach den Erzählungen der Priester, welche noch bis vor wenigen Jahren für eine wahrhafte Geschichtsquelle gehalten wurden, zerfällt ihre Geschichte in fünf Hauptperioden: die erste geht bis zur Sündflut; die zweite, das goldene Zeitalter, von da bis circa 2200 v. Chr.; die dritte, das silberne Zeitalter, in welches die Dynastien der Kinder des Mondes und der Sonne fallen und in welchem zuerst der Brahmadienst begonnen zu haben scheint, während früher der ältere Buddhismus herrschte, endet 1484 v. Chr.; die vierte, das eherne Zeitalter, dauert bis 1004 v. Chr., wo das irdene Zeitalter beginnt. Diese Nachrichten beziehen sich hauptsächlich auf das Gangesland; die Geschichte der andern Halbinsel ist noch mehr in Dunkel gehüllt, obgleich hier die schönsten Monumente stehen. Die Kultur scheint hier von Norden nach Süden vorgedrungen zu sein und sich ruhig aus sich selbst heraus fortgebildet zu haben, ohne durch Berührung anderer Völker gestört worden zu sein. Selbst der Einfall Alexanders des Großen wurde bald durch Vertreibung seiner Statthalter unschädlich gemacht. 200 Jahre nach ihm, also noch vor Christi Zeit, tritt ein König Kula Sechara auf, der Madura gründet, während Vamsa Sechara es im 9. Jahrhundert wieder aufbaut und die Universität stiftete. Der Brahmaismus war dann allhöhere und niedere Götter und 40000 Propheten zählte. Dazu kam die Lehre von der Seelenwanderung, von dem Todtenrichter Hamas, vom Fegefeuer etc. Die Folge dieser Lehren ist Schonung gegen alle lebenden Thiere, doch werden einige Thierarten förmlich verehrt. Unmittelbaren Zusammenhang mit der Religion hatte in Indien das politische Leben und daher auch viel Einfluß auf die Kunst. Das Volk der Indier zerfiel bekanntlich-in fünf Kasten: 1. Brahminen od. Priester; 2. Ketrie, Krieger; 3. Vaisyas, Gewerbtreibende; 4. Sudras, dienende Klasse; 5. Parias, die Unreinen, Verworfenen. Da der Brahmaismus weitere Verbreitung fand als Buddhismus und Oschainismus, so sind auch die Bauten desselben die zahlreichsten u. der brahmaistische Stil ausgebildeter als die anderen. Neuere Untersuchungen haben ergeben, daß alle brahmaistischen Bauten fünger sind als die buddhistischen; s. d. Art. buddhistische Bauweise. Die frühesten brahmaistischen Bauten sind im Norden die von Lelat Indra Kesari errichteten zu Bobaneswar (um 650 n. Chr.), im Stiden die unter Vikrama Tschola erbauten zu Tandschur 100 n. Chr. Bengalen, zwischen dem Himalaja und der Nordgrenze des Südstils. Beide Stilarten sind vertreten in Ellora, in dessen Besitz die südlichen und nordischen Dynastien wechselten. Bauten des dritten Zweigstils findet man nur in Kaschmir und dem Pendschab. Die Malerei scheint bei den Indiern schon früh geübt u. zu einer großen Höhe getrieben worden zu sein. Die Bildhauerei betreffend, kann man annehmen, daß die plumpen Darstellungen, die aber in der Regel keine Zusammensetzungen verschiedener Thier⸗ oder Menschenkörper sind, einer älteren Periode angehören, als die in bei weitem besseren Verhältnissen gearbeiteten, aber sehr häufig aus Thiertheilen komponirten Darstellungen, bei denen man oft durch einzelne Theile an die Zeiten griechischer Kunstblüte erinnert wird, während andere Theile derselben Figur die abenteuerlichsten Groteskenformen aufweisen. Je weiter sich die indische Kunst ausbildete, um so mehr nahm diese Richtung überhand, bis endlich der ganze bauliche Organismus unter der Masse phantastischer Ornamente untergeht (wie in der Religion die Hauptlehren unter den Sagen von den unzähligen Göttern), ein Symbol der scheinbaren iothek Heidelberg DFC Weltbaues verbergen. Die meisten Reisenden melden entzückt von der wunderbaren Harmonie in diesem Gewebe von Ornamenten, welches freilich den Nichtarchitekten oft verworren scheint, weil sie das darunter verborgene System nicht kennen. In dieser Verbergung des baulichen Gerippes unter phantastisch-symbolischen Ornamenten u. nicht in den Formen selbst, die wesentlich andere sind, ist die oft angeregte Aehnlichkeit der indischen Bauten mit den gothischen zu suchen. Die meisten freistehenden Pagoden erheben sich stufenweise in Geschossen, welche, mit Reliefs und Thiergestalten besetzt, die verschiedenen Stufen der Seelenwanderung andeuten u. in verschiedenen geschwungenen Linien in einander übergehen (allmählicher Uebergang zur höheren Veredelung), bis sie endlich im Symbol der höchsten h SSSSS Vollkommenheit, einer Kugel mit Flügeln, endigen. In technischer Beziehung leisteten die Bewundernswerthes. SIEIIoTHEE B. Südindischer Zweigstil. In Südindien findet sich kein wesentlicher Unterschied zwischen den Bauten der Schiwaiten und denen der Wischnuverehrer, höchstens im plastischen Schmuck lassen sie sich unterscheiden. J. Gebäudearten. Die Tempelanlagen bilden meist große mauerumzogene Rechtecke, die mit manchfachen Gebäuden besetzt sind. Unter diesen zeichnen sich besonders folgende aus, wobei Fig. 2170 zu vergleichen ist: a) Thorpyramiden, Gopuras; eine der kleinsten und einfachsten stellt Fig. 2174 dar; b) Tschultris, engl. choultrie's, von Pfeilern getragene Hallen, deren Säulenzahl meist bis zu 1000 steigt; e) der eigentliche Tempel Vimana; d) Vorhallezu diesem Tempel Mantapa. Außer diesen: e) Wasserbassins, von denen auf unserm Beispiel blos ein pärkleine angegeben sind, während sich häufig große Teiche im Bereich der Tempel befinden; k) kleine Kapellen, Grabmäler u. dergl.; g) Gärten; h) Wohnungen und andere Gebäude zum Gebrauch der Priester. In technischer Beziehung kann man diese Tempelanlagen in drei Gruppen bringen. 1. Grottentempel. Diese sind bei weitem nicht so häufig von brahmaistischen Baukünstlern angelegt worden als von buddhaistischen (s. d. betr. Art). Eigentliche Tempel kommen in dieser Form nur im kleinen Mäßstab vor; Klöster hingegen häufiger. Unter ihnen ist bemerkenswerth die Dhumnar-Lena-Höhle in Ellora; noch häufiger aber sind es kleine Kapellen, Einsiedeleien etc.; hier und da findet man hinter frei gebauten oder frei aus den Felsen gearbeiteten Tempeln auch noch ziemlich umfängliche Hallen, Tempelzellen, Herbergen für Pilger etc. im Innern der Felsen. Auf einen schmalen Gang a folgt ein breiter Vorhof, sehr häufig nach oben geöffnet, welcher Teiche für Abwaschungen, auch manchmal kleine freistehende Tempelchen etc. enthält. Dem Eingang gegenüber liegt die Fagade des eigentlichen Tempels. Diese wird, wie in Fig. 2171 zeigt, durch eine geschlossene Mantapa mit Freitreppe oder auch wohl durch eine offene Pfeilerstellung gebildet u. stsbibliothek Heidelberg von hohen, mit Figuren verzierten Pfeilern flankirt; di mittleren Pfeiler bilden ein oder mehrere Geschosse. In Innern ist der Hauptraum e, ein länglich-viereckige Fig. 2173. Die Perumalpagode zu Madura, um 900 n. Chr. durch weit ausladende Konsolen an der Stelle der Kapi täle veranschaulicht wird. Zu beiden Seiten des Raumesind oft kleinere Gemächer vertheilt und im Hintergrun! IOTHEK steht das eigentliche Heiligthum k. Die Pfeilerstellungen durchschneiden sich in rechtwinkligen Linien, an den Wänden in Form von Pilastern beginnend. Die Säulenformen sind äußerst verschieden, haben aber fast immer ein Piedestal, oft auch eine besondere Basis, seltener ein Kapitäl; jedoch fast immer sehr elegante, obgleich kräftige Verhältnisse. An der Stelle des Kapitäls befindet sich oft ein Würfel mit zwei Konsols in der Richtung des Architravs, welcher parallel mit der Hauptachse des Raumes je eine Reihe Pfeiler mit einander verbindet; die so entstehenden Deckenstreifen sind kassetirtu mitbildlichen Darstellungen in bemalter Skulptur ausgeschmückt. Sämtliche Wände sind dicht mit Bildhauerarbeiten bedeckt und mit dem indischen Mörtel (Tschunam) bekleidet und bemalt gewesen. — 2. Freistehende, aus dem Felsen herausgemeißelte Monumente, Keylas, englisch Kylas, indisch Keilassa, kommen theils allein, theils, wie gesagt, in Verbindung mit Grottentempeln vor; einige sind nur von außen bearbeitet, andere auch im Innern ausgehöhlt. Diese Keylas bilden oft vollständige Tempelgruppen. Disposition und Stilformen sind natürlich ganz ähnlich denen der anderen Arten, soweit dies das beschwerliche Aushauen aus dem Felsen zuließ. Von der äußern architektonischen Gestaltung giebt Fig. 2172einen Begriff. — 3. Freistehende, aus einzelnen Steinenerbaute Monumente, bei diesen entwickeln sich natürlich die Stilformen am freiesten, weil am wenigsten durch das Material gehemmt. Die Fronten der einzelnen Etagen sind mit Pilastern und Nischen besetzt, die geschwungenen Dächer der Absätze durch kleine Kuppelchen und Tabernakelchen maskirt, die Dächer sind abgewalmt oder haben Giebel nach geschwungenen Linien. Oft werden die ganzen Tempel von kolossalen Elefanten getragen; freistehende Säulen, welche Elefanten, Löwen re. zum Postament dienen, umgeben dieselben. Infolge der ungeheuren Ausdehnung ist zu vermuthen, daß solche Anlagen nicht auf einmalentstanden, sondern wahrscheinlich nach und nach erbaut wurden. Vor der äußersten Mauer stehen häufig Obelisken, die äußersten Gopuras sind die höchsten; die Vimanas, welche auch Pagoden (vergl. d. Art. Dagob) genannt werden, sind oft die niedrigsten Theile der ganzen Anlage, wie aus Fig. 2175 deutlich zu ersehen ist. Die Umfassungseimauern bestehen in der Regel aus behauenen Steinen ohne nMörtel, oder auch, namentlich in den oberen Theilen, aus —— 2 900, während Trimul Naik Jahrhundert. 1621 n. CEhr. dieselbe wieder Stilformen so manche Aehnlichkeit mit den Raths von Mahavalipuram. Die Pagode von Tandschur (Tanjore), Fig. 2184 im Hintergrund, mißt im Grundriß 26 m. ins ibliothek Heidelberg DOFC Quadrat, der untere lothrechte Theil ist 2 Stock hoch, der erhe pyramidale Theil hat 14 Stockwerke, so daß das Ganze Ges eine Höhe von 63 m. erreicht; erbaut ist sie 830 n. Chr., s. sr restaurirt im 17. Jahrhundert. Das Licht gelangt meist fein zur garbha griha nur durch die Thüren, vor denen sich tast manchmal eine Vorhalle (anterala, Fig. 2171i) befindet. dert Bei den frei gebauten Tempeln ist die Vorhalle meist gerade übe so breit als die Zelle u. halb sotief. Vor der Anterala liegt den die Mantapa, meist quadratisch, s. Fig. 2171 d4. Das Dach zum ist meist pyramidal, aber niedriger als das des Tempels bis; selbst. Wenn 2 Mantapas vorhanden sind, so heißt die dert innere ardbamantapa, die äußere mahamantapa; sind hun beide in ein Gebäude vereinigt, so ist die äußere an der wol Frontseite ganz offen. Ihr Dach ist dann durch Pfeiler den getragen und die Decksteine sind durch hölzerne, seltener Sär durch eiserne Balken unterstützt, um die Oeffnungen so weit Pro als möglich zu machen. Infolge dieses Umstandes sind hall viele Mantapas, trotz geringen Alters, schon Ruinen. mys Die Umfassungsmauer des Tempelhofes ist äußerlich ganz solck glatt, innen ziehen sich Kolonnaden an derselben hin. Die n. C Thore, Dwara's (. d.), sind mit Thürmen überbaut, bei Fig blos einer Umfriedigung ist auch nur ein Thorthurm stell nöthig, gegenüber der Mantapa; bei 2 Umfassungen hat Eig die äußere 2 Thorthürme vor u. hinter dem Tempel, eine viel etwaige dritte oder vierte Umfriedigung hat jede 4 Thor⸗ keit, thürme. Ihre Größe richtet sich natürlich nach der der ganzen kom Anlage. Ein dreistöckiger, Dwaraprasada, Fig. 2174, ist.telte HEIDELBERG O Universitätsbiblioth alten in Colombo auf der Insel Ceylon. Die Zahl der schosse, bis zu 16, bestimmt den Namen des Thorthurms, ub II. 5. Die Reliefsäulen u. Pilaster, mit wunderbar ien Bildwerken bedeckt, dienen oft als Stützen für phantische Thiergestalten etc., sie sind sehr schlanku, vielgegliet. Gurtsimse u. Kuppelchen sind sehr häufig mit Kupfer erzogen, welches stets sorgfältig geputzt wurde. Zwischen Pilastern stehen viereckige, Fenstern ähnliche Nischen, n Einsetzen von Illuminationslampen; Treppen führen zum Gipfel. Die Bassins sind von Grund aus mit Quan ausgemauert, die Pilgerherbergen enthalten oft über udert Gemächer, die Säulenhallen bis zu 1000 Säulen, her auch der Name Tschultry stammt; doch giebtes unter Säulenhallen solche von vier Säulen, andere von 100 —— — uth, 1174 n. Chr. erbaut. ulen etc. Sie dienen als Vorhallen, als Festhallen zu ozessionen, Tänzen re., besonders aber als Hochzeitslen (Tschaoris, engl. chaöri), in denen jährlich die stische Vermählung der Gottheiten gefeiertwurde. Eine he ist die, wirklich 1000 Säulen zählende, um 1004 Chr. erbaute Halle zu Tschillumbrum (Chalambron), . 2176 u. 2177; andere solche Hallen dienten zu Auflung geheiligter Thierstatuen, wie die in Fig. 2184. jenthümlich ist, daß diese Hallen in mancher Beziehung Aehnlichkeit mit den Basiliken zeigen, eine Aehnlich⸗ „die in vielen Mantapas noch mehr zum Ausdruck imt. Selbst bei den Gebäuden, welche in ihren archionischen Formen sehr viel mohammiedanischen Einfluß hek Heidelberg LDFC zeigen (wie Fig. 2181, die von Trimul Naik 1621 wier erbaute Halle zu Madura), wurde doch die alte indif Disposition beibehalten. Unter mohammedanischer Her schaft wurden noch manche neue Tempel angelegt. D Bauen an denselben hörte erst bei dem Eindringen d Tempel von einem einheimischen Architekten nach der alte Oehre (s. sub II.)arbaut ward. Der Verfall der indische Baukunst aber begann schon kurze Zeit nach der Eroberur OELBERG O Universitäts jetzt ziemlich genau. Die Hauptmaäße sowohl als die Mäße der Details waren genauen Gesetzen unterworfen. Die zahlreichen Abhandlungen über diese Regeln heißen zusammen Silpa-Sastra. Einige davon haben sich erhalten u. sind neuerdings durch Ram Raz, einen gelehrten Hindu, der europäischen Wissenschaft zugänglich gemacht worden; sie sollten wahrscheinlich den Verfall der Kunst verzögern. Sie enthalten Regeln über das Ceremoniell während des Baues, Architektenhonorars, über die Eigen-Baumaterialien u. endlich über die Erbauung Vismacarma, der himmlische Architekt und Vater der indischen Baukunst, hat vier Köpfe und vier Söhne, repräsentirend den Architekten, Bautischler, Geometer und Zimmermann. Die Maßeinheit ist das Paramanu (Sonnenstäubchen), s. d. Art. Hastha; 4 Hastha machen 1 Stab, 4 Stab 1 Ryju (Schnure zum Landvermessen). Außerdem giebt es noch eine andere Mäßeinheit, die auch Angula heißt und dem Mittelglied am Mittelfinger des betreffenden Baumeisters gleich ist. Der Baugrund soll nach Osten zu abfallen, fruchtbar und wasserhaltig sein. Eine Menge abergläubischer Regeln gelten bei der Wahl desselben; durch den Schatten einer eingesteckten Nadel wurden die Himmelsgegenden gefunden. Ueber die Glieder und Säulen heben wir hauptsächlich folgende Bestimmungen heraus. — 1. Glieder. Die am häufigsten vorkommenden sind: a) Upana, Würfel, Platte. b) Campa (s. d.). c) Gala, Cantha, Griva oder Candhara (Nacken), rückliegende Platte, Fries, Hals. d) Uttara, vorstehende Platte, bald dem Architrav, bald der Kranzleiste entsprechend. e) Vajina, weit ausladende Campa. k) Prativajina, Schrägplatte, doch auch ein aus Platte u. Hohlkehle bestehendes Glied. g) Patta oder Pattica, etwas vergrößerte Vajina. h) Alinga, sehr weit ausladendes Plättchen. i) Antarita, schmale (Nuth, Falz), auch wohl Hohlkehle; (indischer Name der nymphaea ½ Padma, wörtlich Lotosblatt, 18835d3/0102 entsprichtungefähr unserm Karnies, u. zwar entweder dem stehenden Karnies od. der fallenden Welle (Mahambuja). m) Capota (s. d.); die Cumuda ist mit Längenriefen versehen, Padma u. Capota aber sind meist mit Blättern oder Beulen besetzt. — 2. Piedestal od. Upapitha. Die Höhe der ganzen Säule inel. Basis u. Kapitäl wird in vier Theile getheilt u. ein bis drei solche Viertel dem Piedestal gegeben. Danach zerfallen die Piedestale in drei verschiedene Arten: amVedhibhadra. Man theilt die Höhe des Piedestals (Fig. 2878 a) in 24 Theile, davon bekommt die Upana 5, die Campa (Leiste) 1, die Cantha (Würfel) 12, dieobere Campa 1, die Pattica 4 und die oberste Campa 1. Eine Variation dieser Vedhibhadra zeigt Fig. 2178 b: hier hat die Upana 2 Theile Höhe, die Padma 1, die Campa ½, die Cantha 5, die Campa ½, die Padma 1, die Pattica 1½ und die oberste Campa ½. b5) Pratibhadra. Hier wird die ganze Höhe in 26 Theile getheilt: 3 der Upana, 1 der Campa, 3 der Padma, 1 der Campa, 11 der Cantha, 1 der Campa, 2 der Padma, 3 der Capota, 1 der Alinga, und 1 der Antarita; s. Fig. 2178 6 und in Fig. 2178 e eine andere Variation. ) Mantschabhadra, Fig. 2178 d. Die Höhe wird in 30 Theile getheilt, davon kommen auf die Upana 3, die Campa ½, die Mahambuja 3, die Campa ½, die Candhara 2, die Schudrapadma (kleine Padma) ½, die Capota 2½, die Prativajina 2, die Gala 5, die Uttaxa 1, die Campa ½, die Padma ½, die Capota 3, die Alinga und Antarita zusammen 2½, Fig. 2178 und 2178g zeigen weitere Variationen der Mantschabhadra. Auch über die Ausladung der einzelnen Glieder sind genaue Vorschriften gegeben; die Padma wird häufig mit Lotosblättern besetzt, die viereckigen Glieder mit Edelsteinen, Blüten Blättern geziert, die Cantha erhält Darstellungen von Löwen, Chimären etc. — 3. Basis oder Athisthana. Ohne uns mit Aufzählung der Höhen der einzelnen Theile aufzuhalten, geben wir in Fig. 2179 die Profile einiger Säulenfüße nach den Vorschriften der Silpa-Sastra; die Höhenmäße sind genau befolgt. Auch hier giebt es verschiedene Arten: a) Cumbhabandha, s. Fig. 21794 u. b. b) Sribandha, s. Fig. 21796. 0) Pattabandha, s. Fig. 2179 d. d) Mantschabandha, s. Fig. 2179e. e) Pratibandha, s. Fig. 1868 k. Jede solche Basis differirt in ihrer Höhe von ½ bis zu einem ganzen Durchmesser des Säulenschafts. — 4. Säulen. Die Höhe der Säulen wird ausschließlich der Basis, aber einschließlich des Kapitäls gemessen und ist entweder das Sechsfache der Basishöhe oder das Dreifache des Postaments; doch zeigen die vorhandenen Beispiele viele Abweichungen von dieser Regel; der Durchmesser variirt zwischen ½3 — ½10 der Höhe, ja es kommen Säulen von blos 3 Durchmesser Höhe vor. Ein viereckiger Pfeiler heißt Brahmacanta, ein achteckiger Vischnucanta, ein fünfeckiger Sivacanta, ein sechseckiger Schandacanta, ein runder oder sechzehnseitiger Sudracanta, eine glatte runde Säule ohne Glieder Chandracanta. Außerdem kommt Besetzung der Schafte mit Kanälirung, Perlstäben u. vielerlei anderen Verzierungen vor. Meist aber ist der Schaft etwas verfüngt. Nach den Vorschriften der Silpa-Sastra könnte man die Säulen in folgende Arten eintheilen: a) Säulen von 6 Durchmesser Höhe, nur auf Basis und Piedestal aufgeführt, Basishöhe —2 Durchmesser, Piedestal ebenso, Kapitälhöhe gleich dem oberen Durchmesser. Die Totalhöhe des Gebälks kann gleich 1½, 2, 2½, 3, 3½ Durchmesser sein. Säulenweite 4 Durchmesser. b) Säulen von 7 Durchmesser Höhe. Piedestalhöhe ⸗2 Durchmesser, Basishöhe 1½ Durchmesser, das Kapitäl ist 1 Durchmesser und der Hals desselben /½ Durchmesser hoch und mit Tarangas (Wogen, Wellen) besetzt. Dann folgt der Haupttheil, der reich ornamentirt ist und ¾ Durchmesser Höhe hat. An diese Theile setzen sich die Konsolen an, die den Brillenschlangen gleichen sollen, oder dem Stengel der Pisangblume. Die Ausladung derselben ist zu jeder Seite gleich der Hapitälbreite, das Kapitääl selbst ist eckig u. auch oft mit Blättern, Brillantirungen re. HEIDELBERG O Universitatsbib verziert. Auf ihm liegt gleich einem Trummholz die verlängerte Kapitälplatte,/ Durchmesser hoch. Die Säulen⸗ m weiten differiren von 3—5 Durchmesser. 6) Die Höhe (mit sch Basis u. Kapitäl) ist 8 Durchmesser, die Verjüngung dis ELBERG O Universitätsbibliothel Fig. 2183. Die Basis ist ½/ Durchwird in 10 Theile getheilt: 2bekommt geschmückt und mit Däin 13 Theile getheilt; davon kommen 2 auf den den Karnies mit Blättern und 1 auf ein Riemchen 3 auf das obere Hals-Höhe des Gebälks Prostaras ist 2 Durchmesser und wird in 21 Theile getheilt; davon kommen 8 auf den Architrav, 7 auf das Kranzgesims und 6auf das Vyalam, einen über dem Kranzgesims stehenden Fries mit Thiergestalten. Einen dieser Theile beträgt die Ausladung des Architravs über die Pfeiler; die Ausladung des Kranzgesimses ist gleich seiner Höhe; der Architrav ist wieder mit genau bestimmten Gliedern besetztre. d) Die Höhe der Säulen ist —9 Durchmesser, die Basis 1 Durchmesser, Piedestal fehlt. Dann giebt es noch Säulen von 10 Durchmesser Höhe mit sehr niedriger Basis und 1½ Durchmesser Säulenweite, von 11 Durchmesser Höhe mit phantastischenVerzierungen u achtseitigem Schaft etc. Alle diese Säulen samt ihren Verzierungen haben genau abgemessene Verhältnisse, doch ist hier begreiflicherweise nicht der Ort, sie alle anzuführen, und wir begnügen uns daher, in Fig. 2182 u. 2183 zwei Säulen samt Gebälke unseren Lesern vorzuführen, statt der vielen Variationen, welche übrigens oft von sehr wie denn überhaupt die ganze inviel feineren Formensinn zeigt als die ägyptische. — 5. Chüren u. Chore. Tempel u. Brahminenhäuser haben stets zweiflügelige Thüren, die in Angeln gehen u. äußerlich mit Blätterwerk verziert sind. Die Gewände sind mit Götterbildern verziert. Ueber die verschiedenen Benennungen der Thore s. Dwara. Eine Dwarasobha hat 2 Geschosse, eine Dwarasala 2—4, eine Dwaraprasada 2—5, eine Dwarahamya 5—7, eine Dwaragopura 7—16. Man theilt die Breite des Tempels in 7, 8, 9, 10 od. 11 Theile u. giebt der Gopura stets einen weniger als Breite. Das Thorlichte soll / der ganzen Breite der Gopura betragen u. noch einmal so hoch als breit sein. Die so erhaltene Höhe wird in 17 Theile getheilt; 5 bekommt das Piedestal, 4 die Basis und 8 die Pfeiler etc.; alle diese Regeln sind bis ins kleinste Detail ausgesponnen. III. Profanarchitektur. Aus den Vorschriften der Silpa-Sastra geben wir nun noch Einiges über nichtgottesdienstliche Gebäude: 1. Dorf⸗ u. Stadtanlagen. Dieselben zerfallen nach der Größe in 40 Arten, von 500, 1000, 1500 etc. bis 20000 Quadrat-Dandas. Das ganze Terrain zerfällt in 20 Theile, davon gehört 1 den Brahminen, 6 den übrigen Kasten, die übrigen dem Ackerbau. Rund um den Ort führt eine Straße von 1—5 Dandas (1/ bis 9, m.) Breite. Das Abstecken der Straßen re. ist mit vielen Ceremonien begleitet. Je nach diesen Anlagen giebt es 8 Arten. a) Dandaca, rechteckig, von einer Mauer im Viereck umzogen. 1—5 parallele Straßen laufen von Ost nach West; 2 flankiren sie rechtwinklig u. 1 breitere durchschneidet sie in der Mitte. Nur die Mittelstraßen haben zwei Häuserreihen, die Grenzstraßen blos eine. Jedes Haus ist 3—5 Dandas (5, —9, m.) breit u. 2—4 Dandas (3, bis 7,3 m.) lang. An den Ecken liegen 4 kleine, in der Mitte der Seiten 4 große Thore. Gegen Südwest u. Nordwest liegen 2 Teiche; die Orte für die Tempel sind genau bestimmt etc. Die Größe kann variiren von 12, 24, 50, 108, 300 od. mehr Häusern. Ein Dorf von 24 Häusern muß bereits an einem Fluß liegen. b) Sarvatobhadra, rechtwinklig, in der Mitte ein Tempel der Trimurti, auf den die vier Hauptstraßen zugehen; ein solcher Ort erhält bereits Wall u. Graben, Hallen, Portiken, Schulen, Brunnen u. eine getrennte Vorstadt für die Parias. e) Nandyavartta wird nach einer mystischen Figur Chandita konstruirt. Diese ist ein längliches Viereck, welches in 64 Theile getheilt wird, wovon die mittleren 4, Brahmya, dem Brahma gewidmet sind u blos heiligen Zwecken dienen. Es würde zu weit führen, die ganzen Vorschriften aufzuzählen. Auch die folgenden Arten der Orte wollen wir blos mit Namen anführen. d) Padmaca, in Form einer Lotosblume. e) Sivastica, nach einer gleichbenannten mystischen Figur konstruirt. k) Prastara, in Form einer Muschel. g) Carmuca, bogenförmig. b) Chaturmucha viergestaltig (kreuzförmig). Die größeren Städte waren sehr nett gehalten, die Fahrwege fleißig mit Wasser besprengt, die Thore gewölbt (nach einer Stelle aus dem ersten Buche des Ramajana; die Beschreibung der noch stehenden Gebäude erwähnt nirgends ein Gewölbe), die Straßen mit Reihen von Kaufläden geschmückt und von allen Arten Künstlern bewohnt, von Sängern u. Musikern belebt; Fahnen flatterten auf den Mauerthürmen; an Gärten, Promenaden u. Bäumen fehlte es nicht. Die Häuser hatten oft viele Stockwerke und glänzten in buntem Farbenschmuck, standen dicht an einander und hatten alle gleiche Thür-u. Fensterhöhe; die der Brahminen waren die höchsten etc. — 2. Festungswerke. Dieselben umgeben die Ortschaften samt Feldern und steigen dadurch zu großem Umfang. Thorthürme u. Bastionen flankiren die Mauern, welche sich oft dreifach hinter einander wiederholen und aus Quadern erbaut sind; Felsengänge mit eisernen Fallthüren erschweren den Zugang, Brücken, Vorrathshäuser, Arsenale sind vorhanden u. in der Mitte liegt das Haus des Kommandanten. — 3. Wohnhäuser. Einiges darüber ist schon unter l. gesagt; in der Regel lag die Hausflur HEIDOELBERG O Universita erhöht gegen die Straße, an der Front zogen sich Bogengänge hin, mit Kaufläden dahinter, darüber Verandas, Gallerien, Erker und breit ausladende Dachtraufen, von Karyatiden getragen, Alles reich und phantastisch bemalt. Die Häuser der Brahminen hatten bis 9 Stockwerke; die Hausthüre lag nicht ganz in der Mitte der Front und hatte erhöhte Sitze (Vedicas) zu beiden Seiten. — 4. Landstraßen waren mit Bäumen eingefaßt, mit Wegweisern und Meilensäulen versehen. — 5. Wasserbauten waren häufig, Brücken von Werksteinen, Schleusen und Wasserbehälter, Bewässerungskanäle etc. überall, wo nöthig, vorhanden. — 6. Palä ste. Wir folgen hier der Beschreibung eines solchen Palastes in einem Drama. Jasminlauben bedeckten den Eingang, dessen Fußboden mit Blumengewinden bemalt war; Fahnen wehten über der kostbar verzierten Thüre, krystallene Blumenvasen standen auf den Thorsäulen, die Thürfelder waren mit Stuck und Gold verziert; der erste Hof enthielt eine Reihe Gebäude mit reichen Stuckverzierungen; die Treppenstufen waren vergoldet oder mosaicirt, die Fenster von Krystall, mit Perlen eingefaßt. Im zweiten Hof waren die Ställe für die Zugochsen. Der dritte Hof war der Gesellschaftshof; Spieltische, Lesebücher etc. waren bereit. Der vierte Hof war zu musikalischen Uebungen bestimmt. Der fünfte Hof enthielt die Küche. Der sechste mit reich verziertem Eingang enthielt Werkstätten für Juweliere, Parfümeurs etc. Der siebente Hof enthielt das Vogelhaus u. dgl. mehr. O. Rordindischer Zweigstil. In dem Lande der arischen Hindus haben sich nur wenig Gebäude der Eingeborenen erhalten, nur in der Provinz Orissa und im Gebiet von atsbibliothek Heidelberg Radschputana finden sich solche. Das älteste derselben ist der große Tempel von Bobaneswar, erbaut 657 n. Chr. von Lelat Indra Kesari. Die Tempel bestehen meist nur aus einer im Grundriß quadratischen, sehr hoch aufgeführten Vimana, ohne Fenster von außen und aus einer davorstehenden Mantapa mit ebenfalls quadratischem Grundriß, die entweder durch Wände geschlossen u. mit 4 Thüren versehen, oder auf 3 Seiten blos von Säulen getragen ist, stets aber in einer Kuppel endet und wenig mehr als die Höhe der Vimana erreicht. Auf der Spitze der Vimana erhebt sich eine Helmstange (Tee genannt) mit Rad und Fahne, wahrscheinlich eine Nachbildung des Schirmes auf den buddhistischen Topes. Der Tempel zu Dschaggernauth ist zwar von nordischen Herrschern, aber sicher. von südlichen Architekten 1174, die schwarze Pagode zu Kanaruk hingegen unter dem Radscha Nursing Deo nach nordischer Weise 1236—1241 erbaut; letztere war beinahe 57wm hoch und ist erst neuerdings zerstört worden. In Bobaneswar stehen noch mehr als hundert solcher Tempel. Der Tempel von Barrolli in Oberindien (Fig. 2180) ward im neunten Jahhundert gelegentlich der Hochzeit eines Prinzen aus der Dynastie Hun mit einer Prinzessin aus dem Hause Ratschputni errichtet und ist 19 m. hoch. Hier steht gemäß der Bestimmung des Tempels vor der Mantapa noch ein Tschaori, im Grundriß ein griechisches Kreuz mit in den Zwickel eingesetzten kleineren Quadraten bildend. Es kommen auch Höhlenbauten in diesem Stil vor, zu denen die Felsentempel auf der Insel Elephante gehören. In späteren Zeiten gestalteteman den Aufbau der Vimana immer thurmähnlicher, so bei dem bon Maun Sing 1592 erbauten Tempel zu Bindrabun u. bei dem Wiederaufbau von Audipur durch Amera Sing 1596, ferner bei der Erbauung von Dscheypur durch Dschaya Sing 1698 und an dem Palast zu Deeg, den Suradsch Mull 1750 erbaute. Der Einfluß des mohammedanischen Stils machte sich natürlich auch hier geltend und zeigt sich besonders in den Kuppeln der Mantapa, z. B. des Vishvesher Tempels in Benares (Fig. 2185), der um 1750 gebaut ist und zu einer Höhe von 16 m. aufsteigt. Ueberhaupt sind die neueren Bauten indischen Stils nicht durch Größe, sondern durch Zierlichkeit in den Details bei schwülstigen, oft sehr ge-IBLIOTHEK EIDELBERG O Universitätsbibl drückten Verhältnissen charakterisirt. Wir geben hier in Fig. 2186 eine Säule aus Ellora und in 2187 eine solche aus Barrolli. Am meisten zeigt sich der mohammedanische Einfluß an den Tschöttrys (OChuttry), Grabmälern der Radschahs, von denen wir ein Beispiel in Fig. 2188 (das Grabmal des Radschah v. Alvar) geben; den meisten Prunk aber entwickeln die Hindus heutzutage in den Profan⸗ „bauten. Viele der Paläste sind von riesenhafter Ausdehnung und enthalten eine Menge Gebäude u. Gärten, in den Gebäuden aber großartig disponirte Treppenhäuser, schöne Hallen und Säle von bedeutenden Dimensionen. So enthält ein Pavillon in Deeg, erbaut um 1750, einen Sal von 34 m. Länge bei 27½ m. Breite. Derselbe ist durch Säulen in 3 Schiffe getheilt; das Mittelschiff ist mit einem fein geschnitzten Holzdach versehen, die Seitenschiffe mit Steinplatten bedeckt, von 10, m. Länge bei 5, u. Breite. Da die Säulen blos 45 em. stark sind, so sind die meisten derselben durch das Gewicht der Platten zerdrückt worden. Die Architekturformen dieses Säles nähern sich sehr den mohammedanischen, während anderwärts, z. B. an dem Naik, um 1621 n. Chr. das Wasser heraufziehen penhaus bis hinunter zum Wasser ist reich mit Nischen u. Statuen verziert und auf den Podesten durch Gitterfenster mit dem Brunnenschacht in Verbindung gebracht. Auch die Dämme der künstlichen Seen u. Teiche sind oft mit Marmorbekleidung u. Bildhauereien ausgeschmückt, zwischen denen sich Pavillons, Kiosks u. Springbrunnen erheben. D. Kaschmirstil. Eine ganz eigenthümliche Richtung nahm der indische Stil in Kaschmir. Die Formen desselben sind so ziemlich vollständig aus Fig. 2190 (Tempel zu Pandrethan, erbaut vom Minister Partha im 10. Jahrhundert) zu ersehen. Die vielfachüber einander geschobenen Dächer sind eigentlich nur eine steinerne Kopie der hölzernen Dächer auf den Wohnhäusern Kaschmirs, bei denen das höhere Mitteldach das eigentliche Haus bedeckt, währeud unter den niederen Dächern sich Vorhallen und Verandas befinden. Dieser Kopirung hölzerner Dächer ist auch jedenfalls das Vorhandensein holzähnlich gestalteter Dachfenster zuzuschreiben. Die Säulenschäfte ähneln sehr den griechisch-dorischen, die Füße und Kapitäle aber zeigen jene Ueberhäufung von Gliedern, die auch bei den übrigen indischen Bauweisen so sehr in die Augen fällt. Die Architekturgeschichte Kaschmirs beginnt mit der Dynastie der Gonerdyas in der Mitte des 5. Jahrhunderts; einer von diesen, Ranaditya, begann um 600 n. Chr. den Tempel von Martund, dessen Hof rings von einer schönen Säulenhalle umgeben ist, die von Salitaditya um 752 n. Chr. erbaut ward. In der Mitte dieses Hofes steht eine Vimana mit Anterala und Mantapa. Letztere ist durch angesetzte Seitenflügel breiter als die Vimana. Das Dach fehlt leider, während es über den Kolonnaden des Hofs, wenigstens zum Theil, noch erhalten ist. Auch das Hauptthor, dem Tempel gegenüber, ist nur noch in den Fundamenten erhalten. Diese ganze Architekturgruppe war bis 1830 den Europäern noch vollständig unbekannt. Wohnhäuser s. Fig. 2296.












